Wilmersdorf

Tatort Woga-Komplex: Mord auf den Tennisplätzen

Die politische Affäre rund um die Tennisplätze im Hof des WOGA-Komplexes hat einen Krimi-Autoren aus Wilmersdorf inspiriert.

Will rein: Der Schriftsteller Josef Schley würde gern wieder Tennis auf der alten Anlage im WOGA-Komplex spielen. In seinem Krimi "ZentralStadion" ist das möglich.

Will rein: Der Schriftsteller Josef Schley würde gern wieder Tennis auf der alten Anlage im WOGA-Komplex spielen. In seinem Krimi "ZentralStadion" ist das möglich.

Foto: Carolin Brühl

Die Tennis-Plätze im Hof des WOGA-Komplexes am Lehniner Platz haben es dem Wilmersdorfer Schriftsteller Josef Schley angetan. Nicht nur, weil er selbst die Plätze, die bis 2007 noch bespielbar waren, 20 Jahre lang gern nutzte Die heute verwilderte Anlage ist seit etwa drei Jahren der Mittelpunkt einer Affäre, in deren Dunkel auch ein Sonderausschuss der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) bislang noch kein Licht bringen konnte. In groben Zügen dreht sie sich darum, ob ein Investor auf dem preiswert als Freizeitanlage erworbenen Areal Baurecht für Luxuswohnungen hat, wer es ihm zugesprochen hat und welche mysteriöse Rolle Berlins oberster Denmalschützer Jörg Haspel spielt, der im Februar 2016 erklärt, dass die Tennisplätze nicht zum Schutzgut der Gesamtanlage gehören. Genug Stoff für einen Krimi.

Josef Schley ist vor 40 Jahren der Liebe wegen aus dem Rheinland nach Berlin gezogen. Die Anlage liegt ihm als Stück des ihm vertraut gewordene Berlin am Herzen. "Als Nachbar und als ehemaliger langjähriger Besucher", wie er sagt. In seinem Krimi "ZentralStadion" hat er deshalb reale und fiktive Ereignisse verwoben, die sich um das Grundstück drehen. Wer das Viertel kennt, erkennt viele Straßenecken und Gebäude wieder.

Von Erich Kästner über Mark Knopfler zu Meret Becker

In Schleys Geschichte hat der Eigentümer die Tennisplätze allerdings bereits wieder an ein Betreiber-Duo verpachtet. Die beiden Männer sanieren die Anlage aufwendig und richten ein schickes Café ein, in dem die Wände mit den Fotos der Menschen geschmückt ist, die seit den 30er-Jahren dort weiße Bälle übers Netz geschlagen haben. Von Erich Kästner über Mark Knopfler, den Mitbegründer der "Dire Straits", Günter Pfitzmann zu Meret Becker und Jan Josef Liefers. "Ich habe die Geschichte so nah wie möglich an der Realität entlang erzählt, sagt Schley. Die Plätze seien auch deshalb so beliebt gewesen, erinnert sich der Schriftsteller, weil es keine Verpflichtung gegeben habe, weiße Kleidung zu tragen. "Hier hat jeder Tennis gespielt, wie und mit wem er wollte. Studenten und Professoren, Busfahrer oder Krankenschwestern. Neben der kleinen Baude der Pächterin standen damals auch immer Tische, an denen sich immer einige Kiezbewohner zum Zocken getroffen haben", erzählt Schley.

Die Zocker sitzen auch in seinem Krimi im Schatten der alten Pappeln wieder an den Tischen des neuen Cafés. Auch Tennis wird gespielt. Neben den Tennisplätzen haben die neuen Pächter aber auch Anlagen für Sportarten wie Beach-Volleyball angelegt. "So einen Nutzungsmix könnte ich mir auch künftig gut für die Anlage vorstellen", sagt Schley. Tennis gehöre ja leider im Moment nicht gerade zu den angesagten Sportarten bei Jugendlichen, aber das könne sich ja wieder ändern", meint er hoffnungsvoll.

Ein Pächter wird Opfer eines Verbrechens

Im Buch sollen die Pächter Einnahmen für die Investorengruppe generieren, haben aber nur einen Pachtvertrag mit zehn Jahren Laufzeit bekommen, damit die Option des Bauens offen bleibt", verrät Schley. Doch nicht etwa der Investor wird in der Geschichte Opfer eines Verbrechens, sondern einer der Pächter. Warum es dazu kommt, und wer der Täter ist, kann hier natürlich nicht verraten werden.

Für Schley ist es undenkbar, das die Anlage wie von den Investoren in der Realität gewünscht bebaut wird. "Das wäre ein Rückfall zurück ins 19. Jahrhundert, wo man auch so eng gebaut hat, dass kein Licht mehr in die unteren Etagen fiel", sagt er. Er könne ja verstehen, dass Wohnungen gebraucht würden in der Stadt, was da aber gebaut werden solle, sei für einen Durchschnitts-Wilmersdorfer sowieso nicht erschwinglich.

Für seinen neuen Krimi hat sich Schley deshalb auch genau eines solchen Themas, das die Menschen in der City West bewegt, angenommen: Luxusmodernisierungen.Mehr will er aber noch nicht verraten.

Information

Wer Josef Schley aus seinem Buch "ZentralStadion" lesen hören möchte, kann ihn am 8. Mai, um 19 Uhr, bei einer Lesung im kleinen Saal der evangelischen Kirchengemeinde am Lietzensee , Herbartstraße 4-6, treffen.

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