Wir sind wieder da

"Little Long": Betreiber stehen "mit dem Rücken zur Wand"

Wo früher in der Kreuzberger Kultkneipe „Morena“ gezecht wurde, kämpfen jetzt die neuen Chefs gegen die Krise an.

Lien Chu und ihr Partner Cao Ba Vu im gemeinsamen Restaurant „Little Long“.

Lien Chu und ihr Partner Cao Ba Vu im gemeinsamen Restaurant „Little Long“.

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Berlin. Eigentlich sollte der erste Geburtstag ihres asiatischen Szene-Restaurants „Little Long“ gebührend gefeiert werden. Dort, wo sich früher die Kultkneipe „Morena“ an der Wiener Straße in Kreuzberg befand, hatten Lien Chu (29) und ihr Lebensgefährte Vu Cao Ba (35) im Mai vergangenen Jahres mit Musik, Cocktails und dem besten aus ihrer Küche den Start in eine neue Zukunft gefeiert. Zwölf Monate später war dem Paar gar nicht mehr nach Party zumute. „Gerade, als das Geschäft so lief, wie wir uns das erhofft hatten, kam Corona“, sagt Lien Chu. Der Break-even-Punkt war noch nicht erreicht. Zudem war Lien Chu acht Monate zuvor zum zweiten Mal Mutter geworden.

Lesen Sie auch: Die Macher des “Fatoush“ haben in der Krise umgelernt

Für das eigene Restaurant hatte sie eine sichere Position in Marketing und Kommunikation des Mercedes-Benz-Vertriebs in Friedrichshain aufgegeben. „War alles umsonst?“ grübelte sie jetzt daheim. Das Risiko, das beide auf sich genommen hatten, war enorm. „Das Little Long ist keine GmbH, wir haften mit unserem Privatvermögen.“

Lebensmittel an Obdachlose verschenkt

Statt in Depression zu versinken, handelte Lien Chu. Sie schrieb an Vermieter und Dienstleister, erwirkte Zahlungsaufschub. Dann kümmerte sich die Tochter einer Krankenschwester um jene, die während Corona anderen halfen. Eine Woche lang brachte sie den Mitarbeitern von zwei Krankenhäusern Sushi-Boxen an den Arbeitsplatz. Auch Bedürftige und Obdachlose bedachte sie. Von ihren Lieferanten sammelte sie Lebensmittelspenden, legte Gemüse aus dem eigenen Bestand drauf und verteilte alles tütenweise im Kiez.

Alle Nachrichten zum Coronavirus in Berlin, Deutschland und der Welt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus in Berlin haben wir hier für Sie zusammengetragen. In unserem Newsblog berichten wir über die aktuellen Corona-Entwicklungen in Berlin und Brandenburg. Die deutschlandweiten und internationalen Coronavirus-News können Sie hier lesen. Zudem zeigen wir in einer interaktiven Karte, wie sich das Coronavirus in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt ausbreitet. Alle weiteren wichtigen Informationen zum Coronavirus bekommen Sie hier. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen in Deutschland finden Sie in unserem Klinik-Monitor.

Zwischendurch überarbeitete sie die Karte, hielt mit Stammkunden via Social Media Kontakt, schrieb sich für das Gutscheinsystem ein und bediente aus dem bald nur noch halb-geschlossenen Laden die Selbstabholer. Derweil hielt sie Söhnchen Jeremy in dessen improvisierter Spielecke im Auge. „Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, findet man plötzlich neue Auswege“, sagt sie im Rückblick.

Wie eine zweite Eröffnung

Wenn sie jetzt wieder Gäste empfangen darf, so sei das wie eine zweite Eröffnung. „Es fühlt sich an wie ein kompletter Neustart.“ Und der Geburtstag ihres Restaurants, da ist Lien Chu fest entschlossen, wird mit viel Musik und gutem Essen nachgeholt.

Little Long Wiener Straße 60, Kreuzberg, Tel. 69 51 53 32, Speisekarte unter littlelong.de, 12-22 Uhr