Friedrichshain-Kreuzberg

Drogenhandel: Grüne fordern Hotline für Spritzenfunde

Die Drogenszene tritt immer offener auf. Spielplätze und Parks in Friedrichshain-Kreuzberg sollen jetzt sicherer werden.

Eine benutzte Spritze liegt im Gebüsch nahe des U-Bahnhofes Hallesches Tor in Berlin. In der Gegend dort werden besonders häufig Spritzen gefunden.

Eine benutzte Spritze liegt im Gebüsch nahe des U-Bahnhofes Hallesches Tor in Berlin. In der Gegend dort werden besonders häufig Spritzen gefunden.

Foto: Felix Zahn / dpa

Berlin. Künftig soll es für Friedrichshain-Kreuzberg eine Hotline geben, um gefundene Spritzen zu melden. Das will zumindest die Grünen-Fraktion. Sie fordert in einem entsprechenden Antrag in der kommenden Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Mittwoch, dass die entsprechende Telefonnummer sowie eine Mailadresse „gut sichtbar“ auf der Internetseite des Bezirksamts platziert werden soll. Weiter sollen dort die wichtigsten Informationen für Menschen stehen, nachdem sie mit einer Spritze in Kontakt gekommen sind.

Hintergrund des Antrags ist ein Fall aus dem vergangenen Herbst. Eine Vierjährige war auf einem Spielplatz am Wassertorplatz unweit des Kottbusser Tors barfuß in eine liegengelassene Heroinspritze getreten. Durch die Hotline soll das Bezirksamt zudem die Möglichkeit haben, schneller zu reagieren, um beispielsweise einen Spielplatz öfters zu reinigen, an dem besonders häufig Funde gemeldet werden.

Immer mehr Spritzen auf Spielplätzen gefunden

Auch in Wohngebieten und in Parks kommt es laut Antragsbegründung immer wieder „zu Spritzenfunden auf Spielplätzen, Parks, Grünanlagen und öffentlichem Straßenland in Wohngebieten“. Als Problemorte gelten neben dem Bereich um Kottbusser Tor und Wassertorplatz der Skalitzer Platz und phasenweise der U-Bahnhof Möckernbrücke und das Hallesche Ufer sowie der U-Bahnhof Hallesches Tor mitsamt dem Mehringplatz.

Ganz neu ist die Idee der Grünen-Fraktion allerdings nicht. Seit vergangenem Jahr können Spritzenfunde über die Ordnungsamt-App oder online gemeldet werden. Dort müssen Nutzer allerdings eine ziemlich genaue Adresse angeben, was bei Parks meist schwierig ist. Auch ist fraglich, ob eine Hotline der Anzahl von Spritzenfunden gerecht werden kann, vorausgesetzt Bürger melden sie überhaupt. Denn allein im Jahr 2018 haben Streetworker der Drogenhilfe Fixpunkt im Bezirk 7000 benutzte Spritzen eingesammelt. Dabei dürften es wahrscheinlich noch weit mehr sein, die auf den Straßen und in den Parks liegen.

Zuspruch bekommt der Grünen-Antrag von Astrid Leicht, Geschäftsführerin der Drogenhilfe Fixpunkt. „Grundsätzlich ist es gut, wenn herumliegende, gebrauchte Spritzen gemeldet und nach Möglichkeit gleichzeitig auch sicher entsorgt werden.“

Mehr als sieben Millionen Euro für die Drogenhilfe bis 2021

Laut Senatsgesundheitsverwaltung wurden die Mittel für die Drogenkonsumräume zuletzt „deutlich erhöht“. Demnach standen im vergangenen Jahr fast 1,64 Millionen Euro bereit. Für 2020 und 2021 seien es mit jeweils 3,55 Millionen Euro mehr als doppelt so viel. „Davon sollen neue Drogenkonsumräume eingerichtet und die Öffnungszeiten der bestehenden Räume erweitert werden“, sagte Sprecherin Lena Högemann.

Bislang gibt es drei dieser Räume, in denen Suchtkranke unter hygienischen Bedingungen und in geschützter Atmosphäre Drogen konsumieren können: An der Birkenstraße in Moabit, an der Reichenberger Straße in Kreuzberg und an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Zwei weitere sind laut Högemann bis 2021 in der Innenstadt geplant, sofern „geeignete Immobilien gefunden werden können“. Die bestehenden Räume haben nur montags bis freitags für vier bis sechs Stunden offen, der in Neukölln auch sonnabends für fünf Stunden. Ziel sind laut Gesundheitsverwaltung acht Stunden an sieben Tagen die Woche. „Die Realisierung hängt jedoch auch davon ab, wie schnell die Träger geeignete Fachkräfte rekrutieren können“, so Högemann weiter.

Mehr mobile Konsumangebote gefordert

Auch in Neukölln agiert die Drogenszene seit Jahren zunehmend offener. So sind die Parks und Friedhöfe entlang der Hermannstraße, eine Grünfläche unweit der Stadtautobahn an der Blaschkoallee und vor allem der U-Bahnhof Schönleinstraße immer stärker belastet. Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) forderte zuletzt, dass es wieder mobile Konsumangebote im Bezirk geben soll, um flexibler auf die immer neu entstehenden Hotspots reagieren zu können.

Ein solches Mobil gab ab Mitte 2017 bis bis Anfang 2019 in Neukölln. Mit der Eröffnung des festen Raums an der Karl-Marx-Straße wurde das Angebot Anfang 2019 aber eingestellt und das Mobil nach Schöneberg an die Grunewaldstraße verlegt. Durch den Raum habe sich die Situation für Anwohner und Betroffene in Neukölln verbessert, sagt Högemann. „Obwohl Herr Liecke den Drogenkonsumraum ursprünglich nicht wollte, stellen wir fest, dass der Konsum von der Straße in die Einrichtungen gezogen wurde.“ Dennoch prüfe man nach Gesprächen mit dem Bezirk „die Möglichkeiten eines weiteren mobilen Angebots im Laufe des Jahres 2020 in Neukölln“.

Da viele Abhängige obdachlos seien, forderte Stadtrat Liecke zuletzt außerdem Konsumräume, die auch nachts geöffnet haben. Högemann verweist auf die Krisenwohnung des „Notdienst für Suchtmittelgefährdete und -abhängige Berlin“ mit 15 Übernachtungsplätzen und einem Konsumraum, der wenigstens tagsüber genutzt werden kann. Voraussichtlich Mitte des Jahres solle außerdem am Kottbusser Tor ein soziales Kompetenzzentrum für Alkohol- und Drogenabhängige eröffnen, so Högemann weiter, mit entsprechenden Räumen und Schlafplätzen.

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