Ab Sommer ist es dicht

Berlins einziges Wellenbad wird eine Großbaustelle

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Sibylle Haberstumpf
Das Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg wird saniert und schließt Ende Juni, spätestens zum 1. Juli 2023 für dreieinhalb Jahre seine Pforten. Insgesamt werden in Berlin gerade so viele Bäder gleichzeitig saniert wie noch nie.

Das Wellenbad am Spreewaldplatz in Kreuzberg wird saniert und schließt Ende Juni, spätestens zum 1. Juli 2023 für dreieinhalb Jahre seine Pforten. Insgesamt werden in Berlin gerade so viele Bäder gleichzeitig saniert wie noch nie.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

In Berlins Bädern herrscht enormer Sanierungsstau. Es werden 152 Millionen Euro investiert. Kreuzbergs Wellenbad wird Großbaustelle.

Berlin.  Es ist die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte der Berliner Bäder-Betriebe (BBB): Für rund 42 Millionen Euro wird Berlins einziges Wellenbad erneuert – das 36 Jahre alte Freizeitbad am Spreewaldplatz. Für die jährlich 150.000 bis 180.000 Besucher des beliebten Bades in Kreuzberg bedeutet das einerseits die Aussicht auf ein nach dem Umbau hochmodernes Bad. Aber es heißt auch: mindestens dreieinhalb Jahre Warten. Das Wellenbad macht ab Ende Juni/1. Juli 2023 die Schotten dicht, wird leergeräumt und von Schadstoffen befreit. Dann wird das markante Gebäude innen zur Großbaustelle – bis mindestens zum Januar 2027.

Für Schulen und Vereine aus der Umgebung, die dort regelmäßig Schwimmsport betreiben, aber auch für die Öffentlichkeit, sei das „eine Herausforderung“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bäder-Betriebe, Johannes Kleinsorg. Die Gäste müssten während der Schließzeit auf andere Bäder ausweichen, und dafür auch längere Anfahrtswege auf sich nehmen. Die Wasserfläche werde schmerzlich fehlen, räumte der Bäder-Chef ein, aber: „Letztlich müssen alle etwas zusammenrücken.“

Was wird neu im Wellenbad? Unter anderem der Saunabereich wird umgestaltet. Auch das Dach soll neu gedämmt werden und eine Photovoltaikanlage bekommen. Geplant ist darüber hinaus ein höhenverstellbarer Boden im Sprungbecken, so dass es für Kurse wie Aquafitness oder Meerjungfrauschwimmen nutzbar ist. Und: Das gesamte Bad, in dem es viele Treppen gibt, wird barrierefrei. Als zusätzliche Attraktion erhält es eine neue Breitrutsche.

Noch nie gab es so viele Bäder-Sanierungen gleichzeitig

Neben dem Wellenbad in Kreuzberg werden in diesem Jahr auch umfangreiche Arbeiten im Stadtbad Schöneberg (7,9 Millionen Euro) und in der Schwimmhalle Zingster Straße in Hohenschönhausen (5,5 Millionen Euro) beginnen. Daneben laufen mehrere weitere Erneuerungen. Kleinsorg ordnete ein: „So viele Sanierungen gleichzeitig hatten wir noch nie.“ Ebenfalls noch nie habe das landeseigene Unternehmen mehr Geld in die Substanz seiner Schwimmbäder stecken können, so der Vorstandsvorsitzende. Rund 152 Millionen Euro stehen den Bäder-Betrieben mit den bereits laufenden Projekten im Jahr 2023 zur Verfügung.

Dass der Sanierungsstau groß ist, ist kein Geheimnis. Die Gesamtsumme für alle nötigen Sanierungen belaufe sich auf 400 Millionen Euro, so das Unternehmen. „Am liebsten würden wir natürlich alles sofort sanieren, aber dann müssten wir ja alle Bäder auf einmal schließen“, sagte Kleinsorge. Aber: „Das, was wir mit der Politik abgestimmt haben, ist jetzt im Rollen.“ Rechnen muss das Unternehmen auch immer mit Ungeplantem. So hat etwa das Sommerbad des Kombibades Spandau-Süd Sanierungsbedarf. Dort ist das Außenbecken marode, daher muss das Sommerbad schließen. Berlins Sportsenatorin Iris Spranger (SPD), Aufsichtsratsvorsitzende der Bäder-Betriebe, stellte aber schon Hilfe in Aussicht. Die Sanierung solle noch dieses Jahr beginnen. Ziel sei es, so Spranger, „das Außenbecken in der Sommersaison 2024 wieder am Netz zu haben.“

Im Stadtbad Schöneberg sollen die Arbeiten im Frühsommer starten. Dort werden unter anderem die Fenster ausgetauscht und die Lüftungsanlagen erneuert, die Becken erhalten neue Fliesen. Letzter Badetag ist der 1. Mai. Insgesamt gehen die Planer von einer Bauzeit von mindestens einem Jahr aus. In der Schwimmhalle Zingster Straße steht unter anderem die Auskleidung der Becken mit Edelstahl und die Sanierung der Aufenthaltsbereiche auf dem Plan. Der letzte Badetag ist für den 25. Mai mit dem Start in die Sommerpause vorgesehen. Die Bauarbeiten gehen nach dem Sommer los und sollen gut zwei Jahre dauern.

In Pankow gehen die Sonnenterrassen diesen Sommer wieder in Betrieb

Größere Reparaturen stehen zudem im Stadtbad Wilmersdorf I an. Es öffnet am 25. Juni letztmalig, im November 2023 soll dort alles fertig sein. Im Sommerbad Wilmersdorf dagegen läuft die Sanierung bereits seit 2021, Kosten: 5,7 Millionen Euro. Die Becken seien mittlerweile fertig mit Edelstahl ausgekleidet derzeit würden Rasen und Pflanzen erneuert, die Arbeiten sollen dieses Jahr abgeschlossen werden. Auch das Sommerbad Pankow mit den beliebten Sonnenterrassen geht nach umfangreicher Umgestaltung diesen Sommer wieder ans Netz – mit 2800 Quadratmetern zusätzlicher Liegefläche und barrierefreien Zugängen.

In anderen Bädern laufen die langjährigen Umbauarbeiten noch. Etwa im Paracelsus-Bad in Reinickendorf, erbaut 1960, das seit dem Sommer 2019 für 23 Millionen in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz saniert wird. Es soll 2024 fertig werden. Im Stadtbad Tiergarten wurden 18,7 Millionen Euro investiert, in der Kleinen Schwimmhalle Wuhlheide 2,4 Millionen Euro – die Fertigstellung ist nach den Sommerferien 2023 geplant. In den kommenden Jahren stehen weitere Teil- oder Komplettsanierungen an, darunter im Stadtbad Mitte, im Sommerbad am Insulaner und im Kombibad Mariendorf. Auch Neubauten seien in Planung, zum Beispiel das Multifunktionsbad Pankow.

Der Senatsbeschluss zum Energiesparen, der zur Folge hatte, dass die Wassertemperatur in den öffentlichen Bädern auf 26 Grad Celsius abgesenkt wurde, ist noch bis Ende März gültig. Kälter wird es in den Becken aber höchstwahrscheinlich nicht werden. Für Sportschwimmer seien die 26 Grad zwar völlig ausreichend, sagte ein Sprecher der Bäder-Betriebe. Familien mit Kindern hätten das kühlere Wasser aber teilweise kritisiert und seien weggeblieben.