Charlottenburg

„Macken“-Markt SirPlus sucht neuen Laden

300 Tonnen Lebensmittel sind seit September in Charlottenburg gerettet worden. Jetzt unterstützt der Bezirk SirPlus bei der Suche nach einem neuen Laden.

Die Sirplus-Gründer Raphael Fellmer, Alexander Piutti und Martin Schott (von links).

Die Sirplus-Gründer Raphael Fellmer, Alexander Piutti und Martin Schott (von links).

Foto: Anja Meyer

Die Charlottenburger sind Fans davon, Essen vor dem Müll zu retten: Vor genau sechs Monaten hat der erste Pop-Up-Store des Berliner Startups SirPlus in der Wilmersdorfer Straße eröffnet. In dem kleinen Ladengeschäft werden aussortierte Lebensmittel mit kleinen Macken 30 bis 70 Prozent günstiger als im regulären Handel verkauft – und somit vor dem Wegwerfen bewahrt. Ein Konzept, das in der City West sehr gut ankommt. Schon im ersten halben Jahr sind so mehr als 300 Tonnen Lebensmittel gerettet und mehr als 100 Paletten an gemeinnützige Einrichtungen gespendet worden. Jetzt hilft sogar das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf bei der Suche nach einer neuen Ladenfläche für SirPlus.

Erster Laden nur temporär geplant

Denn der Standort in der Wilmersdorfer Straße 59 war von Anfang an nur ein temporärer. Das Haus soll saniert werden, wie SirPlus-Gründer Raphael Fellmer erklärt. Weil der Besitzer so von der Idee überzeugt ist, überließ er den SirPlus-Gründern die 76 Quadratmeter große Ladenfläche im Erdgeschoss als Zwischenlösung für ihren ersten Supermarkt. Anfangs mussten sie nur die Nebenkosten zahlen, ursprünglich sollten sie zum Januar wieder ausziehen. Seit diesem März zahlen sie reguläre Mietkosten, wann genau sie raus müssen, ist derzeit noch nicht klar. „Der Vermieter hat nur eine vierwöchige Kündigungsfrist“, sagt Fellmer. „Wir rechnen damit, dass wir noch in diesem Frühjahr weiterziehen müssen – und sind dem Eigentümer sehr dankbar, dass er uns damals hier hat einziehen lassen.“

600 Kunden täglich

Raphael Fellmer nennt den Ladenbetrieb in der Wilmersdorfer Straße einen Riesenerfolg. „Wir hatten schon im ersten Monat durchschnittlich 200 Kunden am Tag, mittlerweile sind es um die 600“, sagt er. Der Standort zeige, dass das Konzept in die Mitte der Gesellschaft gehört. „Vom Hipster bis zur Dame mit Gucci-Tasche kaufen alle bei uns ein.“ Weil der Laden so klein ist, stehen die Kunden häufig Schlange, um ihre Lebensmittel mit kleinen Macken oder abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zu bezahlen. In den vergangenen Monaten hat SirPlus deswegen auch ein professionelleres Kassensystem eingeführt. Außerdem gab es anfangs noch keine gekühlte Ware, auch das hat sich geändert. Um zu einem richtigen Supermarkt zu werden, soll der nächste Laden größer sein. „Wir sind auf der Suche nach einer Fläche zwischen 200 und 500 Quadratmetern.“

Unterstützung vom Stadtrat

Dabei will der Bezirk sie unterstützen. Wie Charlottenburg-Wilmersdorfs Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) mitteilt, suche man im Bezirk nach einer neuen Ladenfläche – bis jetzt habe sich jedoch noch nichts ergeben. „Leider haben wir nichts mehr im eigenen Bestand, deshalb sind wir auf die Kooperation anderer Eigentümer angewiesen“, sagt Schruoffeneger. „600 bis 900 Quadratmeter wären schön.“ Das Retten von Lebensmitteln hält er für einen besonders wichtigen Punkt in der Diskussion um Nachhaltigkeit. Bundesweit werden jährlich etwa 20 Tonnen Lebensmittel weggeschmissen. „Es ist wichtig, dass die Verbraucher die Wahlfreiheit haben, auch Lebensmitteln mit Macken zu erwerben“, sagt er. „Deshalb müsste eigentlich jeder Bürger so einen Markt in seiner Nähe haben.“

Das sieht auch Raphael Fellmer so. „Am liebsten wollen wir gleich in mehreren Bezirken präsent sein – wie andere Supermärkte eben auch“, sagt er. In diesem Jahr sollen deshalb noch drei weitere Filialen eröffnet werden. Konkrete Verhandlungen über langfristige Mietverträge gebe es bereits mit mehreren Shoppingcentern sowie mit Eigentümern von Ladenflächen in Schöneberg, Moabit und Neukölln. Derzeit könne Fellmer dazu jedoch noch nichts Konkretes sagen. Spätestens im kommenden Jahr soll die erste Filiale außerhalb Berlins eröffnet werden.

Gute Halbjahresbilanz

Die Bilanz, die Raphael Fellmer nach sechs Monaten zieht, klingt vielversprechend. „Fast jede Woche bekommen wir neue Partner dazu, die uns ihre Lebensmittel zur Verfügung stellen“, sagt er. Der wichtigste Partner ist die Metro: SirPlus erhält von drei Berliner Metro-Standorten die Ware, die die Tafeln nicht abholen konnten oder wollten und die deshalb sonst auf dem Müll gelandet wären. Neben dem reinen Ladenverkauf sei auch der Onlineshop gut angelaufen. So können sich Kunden auch online Retterboxen in zwei verschiedenen Größen sowie einzelne Lebensmittel bestellen. Außerdem geht in dieser Woche auf dem Schöneberger Euref-Campus der erste Rettomat an den Start – ein Snackautomat mit geretteten Lebensmitteln und Getränken.

Information

Sirplus, Wilmersdorfer Straße 56, Charlottenburg. Montags bis Samstag von 7.30 bis 20 Uhr.