Hermannplatz

Karstadt-Deal: Zustimmung und Kritik aus den Bezirken

SPD und FDP erwarten positive Impulse für den Bezirk, die Linke Neukölln greift den eigenen Kultursenator Klaus Lederer an.

Von den einen gewünscht, von den anderen verschmäht: der geplante Karstadt-Neubau am Hermannplatz.

Von den einen gewünscht, von den anderen verschmäht: der geplante Karstadt-Neubau am Hermannplatz.

Foto: ChipperfieldArchitects

Berlin. Der Deal des Senats mit den Eigentümern des angeschlagenen Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof, der Signa-Gruppe, hat auch in der Lokalpolitik von Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln für Reaktionen gesorgt. Dafür, dass vier Häuser fortbestehen und vorerst 500 Arbeitsplätze erhalten bleiben, darf Signa unter anderem den umstrittenen Neubau von Karstadt-Hermannplatz errichten, den Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) zurückgewiesen hatte.

In der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg war das Projekt stets unterschiedlich bewertet worden. Die Gruppe der FDP hatte die ablehnende Haltung des Baustadtrats dazu scharf kritisiert. FDP-Frau Marlene Heihsel erklärte jetzt auf Nachrichtendienst Twitter, dass sie ein Entziehen der Verantwortung für das Hermannplatz-Projekt als Bezirksverordnete eigentlich zurückweisen müsste.

„Allerdings war es unglaublich peinlich, wirtschaftsschädigend und ideologisch motiviert, was sich Friedrichshain-Kreuzberg hier (mal wieder) geleistet hat.“ Daher begrüße sie die Entscheidung des Senats. „Hoffe, es geht jetzt voran“, so Heihsel.

Der Vorsitzende des Bauausschusses, John Dahl (SPD), hatte in der Vergangenheit die wirtschaftliche Bedeutung des Karstadt-Standorts in den Vordergrund gerückt und erklärte nun erneut, der jetzige Beschluss sei eine Chance für die städtebauliche Entwicklung des Kiezes. Mit dem Deal seien Hunderte Arbeitsplätze vorerst gesichert.

Karstadt-Gegnern und Initiativen, die kritisieren, ein optimiertes neues Gebäude werde das Umfeld so aufwerten, dass Mieten steigen und Mieter wie Gewerbe verdrängt werden, hielt er entgegen, dass ein Abzug des Unternehmens vom Standort oder ein Verbleib unter derzeitigen Bedingungen des veralteten Baus keine Verbesserung in der Umgebung bieten würden.

Karstadt am Hermannplatz: „Neubau auch als Chance“

„Man kann einen Neubau auch als Chance verstehen“, sagte Dahl. Der jetzige Zustand des Hermannplatzes sei schlecht, die Verkehrsführung alles andere als ideal. Das Thema einer Straßenbahnanbindung könne jetzt wieder aufgegriffen werden, ganz zu schweigen vom Zustand des U-Bahnhofs. Es sei zu erwarten, dass auch Unternehmen Signa dies vorantreibt: „Die wollen dort gewiss kein schönes Gebäude hinstellen und vor der Tür herrscht die derzeitige Situation“, sagte Dahl.

Die Vereinigung der Karstadt-Gegner „Initiative Herrmannplatz“ dagegen kritisierte, der Senat ermögliche jetzt „freie Fahrt für das Abriss-Projekt am Hermannplatz, dem Friedrichshain-Kreuzberg eine Absage erteilt hat“. Das Land mache Symbolpolitik, statt nachhaltige Lösungen für Stadt und Arbeitsmarkt zu liefern. Der Senat habe sich mit der Drohung erpressen lassen, Filialen und Arbeitsplätze zu streichen.

Weiterhin gegen Abriss einsetzen

Auch Die Linke Neukölln übte scharfe Kritik. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hätten Signa „den roten Teppich ausgerollt“, so Moritz Wittler, Sprecher der Linken Neukölln. Direkt griff er Lederer an: „Die Verabredung widerspricht der Beschlusslage der Partei Die Linke in Berlin und wird allein von Dr. Klaus Lederer verantwortet.“

Die Linke Neukölln werde sich weiter entschieden gegen den Abriss einsetzen, so Wittler. Dass durch den Deal nachhaltig Arbeitsplätze gesichert worden seien, sei „eine Nebelkerze“. „Signa hat kein langfristiges Interesse an einem funktionierenden Warenhaus, sondern ist allein an der Verwertung der Immobilien interessiert“, so der Linken-Sprecher.