Kostüm-Polemik

Giftiger Tweet gegen Giffey: Monika Herrmann erklärt sich

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Die scheidende Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg,  Monika Herrmann (Grüne).

Die scheidende Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne).

Foto: Patrick Goldstein

Monika Herrmann hatte die designierte Senatschefin sexistisch beleidigt. Ihr Tweet sei ironisch gewesen, sagt Herrmann nun.

Berlin. Die scheidende Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann (Grüne), hat sich zu ihrem giftigen Tweet gegen Franziska Giffey (SPD) geäußert. Gegenüber der Berliner Morgenpost erklärte sie am Mittwoch, ihr sei es völlig egal, was Politiker und Politikerinnen für Kleidung tragen. Und darum sei es auch in ihrem Tweet gegangen.

Die Vorgeschichte: Am Dienstagvormittag schrieb Herrmann: „Bekommt Berlin bald ein „Schönes-Kostümchen-Gesetz? In welcher Verhandlungsgruppe wird das eigentlich gerade diskutiert? Und ist das in der neuen Regierung Chefinnensache oder bekommen wir gar eine/n FashionsenatorIn? Fragen über Fragen. Wir sind schon soooo gespannt!“

Der Tweet richtete sich scheinbar gegen Berlins designierte Senatschefin Giffey, die bei öffentlichen Auftritten stets in Kostümen zu sehen ist. Es ist nicht das erste Mal, dass die Grünen die Garderobe Giffeys ins Visier nehmen. Im Wahlkampf Ende August hatte die Öko-Partei in den sozialen Netzwerken ein Bild mit Spitzenkandidatin Bettina Jarasch und der Aufschrift „Politik, die sich in kein Kostüm zwingen lässt“ veröffentlicht. Schon damals zeigten sich viele Landespolitikerinnen und Landespolitiker verwundert bis verärgert über den aggressiven Ton, der ausschließlich auf Äußerlichkeiten abzielt.

Giffey: Wähler können erwarten, dass sich Politiker "adäquat" anziehen

Begonnen hatte das Modethema mit Aussagen Giffeys in der RBB-Talkshow „Riverboat“ am vergangenen Freitag. Moderator und Thriller-Autor Sebastian Fitzek sprach die Politikerin auf ihren Kleidungstil an. Das sei ja schon ein „Giffey-Style“. Die Politikerin erwiderte zunächst, dass ihr Look von Journalisten immer wieder und mitunter auch „bohrend“ thematisiert werde, ließ sich dann gutmütig – man war schließlich nur in einer Talkshow – auf eine Antwort ein: „Wissen Sie,“, sagte Giffey, „wenn man so ein politisches Amt hat, und auch repräsentiert für eine Stadt, für einen Teil einer Regierung, dann können die Leute erwarten ‑ und ich habe das als Bürgermeisterin in Neukölln auch so gemacht ‑, dass die Person, die sie gewählt haben und die für sie eintritt, auch entsprechend adäquat daherkommt. Und nicht wie frisch vom Campingplatz.“ Die Bürger der Stadt könnten sich kleiden wie sie wollten. Aber wenn man offiziell repräsentiere, dann sei es „auch für Berlin wichtig, dass wir nicht so dahergeschlumpst kommen“.

Gegenüber der Morgenpost erklärte Monika Herrmann nun, sie habe auf die in der aktuellen Woche folgende Berichterstattung über Giffeys Statements reagiert: „Mein Tweet ist ironisch“, meinte die Grünen-Politikerin. „Mir selber ist es völlig egal, was PolitikerInnen tragen und genau darum geht's mir im Tweet.“ Herrmann erinnerte daran, dass der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) vor vielen Jahren auch schon die Kleiderfrage bei Berliner Beamten kritisiert habe. „Es ist natürlich ebenso völlig daneben, dass Franziska ständig auf ihren Kleidungsstil angesprochen wird“, so Herrmann. Niemand solle Kleidervorschriften machen. „Franziska und ich haben uns darüber gestern ausgetauscht. Ihre Aussage war nur eine Antwort auf die ständige Frage nach ihrem Kleidungs-Stil und implizierte keine Empfehlung für andere PolitikerInnen“, erklärte Herrmann. Sie könne das gut nachvollziehen und sei gleicher Ansicht. „Wir sollten eben genau nicht über Äußerlichkeiten anderer diskutieren, sondern um Inhalte ringen. Da sind wir uns einig. Und das habe ich mit meinem Tweet auch gemeint.“

Herrmanns Giffey-Polemik sorgte für viel Kritik

Herrmanns Giffey-Polemik platzte am Dienstag mitten in die Koalitionsgespräche zur Bildung einer neuen rot-grün-roten Landesregierung in Berlin. Kritik an Herrmanns Tweet ließ nicht lange auf sich warten. Sawsan Chebli (SPD), bislang Staatssekretärin in Berlin, twitterte: „Liebe @MonikaHerrmann1, der Wahlkampf ist vorbei. Es wird von uns erwartet, gute Politik zu machen. Und da ist eine Menge zu tun. Und gerade wir Frauen sollten zueinander stehen. Unterstützen einander. Sind solidarisch.“

Auch von Twitter-Usern kam Kritik: „Finden Sie solch eine Reaktion als erwachsener Mensch eigentlich angemessen? Mir persönlich ist es zu billig und klingt nach schlechter Verliererin“, hieß es etwa. Oder deutlicher: „Lieber Kostüm im Roten Rathaus, als Monika Herrmann in politischer Verantwortung.“