Verkehr

Umbau des Bergmannkiezes soll noch im Herbst beginnen

Der Bergmannkiez wird umgestaltet: Zwei Ausschüsse geben grünes Licht für den bis zu elf Millionen Euro teuren Umbau.

Erste Details des achtjährigen Projekts: So könnte die Bergmannstraße in vier bis fünf Jahren aussehen.

Erste Details des achtjährigen Projekts: So könnte die Bergmannstraße in vier bis fünf Jahren aussehen.

Foto: Raumscript

Berlin. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will noch vor Weihnachten mit der Umgestaltung des Kreuzberger Bergmannkiezes beginnen. An allen Einfahrten zum Wohnviertel sollen Schilder aufgestellt werden. Aufschrift: „Durchfahrt verboten“ sowie „Anlieger frei“. Zuvor muss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) den im September präsentierten Plänen des Bezirksamts zustimmen. Das wird bei der Sitzung am 25. November erwartet.

In Abstimmungen empfahlen zwei Ausschüsse (Umwelt, Klimaschutz, Verkehr und Immobilien sowie Personal, Haushalt und Investitionen) am späten Donnerstagabend der BVV, den Plänen des Bezirksamts grünes Licht zu erteilen. Der Leiter des Straßen- und Grünflächenamts Felix Weisbrich unterstrich, dass für die Umsetzung eine Reihe Fördermittel zur Verfügung stehen könnten. Der Umbau kostet acht bis elf Millionen Euro, mit der Fertigstellung wäre laut Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) 2024/25 zu rechnen.

Westlich vom Mehringdamm und nördlich von der Gneisenaustraße begrenzt, will der Bezirk ein vor acht Jahren vom damaligen Senat angestoßenes Modellprojekt umsetzen. Berlin- und sogar bundesweit wurde dies seitdem jedoch nicht wegen kühner Verbesserungen für die Bewohner des Viertels, sondern durch unverständliche Erscheinungen auf der Bergmannstraße berühmt. Das reichte von Parklets zu Eiszeitfelsbrocken und grünen Punkten. Startkosten für die Begegnungszone: 1,1 Millionen Euro.

Dass die Fremdkörper aber nur Demonstrationsobjekte waren, die Anwohnern im Rahmen der Bürgerbeteiligung zeigen sollten, welche Auswahlmöglichkeiten der Straßenmöblierung sie haben, wusste kaum jemand. So räumte Amtsleiter Weisbrich am Donnerstagabend im Verkehrsausschuss auf Nachfrage der Verordneten Hannah Sophie Lupper (SPD) auch die schlechte Kommunikation aus dem Rathaus ein, die allerdings vor seinem Antritt begonnen hatte. Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte in einer Bürgerdiskussion im Mai 2019 eingeräumt: „Ich sage hier ganz ehrlich: Es ist nicht gut gelaufen.“ Weisbrich kündigte jetzt an, rechtzeitig vierseitige Informations-Flyer „in alle Briefschlitze im Bergmannkiez“ befördern zu lassen.

Folgen für Mehringdamm und Gneisenaustraße

Was er einmal als „riesiges Blocksystem“ bezeichnet hatte, wird nun noch tiefer in die umliegenden Straßen ausstrahlen als erwartet. Dazu nannte Weisbrich Details:

Für die Gneisenaustraße will der Bezirk eine Umwandlung des streckenweise verwilderten Mittelstreifens erreichen. Vorgesehen sind ein durchgehender Fußgängerstreifen und ein Radweg. Die Parkplätze werden aufgehoben. All das untersucht eine Machbarkeitsstudie. Geprüft wird auch Tempo 30 für Mehringdamm und Gneisenaustraße.

Die Verlängerung der Bergmannstraße, die Kreuzbergstraße, soll zur Tempo-30-Einbahnstraße in Richtung Mehringdamm werden. Der zusätzliche Fahrbahnplatz wird den erst im August umgelegten Radwegen zugeschlagen.

Anwohner der von Kreuzberg nach Tempelhof führenden Katzbachstraße beklagen seit langem die Verkehrsbelastung. Gutachter prüfen jetzt, ob sich Forderungen nach einer Sperrung umsetzen ließen, ohne den Verkehr auf dem Mehringdamm komplett zusammenbrechen zu lassen. Mit einer Sperrung wird daher nicht gerechnet. Mindestens aber sollen Tempo 30 und Fahrbahnkissen kommen.

In Verlängerung der im Juli angeordneten Fahrradstraße Körtestraße soll die nach Tempelhof und Neukölln führende Lilienthalstraße auch zur zweispurigen Fahrradstraße werden. Dafür ist das zweite Halbjahr 2021 angepeilt.

Da die Schließung der Durchfahrt von Zossener Straße zu Friesenstraße vorgesehen ist, muss ein laufendes Verkehrsgutachten des Bezirks untersuchen, wie sich das auf die Hauptachsen Mehringdamm und Gneisenaustraße auswirken würde. Nur wenn die Auswirkungen dort nicht zu Dauerstau führen, so Weisbrich, werde die Senatsverkehrsverwaltung der Schließung des Knotenpunkts vor der Marheinekehalle zustimmen.

Der Baubeginn wäre in zwei Jahren

Die Maßnahmen dienten einer Verkehrsberuhigung, die bei der Bürgerbeteiligung von Anwohnern gefordert worden sei, betonte er. Der Bergmannkiez könne modellhaft zeigen, wie diese in Wohnquartieren Sicherheits- und Aufenthaltsqualität erhöht. Langfristig will der Bezirk eine Ausdehnung der Verkehrsberuhigung, die dann von Wohnviertel zu Wohnviertel überspringt.

Im nächsten Schritt ist für 2021 die Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs vorgesehen. Baubeginn wäre 2022. In diesem Jahr beginnt ein Gros der angepeilten Förderprogramme.

Wohl weil Weisbrich in der gemeinsamen Ausschusssitzung am Donnerstag mehrfach das bezirkliche Einverständnis mit der von Grünen-Senatorin Regine Günther geleiteten Senatsverkehrsverwaltung hervorhob, erklärte Linken-Verordnete Katja Jösting süffisant, dass nach der nächsten Wahl die Zuständigkeit für das Ressort durchaus bei einer anderen Partei liegen könne – mit anderer Haltung zum Projekt. Insgesamt stimmten aber Grüne, Linke und SPD mehrheitlich für eine Empfehlung an die BVV, die Umbaupläne des Bezirks Ende November zu bestätigen. Gegenstimmen gab es vor allem von der CDU

Der Umbau kostet zwischen acht und elf Millionen Euro, mit der Fertigstellung wäre laut Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) 2024/25 zu rechnen.

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