Neue Mitglieder im Interreligiösen Dialog

Zwei Gemeinden haben die Erklärung über den Interreligiösen Dialog des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf neu unterzeichnet: Equippers und Sei...

Zwei Gemeinden haben die Erklärung über den Interreligiösen Dialog des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf neu unterzeichnet: Equippers und Seituna. Von Anja Meyer Dem Interreligiösen Dialog des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf haben sich zwei neue Religionsgemeinden offiziell angeschlossen. In dieser Woche unterzeichneten die evangelisch-freikirchliche Gemeinde Equippers und die muslimische Glaubensgemeinde Seituna die gemeinsame, öffentliche Erklärung des Gremiums. Zuvor hatten sie Bürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und Vertreter des Dialogs schon eine Weile kennengelernt. Damit zählt das bezirkliche Netzwerk mittlerweile 17 Mitglieder, zu den Dialogrunden kommen auch Vetreter von Gemeinden, die die Erklärung nicht unterzeichnen wollen. Im Bezirk gibt es 88 religiöse Gemeinden und Einrichtungen verschiedener Glaubensrichtungen.

Der Interreligiöse Dialog des Bezirkes ist über die Jahre zu einem wichtigen Gremium avanciert, in dem sich die Beteiligten vierteljährlich mit Bezirksbürgermeister Naumann über Themen rund um Religion und Gesellschaft austauschen. Außerdem werden Neuigkeiten aus den einzelnen Gemeinden kundgetan. Der erste Dialog fand im Dezember 2008 statt. In den Anfangsjahren koordinierte das Mobile Beratungsteam "Ostkreuz" für Demokratieentwicklung, Menschenrechte und Integration den Dialog. Seit 2015 organisiert das Büro des Integrationsbeauftragten die Dialogrunden. Sie werden abwechselnd in den verschiedenen Religionsgemeinden oder im Rathaus des Bezirks abgehalten. So lernen die Gemeinden sich untereinander besser kennen.

Gemeinsame Erklärung vor vier Jahren unterzeichnet

Das Herzstück des Gremiums ist die gemeinsame, öffentliche Erklärung. Seit Herbst 2010 haben die Gemeinden daran gearbeitet, unterzeichnet wurde sie am 14. Juni 2012. Damit verständigen sich die beigetretenen, in Charlottenburg-Wilmersdorf ansässigen Religionsgemeinden darauf, als Katalysator für Diskussionen zu gesellschaftspolitischen und religiösen Fragestellungen aufzutreten. Sie wollen Vorurteile gegenüber Religionen abbauen. Wichtige Statuten, zu denen sich die Gemeinden erklären: Abwehr jeglicher Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und weiterer Vorurteile gegenüber Religionen. Die jüngste, 28. Dialogrunde richtete die neu beigetretene Gemeinde Equippers in ihren Räumlichkeiten in der Blissestraße aus. Sie ist eine Pfingstgemeinde, die zu den evangelischen Freikirchen zählt. Der Ursprung der Pfingstbewegung liegt in den USA, wo sie in der Öffentlichkeit sehr präsent sind. In Deutschland führen Pfingstgemeinden eher ein Schattendasein.

Die Equippers gründeten sich vor sechs Jahre, zunächst praktizierten ihren Glauben im ehemaligen President-Hotel gegenüber der Urania, 2011 zogen sie in die Blissestraße. Die Gemeinde zählt 300 Mitglieder, ein Großteil von ihnen ist zwischen 20 und 35 Jahren alt. Laut Pastor Jürgen Eisen halten sich die Gemeindemitglieder konsequent an christliche Inhalte, verpacken sie aber in neue Formen. „Wir feiern Gottesdienst mit Band, Schlagzeug und Rauchmaschine“, erzählt er. „Aber wir leben treu nach der Bibel.“

Seituna will offen für Dialog sein

Der Kulturverein Seituna sitzt mit seiner Moschee in der Sophie-Charlotten-Straße und zählt mehr als 200 Mitglieder aus verschiedenen Bezirken. In jüngster Zeit engagieren sie sich viel für Flüchtlinge. Im vergangenen November geriet Seituna bei einer groß angelegten Polizeiaktion in den Fokus der Öffentlichkeit. Ein Sondereinsatzkommando (SEK) durchsuchte die Räume nach Waffen und Sprengstoff, fand aber nichts. Wie Sulaima Yagan von Seituna berichtete, seien alle Gemeindemitglieder nach dem Einsatz erschrocken gewesen und fürchteten ein schlechtes Image. Um diesem entgegenzuwirken, suchten sie den Kontakt zu anderen religiösen Gemeinden und organisierten einen Tag der offenen Tür. Naumann lobte, dass Seituna nach dem negativen Erlebnis die Chance wahrnahm, offen auf andere zuzugehen und ins Gespräch zu kommen.

Arbeit nur auf Bezirksebene

Naumann zeigte sich erfreut über die neuen Unterzeichner der Erklärung. Er betonte, dass der Dialog eine wichtige Rolle im Bezirk einnimmt und erklärte noch einmal seine Aufgaben. „Unser Spielfeld ist der Bezirk“, sagte er. So zeige vor allem der Nahostkonflikt, dass internationale Konflikte negative Auswirkungen auf das Zusammenleben in Charlottenburg-Wilmersdorf haben können. Der Dialog thematisiere diese Auswirkungen. „Aber wir diskutieren nicht den globalen Konflikt aus.“

17 Gemeinden haben unterzeichnet

Die Gemeinden, die die Erklärung unterzeichnet haben, sind folgende: Alt Katholische Kirche, Anglican St. George Church, Baha'i Gemeinde, Berliner Moschee, Ensar Moschee, Evangelischer Kirchenkreis Berlin-Charlottenburg, Evangelischer Kirchenkreis Wilmersdorf, Jüdische Gemeinde Berlin, Katholisches Dekanat Charlottenburg-Wilmersdorf, Osman Gazi Moschee (Ditib), Shaolin Tempel Deutschland, Unitarische Kirche Berlin, Arbeitsgemeinschaft der Kirchen und Religionsgemeinschaften in Berlin (AKR), Sufi-Bewwegung, Baptistische Friedenskirche - und seit dieser Woche die Equippers Gemeinde Berlin und Seituna.