Kreuzberg

Friedhofsbebauung an Jüterboger Straße: Bürger protestieren

Gegenüber der Kfz-Zulassungsstelle Jüterboger Straße in Kreuzberg entstehen 150 Kleinwohnungen. Bürger protestieren.

Im Hintergrund rollt der Bagger: Bebauungsgegner Peter Unsicker (l.) und Klaus Lückert.

Im Hintergrund rollt der Bagger: Bebauungsgegner Peter Unsicker (l.) und Klaus Lückert.

Foto: Patrick Goldstein

Klaus Lückert hat gegen die Startbahn-West in Frankfurt demonstriert, stellte sich in Wackersdorf dem Bau der Wiederaufarbeitungsanlage entgegen. Jetzt protestiert er in seinem Berliner Kiez. Er zählt zu den rund 20 Gegnern einer Friedhofsbebauung an der Jüterboger Straße in Kreuzberg. Die Motive der Aktivisten sind vielfältig, ihr Widerstand bislang vergebens: Das Bezirksamt hat jetzt den Bauantrag genehmigt.

Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte wird ab Ende des Jahres auf der Hälfte des Wirtschaftshofs des Friedhofs Friedrichswerder, gegenüber der Kfz-Zulassungsstelle ein fünf- bis sechsstöckiges Haus mit 150 Wohnungen von je 45 Quadratmetern errichten. Der Bau steht auf einer Gesamtfläche von rund 2000 Quadratmetern.

Baukosten sollen elf Millionen Euro betragen

Laut Friedhofsverband werden die Baukosten elf Millionen Euro betragen, deren Refinanzierung durch durch die Vermietung des Gebäudes vorgesehen ist. Fertigstellung: Herbst 2021. Der Appell, Flächen für Flüchtlingsheime zu stellen, sei vom Regierenden Bürgermeister Müller (SPD) gekommen.

Für Klaus Lückert sind das düstere Aussichten. Wer mit dem studierten Ethnologen und seinen Mitstreitern über den Friedhof geht, erfährt, dass Anwohner im ruhigen Umfeld spazieren, dass man hier noch bewahrenswerte Natur finde. Galerist Peter Unsicker sagt, Friedhöfe seien spirituelle Orte, die man nicht so einfach bebauen dürfe. Die pensionierte Arzthelferin Gabriele Alscher fürchtet um die Bäume. Zudem sagt sie, dass Flüchtlinge vor dem Heim grillen werden und sich der Geruch ausbreiten werde.

Lückert hatte im jahrelangen Streit 2016 Parteien in Land und Bezirk angeschrieben und unter anderem Anwohnerkritik weitergegeben, zum Beispiel: „Die Frage, ob es sinnvoll und sozial verträglich sei, einen Teil einer christlich geprägten Kulturlandschaft, der auch noch mit solch starker Emotionalität behaftet ist wie ein Friedhof, für mehrheitlich von Muslimen bewohnte Gebäude zur Verfügung zu stellen“. Er und Unsicker betonen, selbst nichts gegen ein Heim zu haben.

Die Aktivisten (bergmannfriedhoefe. de) wollen ihren Widerstand fortsetzen und suchen jetzt erfahrene Verbände, die ihre Sache weitertragen.