Unsicherer Schulweg

Eltern fordern Zebrastreifen auf Prinzenstraße

Ein Zebrastreifen auf der Prinzenstraße wurde 2017 abgelehnt. Nun drängt die SPD das Bezirksamt zu einem neuen Vorstoß bei der Polizei.

Anwohnerin Grusche Nothdurft und Tochter Smilla

Anwohnerin Grusche Nothdurft und Tochter Smilla

Foto: Patrick Goldstein

„Sehen Sie, genau das ist das Problem“, sagt Hebamme Grusche Nothdurft und weist auf einen vorbeischießenden Radfahrer. Mit 15 weiteren Eltern ist die dreifache Mutter am Donnerstagabend aus dem Graefekiez zur Prinzenstraße gekommen, um die Gefahrenstelle anschaulich zu machen. Dort, wo die Uferseiten des Böcklerparks in Kreuzberg für wenige Meter auf einer einspurigen Tempo-50-Fahrbahn zusammen laufen, werden besonders Radfahrer zur Gefahr für Schüler.

„Wenn man hier über die Straße geht, mögen Autofahrer ja noch anhalten. Aber viele Radfahrer bemerken die Fußgänger weit später und fahren einfach weiter“, sagt die 39-Jährige. Genauso ist es eben geschehen. Fast rast ihr ein Mann auf einem Rennrad gegen das Vorderrad. Hinter dem geduldigen Autofahrer indes, der wartet bis sie ihr Rad mit Tochter Smilla zum Bürgersteig geschoben hat, bildet sich schnell eine Reihe. Ein Fahrer hupt und zeigt Grusche Nothdurft dafür, dass sie über die Straße geht, im Vorbeifahren den Mittelfinger.

Schulweg ist dem Vater zu unsicher

Es gibt Stoßzeiten an dieser Gefahrenstelle. Morgens, mittags, abends. Es ist der Weg für Kinder von drei umliegenden Schulen. Ein Vater sagt, wegen der Straße begleitete er seinen zehnjährigen Sohn noch immer zur Schule.

Der Mittelstreifen sei aber wenig hilfreich, meint Hebamme Nothdurft: „Dort drängeln sich mitunter bis zu zehn Menschen. Radfahrer, die ihr Velo schieben, passen gar nicht vollständig hinauf.“

Antwort an das Bezirksparlament erst nach zwei Jahren

Auf Antrag des SPD-Verordneten Frank Vollmert hatte die Bezirksverordnetenversammlung daher im Oktober vor zwei Jahren das Bezirksamt beauftragt, einen Zebrastreifen auf Höhe der Mittelinsel einzurichten. Das Ressort leitete damals noch Florian Schmidt (Grüne). Jetzt erst wurde der BVV geantwortet.

Die amtierende Ressortleiterin, Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) teilt mit, dass ein solcher Zebrastreifen schon 2017 von einem Gremium abgelehnt worden war, der Arbeitsgruppe „Förderung des Fußverkehrs/ Querungshilfen“ aus Vertretern von Polizei, Straßenverkehrsbehörde, Bezirke, Senatsverkehrsverwaltung und Straßen- und Grünflächenamt. Namentlich die Polizei begründete die Ablehnung dort damit, dass Radfahrer, die entlang des Ufers fahren, dann den neuen Zebrastreifen über die Prinzenstraße nehmen und von heranfahrenden Autofahrern erfasst werden würden.

Begründung: „bizarr“

Grusche Nothdurft findet die Begründung bizarr: „Weil sich eventuell und möglicherweise Radfahrer falsch verhalten könnten, schlägt die Berliner Polizei die Sicherheit aller, die sich daran halten wollen in den Wind?“ Frank Vollmert reagiert ebenso unverständig. „Das ist inzwischen ein ganz neuralgischer Punkt im Kiez. Man kann da keine Begründung von 2017 hervorziehen.“ Die Polizei hatte erklärt, die Querungsstelle sei kein Unfallschwerpunkt. Die vorhandene Mittelinsel reiche zum Überqueren aus.

In der Oktober BVV will Frank Vollmert den Zebrastreifen nun erneut beantragen. Mit mehr Erfolg, wie er und die Eltern vor Ort hoffen.