Verwahrlosung

Hoffnung für den gefürchteten Quartierpark

Pläne gegen Drogen und Müll an der Lobeckstraße vorgelegt. Bis zum Frühjahr 2022 soll die neue Grünanlage fertig sein.

Keine Aufenthaltsqualität, vieles ist verwahrlost und vermüllt: der Lobeck Park in Kreuzberg.

Keine Aufenthaltsqualität, vieles ist verwahrlost und vermüllt: der Lobeck Park in Kreuzberg.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Die Klagen der Anwohner sind erheblich. Im Quartierpark an der Kreuzberger Ritterstraße gebe es Dealer und Süchtige, eine Ecke sei Treffpunkt von Trinkern, in der Sandkiste lägen Spritzen, die Parkmauer werde als öffentliche Toilette genutzt. Mit baulichen Maßnahmen will der Bezirk gegensteuern. Die Landschaftsarchitekten des Büros Beissert und Hengge haben nun einen Vorentwurf präsentiert.

Eine Befragung der Anwohner zeigte, dass es eine Reihe Problemzonen gibt im Park, der mit 7370 Quadratmetern etwas größer ist als ein Fußballplatz. Etwa die Zufahrtsstraße zur Rückseite der St.-Jacobi-Kirche. „Da herrscht reger Verkehr“, sagt Ümit Bayam vom Stadtteilausschuss. „Es wird beidseitig geparkt, Eltern lassen ihre Kinder zur angrenzenden Kita raus, Taxifahrer bringen Senioren zur Kirche. Da hat sich so etwas wie Gewohnheitsrecht eingespielt“, sagt er unzufrieden. „Das ist zum Parkplatz-Geheimtipp geworden.“

Quartierpark: Senioren klagen über schummrige Wege

Das Landschaftsbüro will daher die jetzt zehn Meter breite Zufahrt auf 3.50 Meter verengen, dazu je zwei mal einen Meter Bürgersteig. Dort befinden sich zukünftig Bänke und eine wirksame Beleuchtung. Gerade Senioren klagen über schummrige Wege, wenn sie in den kalten Monaten zur Kirche laufen oder heimgehen. Zudem wird das Grobsteinpflaster abgeschliffen. So kommen Alte und Rollstuhlfahrer sicherer voran.

Den Spielplatz meiden derzeit Eltern und Erzieher. Das soll sich ändern. Vorgesehen ist eine Abzäunung und neues Spielgerät. Weitere Bewegungsmöglichkeiten, die auch Erwachsene für sich forderten, bieten Schaukeln wie im Gleisdreieckpark, ein Geschicklichkeitsparcours, Trampolinflächen und eine große Hängematte zum Klettern. Die Parkmauer wird abgerissen, die Grünanlage soll wieder einsehbar werden.

Der gesamte neue Quartierpark ist unterteilt in einen Bewegungs- und einen Aufenthaltsbereich. „Was in den Zuschriften der Anwohner oft auftauchte“, so Bayam, „war der Wunsch nach einer ‘Oase’.“ Das soll an zwei sanierten Brunnen, einer davon für Kinder, spürbar werden.

Versenkbarer Poller abgelehnt

Zurück bleiben allerdings auch offene Fragen. Von unmittelbaren Anwohnern des Parks kam die Sorge, dass ein Planschbrunnen Kinderlärm bringen werde. Auch eine Wegführung muss noch geklärt werden, sagt Ümit Bayam. An der nördlichen Seite des Parks soll die bestehende Strecke zugunsten von Fußgängern, die etwa an die Kirchenrückseite wollen, asphaltiert werden. Bisher ist der Boden dort bei feuchtem Wetter aufgeweicht, Pfützen bilden sich.

Kritiker fürchten, dass umgehend Radfahrer den neuen Weg belegen und Fußgänger gefährden könnten. Das Bezirksamt will daher laut Bayam den neuen Bodenbelag überdenken.

Einen versenkbaren Poller an der Ritterstraße, der Eltern und Dauerparker von der Zufahrt der St.-Jacobi- Kirche fernhält, lehnt man im Grünflächenamt ab. Immerhin aber werden Voraussetzungen für den Fall geschaffen, dass die baulichen Veränderungen Falschparker nicht abschrecken. So soll eine Stromverbindung hergestellt werden, über die Kirche und Kita eine Sperre steuern könnten.

Der Park gilt als „Angstraum“

Bayam sagt, viele Menschen im Kiez empfänden den Park als „Angstraum“. Nach einer Sanierung sollen die Bürger zurückgeholt werden, um jenen Raum zu nutzen, der jetzt Dealern und Süchtigen überlassen wird. Die Trinker allerdings wolle man nicht verdrängen. Die seien vielleicht laut – aber ungefährlich. Weil sie in ihrer Ecke Abfall hinterließen, würden für Flaschen und dergleichen zusätzliche Mülleimer aufgestellt, so Bayam.

Der Baufahrplan sieht vor, dass der Vorentwurf nun präzisiert wird, so dass im Juni kommenden Jahres die erste Bauphase starten kann. Im Frühling 2022 wäre Eröffnungsfest. Für den Bau stehen 1,37 Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln zur Verfügung.