Reiseverbot

In Marokko gestrandete Berliner sind zurück in Kreuzberg

Petra Höppner und Uwe Carl versuchten seit Ende März vergeblich, am Ende einer Marokko-Radtour nach Berlin zu gelangen.

Erleichtert und erschöpft: Petra Höppner und Uwe Carl am Abend ihrer  Rückkehr.

Erleichtert und erschöpft: Petra Höppner und Uwe Carl am Abend ihrer Rückkehr.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Berlin. Der lange ersehnte Moment kam für sie um 21.15 Uhr. Am Dienstag landete auf dem Flughafen Tegel die Maschine der polnischen Fluggesellschaft LOT. An Bord waren Petra Höppner und Uwe Carl, die seit Ende März nicht mehr aus Marokko fortgekommen waren.

Der 60-jährige Hausmeister und die 58-jährige Kita-Köchin aus Kreuzberg waren im Dezember zu einer Radtour durch Marokko aufgebrochen. Nach 3000 Kilometern in der Wüste, in Oasen und kalten Übernachtungen im Zelt beendeten sie im März die Rundreise, fuhren ans Meer – von wo sie dann am 22. März vom Auswärtigen Amt eiligst in die Hauptstadt Marrakesch beordert wurden. Für die letzten Flüge außer Landes. Doch das Paar kam zu spät.

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Berliner in Marokko gestrandet: fünf Wochen im Hotelzimmer

Es folgten fünf Wochen in einem kleinen Hotelzimmer von Gefängniszellengröße, bei Graupen- und Linsensuppe, Ausgang auf dem Dach und vergeblichen Versuchen, via Internet, über Chatgruppen und per Hörensagen einen Flieger oder die Fähre außer Landes zu bekommen.

Von jenen Wochen der Ungewissheit berichtete die Berliner Morgenpost am vergangenen Freitag. „Als das Angebot vom Konsulat kam, mit der LOT auszufliegen, glaubten wir nicht mehr daran“, sagt Carl. Natürlich buchten sie sicherheitshalber dennoch.

Am Dienstag fuhr der Kleinbus an ihrem Hotel in der menschenleeren Altstadt vor, sie luden zwei schwere Kartons mit ihren Stahlrädern ein, in den Taschen jene wochenlang erhoffte offizielle Genehmigung, durch das Land fahren zu dürfen. „Am Flughafen gingen nur drei Maschinen. Die Mitarbeiter hielten uns an, mit Abstand in der Schlange zu stehen – dabei trugen sie im Gegensatz zu uns Passagieren selbst keine Maske“, so Carl. Die Maskenpflicht wird in Marokko streng durchgesetzt, sagt er. Den Einmalschutz könne man problemlos in kleinen Läden kaufen. „So richtig an eine Rückkehr konnten wir erst glauben, als wir wirklich im Flieger saßen.“

Nachbarn hatten den Kühlschrank schon gefüllt

Freunde holten das Paar ab. Den Kühlschrank daheim hatten Nachbarn gefüllt. „Vollkornbrot, Würstchen, Scheibenkäse – das ging ab“, sagt Carl. Denn im Flugzeug hatte das Personal aus Angst vor Corona keine Snacks ausgegeben.

So zu zweit am Küchentisch merkten sie erst, dass bei allem Bangen um eine Rückkehr das eigentliche Abenteuer, die Radreise, in ihren Erinnerungen ganz zurückgetreten war. „Jetzt blickten wir auf die Fotos und sagten: Weißt du noch ...?“

Vor ihnen liegen nun die Tage einer zweiwöchigen Quarantäne. „Anweisungsgemäß haben wir uns am Mittwoch beim zuständigen Gesundheitsamt gemeldet“, sagt Carl. Dort wollte man wissen, ob die beiden unter Corona-Symptomen leiden. Glücklicherweise nicht. „Nun dürfen wir das Haus nicht verlassen, dürfen keinen Besuch empfangen, und Einkäufe stellen uns Nachbarn vor die Tür.“ Sie mögen wieder zurück sein. Aber auf die Rückkehr in die Normalität müssen Höppner und Carl noch warten.