Kreuzberg

Bergmannstraße soll für Autos gesperrt werden

| Lesedauer: 3 Minuten
Viel Fahrrad, viel Grün und öffentliche Sitzgelegenheiten: Der Beschluss des Bezirksamts hat Wünsche der Anwohner in seine Planung einbezogen.

Viel Fahrrad, viel Grün und öffentliche Sitzgelegenheiten: Der Beschluss des Bezirksamts hat Wünsche der Anwohner in seine Planung einbezogen.

Foto: Raumscript

Nach langer Vorbereitung stellt das Bezirksamt am Mittwoch vor, wie sich die beliebte Kreuzberger Einkaufsstraße verändern soll.

Berlin. Es war die Straße mit Parklets, über die alles lachte, und Eiszeitsteinen, die Falschparker abschrecken sollten. Grüne Punkte auf der Fahrbahn und unablässig Kritik an der Bezirkspolitik, insbesondere an Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) sind das, was den meisten in Erinnerung geblieben ist. Nach achtjähriger Vorbereitung stellt das Bezirksamt am Mittwoch vor, wie es an der beliebten Kreuzberger Einkaufsstraße endlich weitergehen soll. Einige Details lassen sich bereits nennen.

Markanteste Veränderung ist die Sperrung der Bergmannstraße zwischen Nostitz- und Schleiermacherstraße für den motorisierten Individualverkehr. Derzeit ist dort im Zuge der Testphase der Begegnungszone Tempo 20 angeordnet.

Bergmannstraße in Kreuzberg: Zweispuriger Radweg soll entstehen

Der Radverkehr dagegen wird gestärkt. Wo sich momentan Fußgänger, Lastwagen, Busse, Autos und Fahrräder einen bedrohlich engen Straßenraum teilen, der zudem in der zweiten Spur meist zugeparkt ist, soll ein zweispuriger Radweg entstehen. Der Forderung von Gewerbetreibenden und Geschäften, die dort von Boutiquen über Supermärkte bis zu Gastronomiebetrieben reichen, will der Bezirk mit einer Ausnahmeregelung für Lieferverkehr nachkommen. So wären entsprechende Transportfahrzeuge laut Konzept zwischen sechs und elf Uhr zugelassen.

In Befragungen und bei Arbeitstreffen mit Bezirksamtsvertretern hatten Anwohner stets darauf gedrängt, nicht allein die Bergmannstraße umzugestalten, sondern den Durchfahrtverkehr auch aus angrenzenden Straßen zu nehmen. Hans-Peter Hubert von der Initiative leiser-bergmannkiez.de betonte dabei, man müsse „den gesamten Bergmannkiez denken“. Mit der von schweren Flops begleiteten Einführung der Parkraumbewirtschaftung in und nahe der Bergmannstraße im vergangenen Jahr hatte der Bezirk die Flut suchender Autofahrer schon merklich reduziert. Nun sollen die umliegenden Straßen mit Einführung von Tempo-20-Zonen sowie Einbahnstraßen beruhigt werden.

Bergmannstraße - lesen Sie auch:

Bergmannstraße: Radfahrer und Fußgänger sollen sich nicht gefährlich behindern

Das Erscheinungsbild der neuen Bergmannstraße wird nach Plänen des Bezirksamts von einer Fußgängerzone bestimmt. Eine erste Simulation der Strecke durch die vom Bezirk beauftragte Agentur „Raumscript“ zeigt eine klare Trennung, bei der Radfahrer und Fußgänger sich nicht gefährlich behindern, wie es jetzt noch häufig geschieht. Ein städtebaulicher Wettbewerb ist vorgesehen. Man wolle eine Infrastruktur schaffen, in der Grünflächen und Wasserelemente verbunden sind, so der Bezirk. Darin würden Regenwasser gefiltert und die Temperatur lokal geregelt. Nicht zuletzt hinaus soll eine grüne Bergmannstraße Lebensraum für Insekten bieten.

Das nun vorgelegte Modell ist Ergebnis einer langen Bürgerbeteiligung. Der Ursprung der Umgestaltung liegt im Jahr 2012 als der Senat die Bezirke aufforderte, sich für ein Pilotprojekt Begegnungszone zu bewerben. Es gab 33 Anfragen für 33 Kieze. Friedrichshain-Kreuzberg bekam mit der Bergmannstraße den Zuschlag.

Für die Parklets gab es Häme und Verärgerung über nächtliche Partys

In der Folge wurde die Strecke zu einer Art Open-Air-Ausstellung, in der Bezirk und Senat zum Anfassen aufstellte, aufmalte und installierte, welche Elemente die Bürger zur Wahl hatten. Für die Parklets gab es Häme und in den Wohnungen darüber Verärgerung über nächtliche Partys und Süchtige. Ein Zebrastreifen dagegen ist bis heute wohl frequentiert, Fahrradbügel ausgelastet.

Im Bezirksamt haben die Fachverwaltungen aus den Forderungen der Anwohner einen realisierbaren Entwurf gemacht. Das Ergebnis wird in der kommenden Woche der Bezirksverordnetenversammlung zur Abstimmung vorgelegt, Bürger können es ab Donnerstag, wochentags von 8-18 Uhr bei einer Ausstellung im ehemaligen Rathaus Kreuzberg, Yorckstraße 4-11, sehen.