Wohnungsmarkt

Wie Investor Michael Kölmel in Berlin Mietern hilft

Unternehmer Michael Kölmel kauft Wohnungen und Häuser, um Mieter vor Spekulanten zu bewahren. Ein Interview.

Unternehmer Michael Kölmel garantiert in seinen Berliner Häusern stabile Mieten und für Senioren bevorzugende Konditionen.

Unternehmer Michael Kölmel garantiert in seinen Berliner Häusern stabile Mieten und für Senioren bevorzugende Konditionen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Hendrik Schmidt / picture alliance / Hendrik Schmi

Sein Auftritt kam völlig unerwartet. Exotischer neuer Protagonist im Berliner Mietmarkt wurde 2019 Michael Kölmel. Der Unternehmer aus Leipzig, der als Eigentümer des dortigen Zentralstadions Millionen machte, kaufte in den vergangenen Monaten in je einem Kreuzberger und Friedrichshainer Haus in ganz großem Stil Immobilien. Die Mieter hatten zuvor, als der stückweise Verkauf der Wohnungen drohte, öffentlich nach einem Investor gesucht, der sie vor Spekulanten schützt. Kölmel garantiert ihnen nun stabile und faire Konditionen. Die Berliner Morgenpost sprach mit dem 65-Jährigen über Motive und Absichten – und erfuhr, dass es bereits wohlhabende Nachahmer gibt.

Berliner Morgenpost: Herr Kölmel, wie kommt man als Mieter in Not mit einem großzügigen Investor wie Ihnen in Kontakt?

Michael Kölmel Im jüngsten Fall der Mariannenstraße 34 war das so: Ich hatte das Haus am Strausberger Platz 12 gekauft. Die hatten im Sommer 2019 einen Unterstützer gesucht. Ich habe die Webseite investormitherz.de eingerichtet und eine Kontaktbörse aufgemacht, wo sich alle melden können, die von einem Käufer bedroht werden, der sie vielleicht rausschmeißen oder die Mieter erhöhen wird. Melden können sich auch Anleger, die sagen: „Ich muss die Mietpreise nicht ausreizen, ich kann auch mit einer niedrigeren Rendite leben und sichere den Mietern zudem bestimmte Rechte zu.“

Wer sich als Wohltäter meldet, verpflichtet sich immerhin zu vier Konditionen: fünf Jahre keine Erhöhung der Kaltmiete, zehn Jahre keine Eigenbedarfskündigung, grundsätzlich keine Kündigung für Mieter ab 65 Jahren und die Verpflichtung, den Kauf nicht durch Bankfinanzierung zu stemmen, damit von dort kein Druck kommt, die Bedingungen aufzuheben. Unter welchen Bedingungen kaufen Sie?

Ich sehe das nicht nur als Anlage in Immobilien. Beim Strausberger Platz 12 war das eine Hausgemeinschaft, die durch einen Verkauf auseinandergerissen worden wäre. Ich will mit so einem Kauf vorangehen und beispielhaft zeigen, wie es funktioniert, als jemand, der Gleichgesinnte sucht. Ich kann ja nicht ganz Berlin retten. Denn ich selber bin kein Immobilienmensch, obwohl ich mal eine große Immobilie organisiert und mir Leute geholt habe, die mir dabei geholfen haben.

….das Leipziger Zentralstadion, das Ihnen lange gehörte.

Es ist ja keine Wunderwissenschaft, ein Haus zu begutachten und zu sehen, was da noch zu machen ist. Im Prinzip geht es auch darum, welche Erwartung ich an eine Immobilie habe. Manche Leute kaufen, um weiterzuverkaufen. Dann wird renoviert, oft nutzlos und ohne Abstimmung mit den Mietern, nur um da bald wieder schnelles Geld zu machen. Ich glaube, dass nicht alle Leute so ticken. Es gibt solche, die sagen: „Wir wollen weniger, aber wir wollen ein gutes Verhältnis zu den Mietern.“ Es gibt viele Privatleute, die das im Kleinen so schon mit ihren Mieten praktizieren. Aber es gibt auch Andere. Und das sorgt für sozialen Zündstoff.

Michel Kölmel - Biografisches:

Der 1954 geborene Karlsruher mit Wohnsitz Leipzig ist Gründer von Verlags- und Buchhandelsfirma Zweitausendeins, Filmverleih Kinowelt, Video/DVD-Label Arthaus und Wirtschaftsmagazin Finanzen. Er wurde wegen Wirtschaftsdelikten 2004 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, bewahrte 1998 Berlins 1. FC Union vor der Pleite, war bis 2016 Eigentümer des Leipziger Zentralstadions und ist derzeit in Leipzig Co-Geschäftsführer des Weltkino Filmverleihs. Die Webseite investormitherz.de pflegen sowohl Mieter vom Strausberger Platz 12 sowie Kölmel mit seinen Mitarbeitern.

Investor mit Herz kann man nur als Privatmann mit tiefen Taschen sein. Wenn man einen Aufsichtsrat im Nacken hat, der sagt „Du musst kräftig Rendite machen“, klappt das nicht, oder?

Ja, das ist leider so. Vielleicht gibt es aber zukünftig Firmen, die sich darauf einlassen. Viele erkennen, dass die derzeitige Mietsituation so nicht weitergeht. Die Politik versucht inzwischen einzugreifen. Mein Beitrag war ein bescheidener Baustein.

Dass die Mieter vom Strausberger Platz einen Investor suchen, haben Sie im Sommer 2019 aus der Zeitung erfahren.

Ich las das und fühlte mich aufgefordert zu handeln. Klar bin ich jemand, der Glück gehabt hat, das Fußballstadion war ein erfolgreiches Investment. So habe ich das Geld gehabt, eine Immobilie wie den Strausberger Platz 12 zu kaufen.

Im Berliner Mietmarkt stehen Sie mit Ihrer Haltung aber ziemlich allein da.

Und das ist schade. Aber es gibt Leute, die sich melden und sagen: „Ich suche jetzt auch.“ Die nächsten Anfragen bei mir werde ich weiterleiten. Bei den beiden jüngsten Fällen habe ich selbst gekauft, weil der Zeitdruck groß war. In Zukunft werden Interessenten eine Auswahl haben, in welche Projekte sie investieren wollen.

Wie viele Investoren mit Herz haben sich gemeldet?

Etwa sieben.

Wo kommen die her?

Interessanterweise kommen alle Anfragen ausschließlich von Mietern aus Berlin, die Investoren dagegen nicht.

Wie viele Mietergruppen haben sich gemeldet?

Um die acht.

Was Sie begonnen haben, sind winzige Eingriffe in einen insgesamt außer Kontrolle geratenen Wohnungsmarkt.

Aber ich glaube, dass es nicht im Kleinen bleibt. Das Bewusstsein für die Situation wächst, dafür, dass Wohnen ein Grundrecht ist.

Verkaufen Sie die Wohnungen irgendwann?

Nein. Daran ist nicht gedacht.

Sind ab dem sechsten Jahr Mieterhöhungen geplant?

Nein. Die fünf Jahre waren eine Zahl, die im Dialog mit den Mietern am Strausberger Platz kam. Wenn im Haus der Wunsch nach baulichen Veränderungen besteht, kann man sich ja über die Finanzierung zusammensetzen.

Und wenn sich plötzlich zeigt, ein unbeachteter kostspieliger Schaden ist im Haus: Tragen das die Mieter dann mit?

Nein. Das findet in der Anfangszeit nicht statt. Da habe ich dann eben selbst einen Fehler gemacht.