Neuer Weg zum Westkreuz führt durch blühende Gärten

Einer der Hauptverkehrsknoten der City West krankt an fehlenden Zugängen in die benachbarten Kieze.

Einer der Hauptverkehrsknoten der City West krankt an fehlenden Zugängen in die benachbarten Kieze. Doch jetzt öffnet sich das Westkreuz auch nach Osten. Von Thomas Schubert So nah und doch so fern. Das ist der Eindruck, wenn man zum Bahnhof Westkreuz will, aber nur in Sackgassen landet. Südlich des Lietzensees und am Nordzipfel von Halensee vergeht kaum eine Minute, in der man keine S-Bahn auf der Stadtbahnstrecke heranheulen hört. Von der Dernburgstraße aus lässt es sich sogar in jene Kleingartenkolonie hineinspazieren, die direkt an den Umsteigeknoten anschließt. Von oben herab erblickt man dort die Schienenschneisen im grünen Dickicht und die einfahrenden Züge. Hinabsteigen und einsteigen? Unmöglich.

Nur eine Treppe fehlt

Doch wie der Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schule (SPD) bekanntgab, ist die Schaffung eines neuen Zugangs nun beschlossene Sache. Von der Dernburgstraße im Norden und der Heilbronner Straße im Süden sollen Fahrgäste der Berliner S-Bahn möglichst bald eine neue Durchwegung vorfinden. Aus Nord und Süd gelangt man zu einer schon vorhandenen Brücke. Sie gilt allerdings als marode und müsste komplett umgebaut werden, damit Passanten von hier über Treppen hinunter zu den Ost-West-Bahnsteigen gelangen. Damit wäre die Sackgassensituation beendet.

Was Schulte vorschwebt, ist ein grüner Korridor, der das Zeug zur urbanen Erholungsfläche hat. Und zwar mit Einbeziehung der vorhandenen Kleingärten. „Hier haben wir eine Linse, aus der man in alle Richtungen schauen kann. Ein Blick von diesem Punkt wird spannend sein“, erklärte Schulte im Stadtplanungsausschuss. Dies sei die geeignete Stelle, um vorhandene Grünflächen zu erhalten und zu gestalten – „denn eine Wohnnutzung ist wegen des Lärms dort kaum zu verwirklichen.“ Mit dem Senat sei man bereits übereingekommen, nachdem die Deutsche Bahn ihre Pläne für einen neuen Ostzugang des Westkreuzes bestätigt hatte.

Ein Bahnhof ohne Haupteingang

Derzeit betritt man den 1928 eröffneten Turmbahnhof ausschließlich von der Rückseite über die Halenseestraße im Westen. Wie genau der neue Hauptzugang aussehen wird, kann die Deutsche Bahn bislang nicht beschreiben. „Wir befinden uns in der Vorentwurfsplanung, so dass zu Einzelheiten noch nichts gesagt werden kann. Mit dem zweiten Eingang soll der Bahnhof besser erschlossen werden“, äußert sich Bahnsprecher Gisbert Gahler auf Nachfrage. Eine Nutzung der Flächen zum Wohnungsbau, die zwischenzeitlich zur Diskussion stand, will die Bahn offenbar nicht mehr weiterverfolgen.

Im Bezirksparlament tragen zwar alle Kräfte die Entscheidung mit. Doch die CDU übt Kritik daran, dass Stadtrat Schulte sie mit seiner Enthüllung des Plans vor vollendete Tatsachen stellte. Wenn eine neue Grünfläche entsteht, müsse schnellstens geklärt werden, wer sie pflegt und mit welchem Geld, mahnt Christdemokrat Arne Herz. „Sonst wird Grün zu Grau.“

Baustart erst nach der Wahl

Schulte hält dem entgegen, dass die gesamte BVV eine Durchwegung schon lange gefordert hatte. Man sei beim Verfolgen des Planungsziels also konsequent gewesen und konnte erst an die Öffentlichkeit gehen, sobald die Durchwegung als spruchreif gilt. Nun sind die Planungen aber bereits so weit fortgeschritten, dass Bausenator Andreas Geisel (SPD) den Flächennutzungsplan zugunsten von Grünflächen ändern ließ. Wie der Zeitrahmen aussieht, lässt sich trotzdem nicht sagen. Alles, was feststeht: Der Umbau im Ostgelände des Westkreuzes beginnt nicht mehr vor der Wahl.