Die Schatzkammer für Holzbläser liegt in Schöneberg

Das Geschäft "Die Holzbläser" in Schöneberg führt das wohl breiteste Sortiment an Aerofonen in Berlin.

Geschäftsführer Thomas Reichle kann erklären, warum ein Saxophon letztlich doch ein Holzblasinstrument ist.

Geschäftsführer Thomas Reichle kann erklären, warum ein Saxophon letztlich doch ein Holzblasinstrument ist.

Foto: Massimo Rodari

Obwohl große Musiker wie Charlie Parker, Jan Garbarek und John Coltrane Jazzgeschichte damit schrieben, ist das Saxofon ein vergleichsweise junges Instru­ment. Der Belgier Antoine Joseph Sax erfand es erst 1840 und ließ es sich sechs Jahre später patentieren. Heute gibt es vier gängige Bauformen, unterteilt in verschiedene Tonumfänge. Die gängigsten sind neben dem Tenor- und dem Alt- auch das Sopran- und Baritonsaxofon. Dazu kommen acht weitere Bauformen, etwa das Sopranino- oder das Subkontrabasssaxofon, wobei diese eher als Exoten in der musikalischen Landschaft gelten.

Riesiger Variantenreichtum

Schaut man sich die Saxofone bei den Holzbläsern an, erkennt man, dass der Variantenreichtum noch viel größer ist. Hier funkeln die Instrumente in allerlei Metalllegierungen. "Die rötlichen haben einen sehr hohen Kupferanteil für einen weicheren Klang. Die schwarz vernickelten haben einen etwas kräftigeren, brillanteren Klang", weiß Geschäftsführer Thomas Reichle und fügt hinzu: "Letztlich entscheidet der Musiker nach seinem Klangempfinden, welchen Klang er haben und wie er ihn realisieren möchte." Das einzige Fachgeschäft in Berlin mit einem so breit gefächerten Sortiment an Aerofonen, wie die Holz- und Blechblasinstrumente auch genannt werden, führt die Saxofone aller wichtigen Hersteller weltweit.

"Holz" bezieht sich auf das Material des Mundstücks

Aber auch Quer- und Blockflöten, Klarinetten, Oboen, Fagotte und eine kleine, aber feine Sektion von Blechbläsern. Die werden übrigens nach der Art der Klangerzeugung durch das Mundstück klassifiziert. Selbst Klarinetten aus Plexiglas oder Flöten aus Edelmetall gehören deshalb zu den Holzbläsern. Wer schon mal ganz nah an einem Orchester oder einer Big Band saß, hat vielleicht zuweilen ein störendes Klappern gehört, das sich in den Sound gemischt hat. Ein Zeichen dafür, dass es ein Problem mit der Mechanik eines Instruments gibt und repariert werden muss. "Die Klappen müssen immer wieder präzise eingestellt werden. Außerdem wird die Lederpolsterung, die die Tonlöcher leise verschließt, mit der Zeit hart und muss ausgewechselt werden", erklärt Thomas Reichle. Dafür gibt es bei den Holzbläsern eine Werkstatt.

Eine Rundumerneuerung dauert etwa ein bis zwei Wochen

Die Idee, ein Fachgeschäft für Aerofone damit zu verbinden, steckte hinter der Gründung 1985 durch Ronald Fischer-Weise. Er ist der Geschäftsführer der Werkstatt und überholt mit seinem Team die Instrumente. Jeder der Werkstatt-Mitarbeiter ist auf ein bis zwei Instrumente spezialisiert. Die Rundumerneuerung dauert etwa ein bis zwei Wochen. "Viele haben zwei Instrumente. Anderen fahren derweil in den Urlaub", erzählt Reichle. Bei größeren Arbeiten ist die Werkstatt über Monate ausgebucht. Bei kleineren Reparaturen geht es schneller. Ein Service, den Instru­mentalisten häufig nutzen. Auch Thomas Reichle. Er hat an der Universität der Künste studiert, als diese noch Hochschule für Musik hieß. Ein leidenschaftlicher Musiker, wie jeder bei den Holzbläsern. "Alle von uns spielen mindestens ein bis zwei Instrumente", sagt Reichle. Dennoch ist es bei den Holzbläsern erstaunlich ruhig. Dafür sorgen schalldichte Räume, in denen Musiker neue oder ihre reparierten Instru­mente ausprobieren können. Natürlich wehen auch immer wieder Klänge durch das weitläufige Geschäft, wenn ein Instrument bei den Kundengesprächen angespielt wird.

Teure Instrumente nicht nur für Profis

Es handelt sich schließlich auch finanziell um keine Kleinigkeit, wenn man zum Beispiel ein Fagott oder ein Saxofon kauft. Die Einstiegspreise liegen bei 3000 bis 4000 Euro. Die Skala nach oben reicht locker bis über 20.000 Euro bei besonders hochwertigen Instru­menten. Die werden nicht nur von Profimusikern gekauft, wie Thomas Reichle weiß: "Auch Hobbymusiker haben Instrumente in hohen Preislagen. Wenn man mit Herzblut spielt, ist einem das wichtig." Selbstredend gibt es aber auch viele Anfängermodelle, die vergleichsweise günstig sind. Die berühmt-berüchtigten Sopranflöten, landläufig als Blockflöte bekannt, etwa aus Kunststoff für kleines Geld. Ein beliebtes Einsteigermodell für Kids mit erstaunlich gutem Klang. Wer sich für ein teures Instrument entscheidet, dem bieten die Holzbläser ein Mietkaufsystem an, das den Erwerb immens erleichtert und gern angenommen wird. Zudem gibt es ein Sortiment an gebrauchten Instrumenten. Auch das Angebot an Zubehör ist umfangreich. Notenständer, Metronome, Mundstücke, Stimmgeräte oder Mikrofone gehören ebenso dazu wie auch mehr als 8000 Noten. Auch kleine Geschenke für Musikbegeisterte findet man hier. Etwa eine Violinschlüssel-Ausstechform für Plätzchen oder winzige Klarinetten-Kühlschrankmagnete. Wer einmal bei den Holzbläsern sein Instrument gefunden hat, kommt wieder, wie Thomas Reichle lächelnd verrät: "Stammkunden bleiben ein Leben lang."

Information

Die Holzbläser, Hauptstr. 65, Schöneberg, Tel. Verkauf 850 70 57 40, Werkstatt, Tel. 850 70 57 41, Mo.–Fr. 10–18 Uhr, Sbd. 10–14 Uhr