Weiterbau A 100

Statt A 100: Hier entsteht ein neuer Kulturort

| Lesedauer: 3 Minuten
Alexander Rothe
Aus nicht genutzten und heruntergekommenen Flächen Kulturgut zu machen, gehört zum Markenkern der Berliner Kulturszene. So soll es auch bei der „Neuen Zukunft am Ostkreuz“ laufen.

Aus nicht genutzten und heruntergekommenen Flächen Kulturgut zu machen, gehört zum Markenkern der Berliner Kulturszene. So soll es auch bei der „Neuen Zukunft am Ostkreuz“ laufen.

Foto: Alisa Kraudszus / Grüne Fraktion Berlin

Die „Zukunft am Ostkreuz“ hat ein neues Zuhause: Auf der Ausbaufläche der A 100. Nicht das einzige Brachland, das zum Kulturort wird.

Berlin.  Noch liegen Schutt und Bretter vor den verlassenen, mit Graffiti besprühten Gebäuden. Moos hat sich auf den Dächern ausgebreitet und hängt von der Wasserrinne runter. Was sich die Natur zurückgeholt hat, soll schon bald wieder in menschlicher Hand sein. Auf der Fläche zwischen der Wilden Renate und dem Bahnviadukt in der Nähe des Ostkreuzes entsteht die Zukunft – wortwörtlich, denn die bislang brache Fläche in Alt-Stralau soll Heimat der „Neuen Zukunft am Ostkreuz“ werden.

Gelände der „Neuen Zukunft am Ostkreuz“: Gastronomie, Kino und ein Zirkus

„Wir müssen erstmal schauen, was im Detail möglich ist“, erklärt Manuel Godehardt, Mitglied des Kollektivs, das den Veranstaltungsort gemeinsam betreibt. „Es soll ein Freiluft- und Indoor-Kino, einen Biergarten und eine Kneipe geben. Konzerte wollen wir auch veranstalten.“ Geplant ist eine ähnliche kulturelle und gastronomische Ausstattung, wie am alten Standort in der Laskerstraße 5. Bis dahin ist jedoch noch viel Zeit und Energie notwendig, damit aus dem verkommenen Gelände ein Ort der Kultur wird. Auch Geld, weshalb das Kollektiv zu Spenden aufgerufen hat.

Auf der großen Fläche in Alt-Stralau soll neben der „Neuen Zukunft am Ostkreuz“ weiterhin Platz für andere kulturelle Angebote und Grünflächen sein. In jedem Fall ist laut den Kollektiv-Mitgliedern ein Fondue-Stand vorgesehen. Auch ein Zirkus sei geplant.

„Zukunft am Ostkreuz“ durch Ausbau der A 100 bedroht

Inwieweit die Neue Zukunft am Ostkreuz am neuen Standort jedoch Bestand hat, ist noch nicht ausgemacht. Sie liegt auf der geplanten Ausbaufläche der umstrittenen A 100 und ist wie weitere Clubs von Verdrängung bedroht. Während CDU und FDP die Verlängerung der Stadtautobahn aus verkehrspolitischen Gründen für sinnvoll halten, stemmen sich die Berliner Regierungsparteien gegen das Projekt.

So auch die Grünen, die sich mit mehreren Abgeordneten am Mittwoch auf dem Gelände der Neuen Zukunft am Ostkreuz versammelt haben, um sich mit Bürgerinitiativen und den Betreibern über den neuen Standort auszutauschen. Darunter auch Julian Schwarze, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er sieht den CDU-Vorschlag, den 17. Bauabschnitt der A 100 als Tunnel zu verwirklichen, um die Clubs schließlich als Neubauten zu erhalten, kritisch. „Ich bin mir unsicher, ob Clubs, die einen Charme haben und etabliert sind, durch einen Neubau ersetzt werden können.“ Jeder verschwundene Club sei einer zu viel.

Freifläche für kulturelle Veranstaltungen in Lichtenberg gefunden

Umso wichtiger sei es, neue Flächen zu finden, auf denen kulturelle Veranstaltungen möglich sind. Eine solche wurde nicht weit vom Ostkreuz entfernt an der Zobtener Straße 70 in Lichtenberg entdeckt. Es handelt sich um eine Freifläche, die laut Schwarze den Wasserwerken gehört. „Ziel ist es, das Gelände verschiedenen Projekten und Kollektiven zur Verfügung zu stellen. Es sollen dort Veranstaltungen und Konzerte stattfinden.“ Über die genaue Ausgestaltung wird sich am 4. Februar mit Anwohnenden, Kollektiven und Interessierten auf dem Areal ausgetauscht.

Es gibt sie also noch: Ungenutzte Flächen, die zu Kulturorten umgewandelt werden. Im Falle der „Neuen Zukunft am Ostkreuz“ sei es laut Betreibern großes Glück gewesen, dass eine Fläche innerhalb des S-Bahnrings und nicht weit vom alten Gelände entfernt gefunden wurde. „Es wird aber immer schwieriger solche Orte zu finden“, stellt Schwarze fest. „Neben der Verfügbarkeit dieser Flächen, spielen auch die Besitzer eine Rolle, die das Grundstück möglicherweise irgendwann selbst bebauen wollen.“