Friedrichshain-Kreuzberg

Grüne wollen Bautrupp für kaputte Radwege im Bezirk

Fahrradwege in Friedrichshain-Kreuzberg sind in einem desolaten Zustand. Ein Antrag der Grünen könnte das nun ändern.

Geht es nach den Vorstellungen der Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg, soll der Bezirk sich künftig bei kleinen Reparaturen selbst um die Radwege kümmern.

Geht es nach den Vorstellungen der Grünen in Friedrichshain-Kreuzberg, soll der Bezirk sich künftig bei kleinen Reparaturen selbst um die Radwege kümmern.

Foto: Lennart Stock / dpa

Berlin. Für Radfahrer ist der Radweg an der Stralauer Allee in Friedrichshain eine tückische Falle – an manchen Stellen drücken Baumwurzeln den Asphalt zu kleinen Hügeln nach oben, wenige Meter weiter zwingen Schlaglöcher zu Ausweichmanövern. Und generell fühlt sich der Weg eher an, als führe man über ein gerodetes Maisfeld denn über einen Straßenbelag.

In Friedrichshain-Kreuzberg ist der Radweg an der Stralauer Allee allerdings kein Einzelfall. Das wollen die Verordneten der Grünen-Fraktion nun ändern und haben einen Antrag für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Mittwoch eingereicht.

Kommt das Bezirksamt der Anfrage nach, könnten künftig Reparaturen an Geh- und Fahrradwegen von Mitarbeitern des Bezirks übernommen werden. Davon erhofft sich Wolfgang Lenk (Grüne) eine schnellere und kostengünstigere Beseitigung von Schäden. „Wir fordern mehr Aktivität in dem Bereich, vor allem für kleinere Maßnahmen“, sagt Lenk.

Kaputte Radwege in Friedrichshain-Kreuzberg: Grünen-Fraktion wünscht sich Bautrupp

Denn bislang sieht das ganz anders aus: Um Straßen wieder instand zu setzen, muss das Bezirksamt den entsprechenden Auftrag ausschreiben, ehe eine Baufirma ihn übernimmt und anrückt. Allerdings finden sich vor allem für kleine, weniger lukrative Aufträge oftmals keine Firmen.

Das ist aber nicht das einzige Problem. Wie Lenk sagt, mache sich auch der Personalmangel in der Baubranche bemerkbar. „Dadurch steigen natürlich die Kosten.“ Deshalb schlägt er vor, dass eine Art bezirkseigener Bautrupp durch Friedrichshain-Kreuzberg zieht und sich um die Geh- und Fahrradwege kümmert.

Berliner Wasserbetrieben haben bereits einen Instandhaltungsservice

Einen vergleichbaren Bautrupp haben die Berliner Wasserbetriebe seit Ende des Jahres 2018. Der sogenannte Instandhaltungsservice des Betriebs besteht derzeit aus 30 Mitarbeitern und soll im April weiter aufgestockt werden. Die Mitarbeiter kümmern sich um kleinere Reparaturarbeiten wie etwa kaputte Hydranten. Der Durchschnittspreis eines Einsatzes liegt Pressesprecher Stephan Natz zufolge bei 2500 Euro. Würden die Wasserbetriebe externe Firmen anheuern, wäre das im Schnitt 200 Euro teurer.

Das liege daran, dass Aufwendungen wie etwa Ausschreibungen wegfallen. „Außerdem sind wir schneller“, sagt Natz. Das sei damals auch eine große Motivation des Vorstands gewesen, den Instandhaltungsservice aufzubauen. Wegen der wirtschaftlichen Lage in Berlin hätten viele Baufirmen keine kleineren Aufträge mehr angenommen. Das hatte zur Folge, dass Reparaturen oft lange aufgeschoben wurden.

Für Dirk von Schneidemesser hört sich die Idee des Bautrupps „stimmig“ an. Er ist Mitinitiator des Netzwerks Fahrradfreundliches Friedrichshain-Kreuzberg, das den Stadtbezirk zu einem „fahrradfreundlichen Ort“ machen will und kennt die Radwege im Bezirk. „Wenn sie vorhanden sind, dann in einem desolaten Zustand“, sagt er. Als Beispiel nennt er die Prinzenstraße, die von Baumwurzeln durchzogen ist. „Für den BMX-Fahrer mag das ganz lustig sein, aber für die anderen Radfahrer eher nicht.“

Wolfgang Lenk hofft auf mehr Kommunalisierung

Durch den Antrag erhofft er sich, dass das Bezirksamt noch mehr Kapazitäten für Radwege bereitstellt. Denn grundsätzlich sei es gut informiert über die Zustände auf den Straßen. Es gebe Angestellte, die durch den Bezirk fahren und nach Schäden suchen, sie aber nicht beseitigen. „Wäre dann einer mit Werkzeug dabei, wäre das schon gut“, sagt von Schneidemesser.

In der anstehenden BVV erwartet Lenk großen Diskussionsbedarf zu dem Antrag. Denn der Antrag zielt auch darauf ab, dass das Bezirksamt auch in anderen Dingen, etwa Schulreinigung, wieder mehr Verantwortung im Bezirk übernimmt. Lenk rechnet mit Unterstützung für den Antrag.