Unfall

Vater klagt an: Tochter von Radfahrer umgerissen

Wegen einer Baustelle müssen sich Fußgänger und Velofahrer knapp 2,60 Meter teilen.

Serkan Turan steht mit seiner Tochter Eda und Frau Sara dort, wo das Kind beim Fahrradunfall umgerissen wurde.

Serkan Turan steht mit seiner Tochter Eda und Frau Sara dort, wo das Kind beim Fahrradunfall umgerissen wurde.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Der Zusammenstoß geschah auf dem Heimweg vom Einkauf. Ein Radfahrer riss Serkan Turans vierjährige Tochter Eda um. Denn vor seiner Haustür an der Stralauer Allee in Friedrichshain drängen sich wegen einer Baustelle Radfahrer und Fußgänger auf knapp 2,60 Metern.

„Manchmal sind es ein Dutzend Räder, die in beide Richtungen unterwegs sind. Und man selbst steht mitten dazwischen“, sagt Turan. Als Mitarbeiter des Ordnungsamts Mitte kennt er den täglichen Wahnsinn auf den Straßen der Stadt. Er könne jetzt nicht begreifen, so der 42-jährige, zu ähnlichen Vorkommnissen „jeden Morgen den Dienst anzutreten, und vor der eigenen Tür machtlos zu sein“.

Eda wurde von einem Radfahrer erfasst, über dessen Hinterrad links und rechts Gepäcktaschen hingen. Eine davon traf sie. Das Kind stürzte – ein schrecklicher Moment für den Vater. Glücklicherweise blieb das Mädchen unverletzt. Der Radfahrer sei spürbar betroffen gewesen, was Turan letztlich besänftigte. „Aber ich kann Eda nicht mehr allein vor die Tür lassen“, sagt er. Der Platz dort reiche gerade dafür, an der Haustür den Kopf hervorzustrecken, „um zu sehen, ob nicht ein Radfahrer aus einer der beiden Richtungen vorbeirast“. An manchen Stellen blieben nur zwei Meter Platz. Fußgänger würden so „zur bedrohten Art.“

Nicht die Sicht eines kämpferischen Autofahrers

Dabei argumentiert der 42-Jährige nicht aus der Sicht eines kämpferischen Autofahrers oder Fußgängers. Vielmehr hat er seinen Wagen wegen der Verkehrssituation längst verkauft und fährt jeden Tag mit dem Rad zum Dienst: „Bei Wind und Wetter“, sagt er.

Grund für die Baustelle, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite von seinem Miethaus befindet, sind umfangreiche Instandsetzungsarbeiten von Berliner Wasserbetrieben und NBB Netzgesellschaft. Laut Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz werden dort seit Februar Trinkwasser-, Abwasserdruck- und Fernwärmeleitungen modernisiert. Dort den Gehweg vollständig zu sperren, sei unvermeidbar gewesen. Fußgänger und Radfahrer werden daher auf die Seite geleitet, auf der der Unfall geschah.

„Leider nicht ideal“

Laut Verkehrsverwaltung sei man davon ausgegangen, dass es auf dem 40 bis 50 Meter langen Bereich nur wenig Rad- und Fußverkehr gebe, weshalb man sich für die Wegführung entschieden habe. Turan dagegen will die tägliche Gefährdung nicht einleuchten: „Was muss denn erst geschehen, dass dort gehandelt wird?“

Eine weitere Frage ist, ob unter dem Vorzeichen der Corona-Krise der vorgeschriebene Abstand eingehalten wird. Die Senatsverwaltung sagt, davon gehe man aus. Aber: Die Situation sei aufgrund der Baustelle „leider nicht ideal“.

Höchst aufmerksam sein

Die Lage an der Stralauer Allee ist kein Einzelfall. Auch wer an der Kieler Straße in Mitte unterwegs ist, sollte höchst aufmerksam sein. Wegen einer Brückenbaustelle teilen sich Fußgänger und Radfahrer den Bürgersteig, auf dem eine Pop-Up-Strecke angelegt wurde.

An der Stralauer Allee müssen Anwohner wie Serkan Turan noch eine Weile mit der Unsicherheit vor ihrer Haustür leben. Die Zusammenlegung bleibt laut Senatsverwaltung bis Mitte Juli bestehen. Jedoch werde man nach dem Hinweis der Berliner Morgenpost „diese Verkehrsführung noch einmal überprüfen“.