Regenbogenfahne weht am Charlottenburger Rathaus

Charlottenburg-Wilmersdorf will ein klares Zeichen gegen Homophobie setzen. Eine Broschüre informiert gleichzeitig über queeres Leben im Bezirk.

Charlottenburg-Wilmersdorf will ein klares Zeichen gegen Homophobie setzen. Eine Broschüre informiert gleichzeitig über queeres Leben im Bezirk. Von Philipp Siebert Vor dem braun-grauen Sandsteingebäude in der Otto-Suhr-Allee 100 fällt ein bunter Punkt ins Auge. Vor dem Charlottenburger Rathaus haben Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und die Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung Annegret Hansen (beide SPD) gemeinsam mit dem Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands Berlin-Brandenburg (LSVD), Jörg Steinert, am Donnerstagabend die Regenbogenfahne gehisst. Im Rahmen der Pride Weeks wolle der Bezirk damit ein Zeichen für Gleichberechtigung und gegen Homo- und Transphobie setzen, sagte Naumann. Denn weltweit nehme die Aggression gegen Minderheiten – sei es sexuell, kulturell, ethnisch, religiös oder weltanschaulich bedingt – deutlich zu. "Mehr denn je sind wir als offene Gesellschaft gefordert, uns aktiv für ein respektvolles Miteinander einzusetzen."

Regenbogenfahne in einem besonderen Jahr gehisst

"Wir hissen diese Regenbogenfahne in einem besonderen Jahr", ergänzt Steinert. Denn immerhin dürften homosexuelle Paare im Standesamt wenige Meter weiter demnächst nicht mehr nur eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, sondern wie heterosexuelle Paare auch heiraten. https://youtu.be/TzvylfyemgA Bei dieser einen Fahne soll es aber im Bezirk nicht bleiben. Am Freitagmittag soll eine zweite am Dienstgebäude Hohenzollerndamm in Wilmersdorf gehisst werden. Beide sollen bis Sonntag den 23. Juli wehen, dem letzten Tag der Pride Weeks.

Pride Weeks mit buntem Programm in ganz Berlin

Angefangen mit den "Respect Gaymes" am ersten Juli finden im Rahmen der Pride Weeks zahlreiche queere Veranstaltungen in ganz Berlin statt. Einer der Höhepunkte ist an diesem Wochenende dass alljährliche lesbisch-schwule Stadtfest in der Schöneberger Motzstraße. Am 19. Juli wird die 12. Gay Night at the Zoo mit Swingmusik im Berliner Zoo gefeiert. Einen Tag darauf stechen Schwule und Lesben zum Christopher Street Day auf der Spree in See. Der Höhepunkt ist aber auch in diesem Jahr die Parade zum Christopher Street Day (CSD) am Samstag den 22. Juli. Der CSD gilt seit den 1970er Jahren als ein internationales Symbol für lesbischen und schwulen Stolz und will die Vielfalt homosexueller Lebensweise darstellen. Dazu werden rund eine Million Menschen in Berlin erwartet. Start ist um 12:30 Uhr traditionell in der City West an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße. Um 16 Uhr wird die Ankunft am Brandenburger Tor erwartet. Novum in diesem Jahr wird der Beitrag der Evangelische Kirche sein, die in diesem Jahr erstmals auf dem CSD mit einem Wagen vertreten sein wird, um auch unter Homosexuellen für die kirchliche Trauung zu werben.

Broschüre informiert über queeres Leben im Bezirk

Wer darüber hinaus mehr über homosexuelles Leben in Berlin erfahren will, kann das mit der neuste Ausgabe der Broschürenreihe "Charlotte & Wilma". Die gibt der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bereits zum sechsten Mal heraus. Allerdings trägt sie diesmal den Namen "Charly & Wilma".

Darin werden Frauen und Männer in den Blick genommen, die sich unter dem diskriminierenden § 175 für die Akzeptanz homosexueller Liebe eingesetzt haben - darunter Rio Reiser, Renée Sintines, Anita Berber, nach der jüngst ein Park in Neukölln benannt wurde, und Magnus Hirschfeld, an den eine Gedenkstele gegenüber des Rathauses vor dem Haus in der Otto-Suhr-Allee 93 erinnert. Erhältlich ist die neue Broschüre wie auch die fünf vorausgehenden für jeweils einen Euro im Büro der Gleichstellungsbeauftragten im Rathaus Charlottenburg.