Verdrängung

Kinderladen "Trau' Dich" muss trotz Protesten schließen

Mütter und Väter hofften bis zuletzt. Für viele Eltern ist die Suche nach Ersatzplätzen längst nicht zu Ende.

Eine Aufnahme aus der Zeit kurz vor der Schließung: Eltern und Kinder von der Kreuzberger Kita „Trau’ Dich".

Eine Aufnahme aus der Zeit kurz vor der Schließung: Eltern und Kinder von der Kreuzberger Kita „Trau’ Dich".

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Sie haben demonstriert, Bezirks-und Landespolitiker auf ihre Seite geholt, Flyer verteilt und viele Briefe geschrieben. Am Ende hat es alles nicht geholfen. Die Eltern der 22 betreuten Kinder der Eltern-Initiativ-Kindertagesstätte „Trau’ Dich“ an der Kreuzberger Eisenbahnstraße konnten die Schließung nicht verhindern.

Mathias und seine Partnerin zählen zu jenen acht Elternpaaren, deren Kind seit dem Aus am Mittwoch vor Heiligabend 2019 keinen Kitaplatz haben. Der 43-Jährige hat in der Zwischenzeit für seine Tochter freie Tage genommen, seine Arbeitstage als Kulturwissenschaftler an der Technischen Universität umstrukturiert. „Jetzt bleibt bei der Arbeit einiges liegen und im Hintergrund ist der ständige Stress, nicht zu wissen, ob es bald die Zusage einer Kindertagesstätte gibt.“

Ein Nervenkrieg folgte

Wie berichtet, bestand der Kinderladen „Trau’ Dich“ 25 Jahre lang. Die Leiterin zählte zu den Gründern des Trägervereins. Ein Trauerfall zwang sie im Herbst dazu, aus Berlin fortzuziehen und die Hinterhofräume im Hochparterre zu kündigen. Aber ein Nachfolger war schnell gefunden. Der Verein „Nestwärme“ zeigte Interesse, „Trau Dich“ als seine dritte Einrichtung zu übernehmen. Die Eltern schöpften Hoffnung. Statt dessen folgte ein Nervenkrieg. Denn von der Vermieterin gab es keine Resonanz auf den geplanten Trägerwechsel. Erst nach erfolgter Kündigung durch die Leiterin erreichte die Eltern eine Antwort: Ein Fortbestand mit neuem Träger war offenbar nicht erwünscht, sämtliche Einbauten seien zu entfernen.

Eltern berichten von einem Maklerbesuch, von Plänen, die rund 190 Quadratmeter große Fläche als Büroraum zu vermieten. Nach elf Euro Kaltmiete würden zukünftig etwa 18 Euro verlangt werden. Inzwischen weiß Mathias, dass das Verhältnis der Vermieterin zum langjährigen Träger nicht gut war. „Es gab den Vorwurf von Mietschulden“, sagt der 43-jährige Vater.

Unterstützung von Jugendamt, Kitaaufsicht und Bezirksbürgermeisterin

Mütter und Väter setzten noch einmal alle Kraft daran, die Vermieterin umzustimmen. Man demonstrierte vor ihrem Sitz in Charlottenburg, verteilte Handzettel unter den Passanten, fand Unterstützung bei Jugendamt, Kitaaufsicht und Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Grünen-Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz versuchte zu vermitteln. Ohne Erfolg.

Der schwerste Moment war, den Abbau der Kinderladeneinrichtung zu erleben, sagt Mathias. „Die Kinder schauten zu, wie ihr Tobe-Raum demontiert wurde, wie man danach die Zwischenebene zerlegte, auf der sie gespielt hatten. Das war für alle sehr traurig.“

Noch immer haben sie keinen Platz gefunden

Es galt, sich zügig auf die neue Lage einzustellen. Eine Mutter gab ihre Pläne auf, in den Beruf zurückzukehren. Ein Paar entschloss sich, Berlin zu verlassen. Wissenschaftler Mathias und seine Partnerin hatten zwar früh damit begonnen, eine Liste von 80 möglichen neuen Kitas abzuarbeiten. Aber noch immer haben sie keinen Platz. „Eine Tagesstätte stellte in Aussicht, fünf Kinder zu übernehmen, dann kündigte dort eine Erzieherin und es wurde nichts daraus“, sagt er. Nun gilt seine Hoffnung einer Neugründung in Nordneukölln. Die Antwort von dort ist für die kommende Woche angekündigt.