Aufruf

Görlitzer Park: Mit Grillwurst gegen Dealer

Um das von Drogenhandel geprägte Areal wieder zu normalisieren, sollen eine Grillfläche und ein Imbisswagen angeboten werden

Der Vorplatz des ehemaligen „Edelweiß“.

Der Vorplatz des ehemaligen „Edelweiß“.

Foto: Patrick Goldstein

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg will eine neue Form von Leben in den Görlitzer Park bringen. So wird die Bewirtschaftung einer Ausschank- und einer Grillfläche vergeben. Zudem können sich Interessenten darum bewerben, auf dem Areal vor dem ehemaligen „Edelweiß“ einen Imbisswagen zu betreiben. Ursprünglich sollte bereits im ersten Quartal dieses Jahres eine Entscheidung getroffen werden, wer da zukünftig eine andere Form von Handel im Park treibt.

Fristen werden wegen Corona vorerst verschoben

Die Idee dazu besteht schon lange. Doch aus dem Straßen- und Grünflächenamt hieß es am Mittwoch, dass die aktuelle Coronakrise dafür sorgen wird, dass ursprüngliche Fristen ersteinmal aufgeschoben werden müssen. Amtsleiter Felix Weisbrich sagte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass sich Unternehmer jetzt bewerben können. „Der Zuschlag wird aber wegen der aktuellen Krise ausgesetzt.“

Neben einer Versorgung der Besucher des Parks steht dabei sicherlich der Zweck im Mittelpunkt, ein Stück Normalität zurück zu bringen. Momentan ist der Park von Drogenhändlern geprägt, die die Passanten offen ansprechen. Nachdem das Areal jahrelang für den Handel mit Cannabis bekannt war, verschärfte sich im vergangenen Jahr die Situation. Es werden zunehmend harte Drogen angeboten, es kam zu Körperverletzungen unter den Dealern. Diese treten zudem immer weitläufiger im Kiez auf, etwa am U-Bahnhof Schlesisches Tor, wo sie auf der Straße die Aussteigenden empfangen.

Seit November 2019 gibt es zwei mobile Polizeiwachen auf dem Areal. Innensenator Andreas Geisel plant, den Görlitzer Park im laufenden Jahr in ein breites Sicherheitskonzept einzubinden, das unter anderem mit zusätzlichen Polizeikräften einen Bereich von Warschauer Brücke und RAW Gelände bis Kottbusser Tor umfasst.

Amtsleiter Weisbrich sagte, Ziel sei es, den Platz vor dem einstigen Café Edelweiß wieder zu beleben. Es ist in Folge einer Insolvenz seit August 2018 geschlossen. Eine einfache Sanierung des bezirkseigenen Gebäudes sei nicht möglich, man stoße auf erhebliche Spuren von Schwamm, so Weisbrich. Man steuere jetzt an, „dass der Görlitzer Park innerhalb der nächsten zwei Jahre an dieser Stelle belebter ist.“

Anstoß dazu hätten auch Beschwerden der Anwohner und die Kriminalitätslage geliefert. Haltung des Bezirks: Den Görli wieder zu einem Bürgerpark zu machen, indem man den Besuchern Angebote für die Freizeit liefert und dort Menschen hinbringt, etwa Gastronomen, die vermitteln, dass sich jemand um dieses Areal kümmert.

Weg vom Drogenverkauf auf der Restaurant-Terrasse

So ist in der jetzigen Ausschreibung ein Imbiss vorgesehen aber auch ein Betreiber für die Grillwiese. Dieser könnte nach Vorstellungen Weisbrichs etwa Lebensmittel für den Grill anbieten, ebenso Grills verleihen. Die Nutzung der Wiese bliebe kostenlos. Allerdings muss der neue Betreiber auch die Sicherheit auf der Wiese garantieren, angefangen beim Feuerlöscher in seinem Bestand. Das bietet die Chance, dass die Grillwiese auch in feuergefährlichen Trockenzeiten genutzt werden kann, wenn andere Bereiche dafür gesperrt sind.

Die CDU in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hatte im Oktober 2019 einen Vorstoß mit ähnlichem Ziel unternommen. Sie beantragte, dass das Bezirksamt das Edelweiß unverzüglich wiedereröffnet. Grund: Seit Schließung habe sich die Situation im Park erheblich verschlechtert. Eingang und Terrasse seien zu oftbesuchten Verkaufsorten geworden. Die BVV lehnte den Antrag ab.

Die Idee von neuer Gastronomie war im vergangenen Jahr aufgekommen. Im Bezirksamt waren Stände etwa mit Kaffee und Falafel diskutiert worden. Bierausschank war zu dem Zeitpunkt allerdings nicht geplant, so eine Bezirksamtsprecherin damals. Für die Gastronomie solle das Vermeiden von Müll verbindlich festgelegt werden.

Dem Parkrat, der im Görli ein Mitspracherecht genießt, hatte im Vorfeld stets darauf gedrängt, etwas zu verhindern, was man dort als Kommerzialisierung empfindet: Zu viele Imbiss-Stände und Werbung. Es gehe nicht in erster Linie darum, Dealer zu vertreiben, sondern ihre Dominanz an den Eingängen zum Park zu mindern, so die Haltung des Rates.

Bewerbungen gehen an: Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, Abt. Familie, Personal, Diversity, Straßen- und Grünflächen,Straßen- und Grünflächenamt, Fachbereich Grünflächen SGA GA 1, Postfach 35 07 0110216 Berlin