Die Steinmetzstraße wird grüner - dank Nachbarn

Ein Nachbarschaftsgärtner-Projekt verschönert den Problemkiez im Schöneberger Norden.

Ein Nachbarschaftsgärtner-Projekt verschönert den Problemkiez im Schöneberger Norden. Kinder, Ehrenamtler und Nachbarn packen in der Steinmetzstraße an. Von Anja Meyer Nach und nach bekommt die Steinmetzstraße im Schöneberger Norden ein neues Gesicht: Am Wochenende haben die Mitarbeiter aus dem Nachbarschaftszentrum Steinmetzstraße 68 gemeinsam mit Ehrenamtlern und Kindern aus der Straße eine weitere Pflanzaktion des Kiezprojektes. „Wachse, wachse und gedeihe“ gestartet. Dieses Mal bepflanzten sie das Beet vor dem Spätkauf. Ziel ist, die als prekär eingestufte Straße unweit des Nollendorfplatzes grüner erscheinen zu lassen. Und dass sich die Nachbarn besser kennenlernen. Seit 2015 packen Lisa Gilmozzi und Hamad Nasser, die zum Projektteam des Nachbarschaftszentrums gehören, im Frühjahr alle paar Wochen die Gartenschippen aus und laden alle Nachbarn ein, mitzumachen. „Wir wollen dadurch erreichen, dass die Anwohner sich für ihren Kiez engagieren“, sagt Lisa Gilmozzi. „Und natürlich, dass er schöner wird.“ Lange Zeit war die Steinmetzstraße total vermüllt, viele warfen ihre Abfälle auf die Straße und in die Hinterhöfe. Der Straßenstrich am oberen Ende bringt seit jeher Probleme. Die Fixerbestecke landeten dann ebenfalls in den Hinterhöfen. Ein 2008 initiiertes Projekt für schöne Hinterhöfe hatte damals schon viel verbessert. So soll es mit der bei einer Zukunftswerkstatt vorgeschlagenen Aktion „Wachse, wachse und gedeihe“ vor den Häusern weitergehen.

Manche Nachbarn machen spontan mit

„Wir spüren schon positive Auswirkungen“, erzählt Lisa Gilmozzi. Viele Nachbarn würden vorbeikommen und sich freuen, wenn sie das Team gärtnern sehen. Manche machen spontan mit, mindestens aber kommen sie miteinander ins Gespräch. So ergeben sich immer mehr Kontakte zwischen Studenten und Rentnern aus den Altbauten und Familien aus den Sozialwohnungen. Letztere übernehmen jetzt viel mehr Verantwortung für ihre Straße. „Wir sehen die ersten Pflanzen gedeihen“, sagt Hamad Nasser und meint das auch im übertragenen Sinne. „Ich freue mich, wenn ich aus meinem Büro sehe, wie die Kinder vorsichtig an den Rosen riechen“, sagt er.

Nebenbei bekommen Nachbarn und Kinder bei der Aktion auch noch ein bisschen Botanik-Unterricht. Die Landschaftsplanerin Jeanine Fornaçon unterstützt die Umsetzung des Projektes und leitet alle an. Im Vorfeld muss sie mit dem Grünflächenamt genau absprechen, was sie in der Öffentlichkeit pflanzen dürfen. „Wir haben uns für verschiedene Gräser entschieden“, erzählt sie. „Das macht die Straße lebendiger.“ Damit es während der zweistündigen Nachbarschaftsgärtner-Treffen direkt loslegen kann, organisiert Jeanine Fornaçon die Pflanzen schon vorher. An diesem Wochenende hatte sie vor allem Frauenmantel, immer blühende Segge, Astilben, Purpurglöckchen und Schattengras dabei. Das setzten die Kinder und Nachbarn mit Jeanine Fornaçons Hilfe auch bald ins Beet. Fertig ist der grüne Straßenzug damit noch lange nicht. „Jetzt werden wir sehen, wie es in Zukunft mit der Pflege läuft“, sagt die Landschaftsplanerin. Denn ohne die wäre es bald schon wieder vorbei mit den grünen Pflanzen in der Steinmetzstraße. Damit es funktioniert, hat das Nachbarschaftszentrum für jedes Beet Paten ernannt, die sich darum kümmern sollen. Die Patenschaft für das frisch bepflanzte Beet übernehmen die Mitarbeiter vom Spätkauf.