Stadtentwicklung

Ein Bürgerrat für den Park am Gleisdreieck

nwohner sollen Berlins Central Park mitgestalten. Sie entscheiden künftig mit über Geld, Radverkehr und das Fernhalten von Drogen

Radfahrer und Fußgänger teilen sich den Park am Gleisdreieck.

Radfahrer und Fußgänger teilen sich den Park am Gleisdreieck.

Foto: Kay Nietfeld / picture alliance / dpa

Berlin. Wer jenseits Berlins fragt, welche Grünanlagen der Hauptstadt bekannt sind, hört als erstes: Görlitzer Park. Weit weniger auffällig geht das Leben am Gleisdreieckpark voran. Obwohl auch dort Konflikte gelöst werden müssen. Für die neue Wahlperiode des Parkbeirats werden jetzt Kandidaten gesucht. Wo in den kommenden Jahren eine Großbaustelle für ein neues Quartier mit sieben Bürohochhäusern startet, gibt es im unfertigen Quartier nahe dem Potsdamer Platz für die nächste Vertretung von Bürgern, Verwaltung und Wirtschaft viel zu tun.

2014 wurde erstmals ein Beirat gewählt. Als das Gremium Anfang März öffentlich tagte, kamen 20 bis 30 Besucher. „Das Interesse war beachtlich“, sagt Hannes Koch vom Beirat. Der 58-jährige Journalist wohnt seit 2004 nahe dem Areal. „Ich finde, dass ich mich als Bürger und Nachbar darum kümmern muss, was in und mit dem Park geschieht,“ sagt er. Neben Gruppen wie Kleingartenkolonie Potsdamer Güterbahnhof und Stadtteilgremien von Mitte, Kreuzberg und Schöneberg zählen zum Rat Vertreter von Senatsverwaltung und Bezirk, Anrainer wie Veranstaltungsmacher „Station“, und die Baumarkt Hellweg und die Projektmacher der „Urbanen Mitte Berlin“.

Central Park in klein

Ziel des Beirats sei laut Koch, den Park „so in Schuss zu halten, dass möglichst viele unterschiedliche Nutzergruppen kommen.“ Ihren Einfluss machen sie als Berater der städtischen Park-Betreiber Grün-Berlin geltend, die etwa auch Britzer Garten und Tempelhofer Feld verwalten.

Der Park habe seine Eigenheiten, sagt Koch. Manchen erinnert die Grünanlage nicht nur wegen länglicher Form und der Randbebauung an den New Yorker Central Park. Wohnen im Umfeld ist weitestgehend etwas für Wohlhabende. An der Bautzener Straße etwa kosten frei finanzierte Mietwohnungen pro Quadratmeter 14 Euro netto kalt, für Eigentumswohnungen werden aktuell 8000 bis 13.000 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Am Wochenende: Party

Daher hätten die einige Anwohner „bestimmte Ansprüche“, hat Koch festgestellt. „Einige denken, sie hätten mit ihrer Wohnung auch das Anrecht auf eine Ruhe im Park erworben, die man eher aus ländlichen Regionen kennt.“

Praktisch bedeute dies, dass sie sich bei Grün-Berlin darüber beschweren, dass im Park während der warmen Monate am Wochenende Party herrscht. Das Problem wird an den Parkbeirat gereicht. Jenen, die meinen, besondere Ansprüche auf den Park zu haben, machen Ratsmitglieder wie Koch dann deutlich, „dass sie auf dem Holzweg sind.“

Fitness unter freiem Himmel

Bürgerengagement hat im 26-Hektar-Park Tradition. Vor knapp 50 Jahren setzten sich Berliner erstmals dafür ein, auf dem ehemaligen Bahnknotenpunkt Grün zu pflanzen. Wettbewerb und Bürgerbeteiligung trieben seitdem die Entwicklung voran. Inzwischen sind Park am Gleisdreieck, Schöneberger Wiese und Flaschenhalspark Anziehungspunkte für Jogger, Skater und Spaziergänger. Mütter, Väter und Kinder sorgen dafür, dass der Spielplatz nahe Kurfürstenstraße stets voll ist, Sender Radio Eins veranstaltete im August 2019 hinter dem Technikmuseum wieder sein Parkfest, Projektentwickler Copro spendierte im Januar nahe dem Ausgang Luckenwalder Straße einen öffentlichen Fitness-Parcours unter freiem Himmel.

Bei aller Harmonie knirscht es im Park. Von den Themen, für die er sich bei Wiederwahl in den kommenden vier Jahren einsetzen würde, nennt Koch als erstes die Fahrradsituation. „Im Park haben Fußgänger Vorrang.“ Das wissen viele Radfahrer nur nicht. Zudem nutzten sie den Park als „Schnellweg“. Das führe zu Problemen. Damit das aufhört, will der Parkrat Hinweis-Piktogramme auf dem Boden auftragen lassen. „Damit das ein Park für Langsamkeit wird,“, so Koch.

„Ein ödes Gebiet“

Offen ist auch die Frage, wie Hundebesitzer mehr vom Park haben können. „Der Wunsch wurde an uns herangetragen, das bestehende Hundeauslaufgebiet am Volleyballfeld zu erweitern“, sagt Koch. Auch sei die Anmutung dort nicht sonderlich einladend. „Das ist ein ödes Gebiet“, sagt er. Die Parkverwalter hätten bislang signalisiert, es sei dafür kein Geld vorhanden.

Dafür, dass die Finanzierung des Parks auch weiterhin von Grün Berlin kommt, will sich Koch stark machen. Eine geplante, 2018 aber aufgeschobene Übertragung des Parks in die Zuständigkeit von Friedrichshain-Kreuzberg lehnt er ab. „Mittel, die der Bezirk für den Park erhielte, könnte man dort anteilig in andere Bezirksvorhaben fließen lassen“, so Kochs Einwand.

Der Park droht unterzugehen

Während mancher den Görlitzer Park wegen der dort offen tätigen Dealer meidet, drängt Koch darauf, am Gleisdreieck den Umfang der bestehenden Parkaufsicht zu erweitern. „Wichtig ist, zu verhindern, dass sich hier ein sichtbarer Drogenhandel ansiedelt.“ Bislang finde dieser vereinzelt an den Rändern des Parks statt, etwa nahe Bahnhof Yorckstraße und Nelly-Sachs-Park.

Eine gewaltige Aufgabe für den kleinen Parkrat wird es sein, die Folgen der privaten Bauplanungen am Rand unter Kontrolle zu halten. Investor Copro errichtet am Park bis 2025/26 auf 4,3 Hektar das Ensemble „Urbane Mitte“. Dazu gehören sieben Hochhäuser mit sieben bis 24 Stockwerken und einer Geschossfläche von 119.000 Quadratmetern. „Das wird eine Riesenbaustelle“, sagt Koch. „Wir müssen dafür sorgen, dass da der Park nicht untergeht.“

Gewählt wird vom 24. bis 28. April. Wer sich für den Beirat aufstellen lassen möchte kontaktiert Grün Berlin bis zum 1. April unter Tel. 700 906 710 oder beiratswahl@gruen-berlin.de. Alle Termine sind unter gruen-berlin.de zu finden. Die Kandidaten wollen sich am Abend des 24. April und an folgenden Tagen den Wählern präsentieren und mit ihnen ins Gespräch kommen. Auch Hannes Koch stellt sich den Fragen der Anwohner.