Umfrage

Wie ticken die Alten von Friedrichshain-Kreuzberg?

Von Einsamkeit bis zu Problemen mit Pop-up-Radwegen: Der Bezirk versendet 11.000 Fragebogen der Studie „60+“.

Dieter Kloß, Vorsitzender der Seniorenvertretung Friedrichshain-Kreuzberg.

Dieter Kloß, Vorsitzender der Seniorenvertretung Friedrichshain-Kreuzberg.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. In den nächsten Tagen erhalten 11.000 Menschen ab 60 Jahren in Friedrichshain-Kreuzberg Post vom Bezirksamt. Im jüngsten Bezirk der Stadt will man auf 24 Seiten erfahren, wie seine Senioren leben, wo sie gefordert werden wollen und was ihnen fehlt.

Das Bezirksamt fragt etwa, wie häufig man während er vergangenen zwölf Monate Kontakt zu Familie und Freunden hatte, an welcher Art Bildungsangebot man interessiert wäre, ob es Benachteiligungen wegen des Alters gibt und wie sehr das Internet zum Alltag gehört.

Senioren auf Slalomlauf durch die Gaststätten

Beim Entwurf von Themen und Fragen wurde neben sozialen Einrichtungen des Bezirks auch die Seniorenvertretung Friedrichshain-Kreuzberg zurate gezogen. Corona hatte den Start der Befragung ausgebremst. Die Ergebnisse der Studie werden im Sommer 2021 vorgestellt und sollen Grundlage für bezirkliche Planungen und Entscheidungen werden.

Der stellvertretende Bezirksbürgermeister und Sozialstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) appellierte daher an die Adressaten, sich auf die Befragung einzulassen: „Je mehr Menschen mitmachen, desto eher gelingt es uns, die vielfältigen Bedarfe der älteren Menschen im Bezirk abzubilden.“

Und die Liste der Sorgen von alten Menschen im Bezirk ist lang. Der Vorsitzende der Seniorenvertretung, Dieter Kloß sagt: „Für uns als ältere Fußgänger sind Radfahrer die größte Gefahr.“ Das Mobilitätsgesetz des Senats würde von Senioren im Bezirks als Fahrradgesetz wahrgenommen, kritisiert Kloß.

Keine Antwort aus dem Rathaus

Ein weiteres Problem sei wegen der Neuregelungen während der Corona-Krise entstanden. Bis zum derzeitigen November-Lockdown durften Gastronomen vielerorts den Bürgersteig als Terrasse nutzen. Für Alte käme das jetzt Slalomläufen „durch die Gaststätten“ gleich, so Kloß. Ungewohnt seien auch neue Pop-up-Radwege. Man sei nicht generell dagegen. Nur sei etwa auf der Frankfurter Allee für viele nicht ersichtlich, wo mit Radfahrern zu rechnen sei.

Die Seniorenvertretung hatte Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) im August eine Liste dieser und weiterer akuter Sorgen geschickt. Darunter auch Kritik an einem anhaltend schlechten Zustand der Gehwege im Bezirk. Sie habe bis heute nicht geantwortet, sagt Dieter Kloß.