Berliner Museen

Das Trabi-Museum in Berlin huldigt einem Kult-Auto

Nach der Wende kam das Aus für das meistgefahrene Auto der DDR. In Berlin ist dem Zweitakter ein ganzes Museum gewidmet.

Thomas Schmidt mit seinem Lieblingsexponat, einem himmelblauen P70. Besonderheit dieses Trabis: Der Kofferraum lässt sich von außen nicht öffnen. „Das Gepäck musste über die umklappbare Rückbank im Heck verstaut werden“, sagt Schmidt.

Thomas Schmidt mit seinem Lieblingsexponat, einem himmelblauen P70. Besonderheit dieses Trabis: Der Kofferraum lässt sich von außen nicht öffnen. „Das Gepäck musste über die umklappbare Rückbank im Heck verstaut werden“, sagt Schmidt.

Foto: Katrin Starke

Berlin. Thomas Schmidt erinnert sich genau an jenen Tag im April 1988. Er war Teenager, lebte in Thüringen. „Da lag dann die Nachricht auf dem Tisch, unser ,Trabant‘ stehe bereit.“ Nach 15 Jahren Wartezeit. Vater Schmidt arbeitete zu der Zeit am Bau der Erdgastrasse im Ural mit. Also musste Mutter Schmidt, die nach ihrer Fahrprüfung so gut wie nie ein Auto gelenkt hatte, den Wagen abholen.

Ein wenig mulmig sei ihm auf dem Beifahrersitz bei der 60-Kilometer-Tour mit dem nagelneuen Wagen schon gewesen, so Schmidt. Einen Trabant fährt er bis heute – allerdings nicht privat, sondern dienstlich. Seit zwölf Jahren arbeitet Schmidt als selbstständiger Guide bei der „Trabiworld“. Meist führt er die Trabi-Safaris an, wenn vornehmlich Touristen im Konvoi mit den „Rennpappen“ aus Zwickau durch Berlin knattern, eine blaue Zweitakter-Wolke hinter sich herziehend. Manchmal führt Schmidt aber auch durchs Museum, das „Trabiworld“-Chef André Prager vor sechs Jahren vis-à-vis dem Safari-Startpunkt eröffnet hat.

Im Grunde ist das Museum ein Ergebnis der Safari. Für die Stadtrundfahrten erstand Prager auf Online-Plattformen und bei Sammlern zahlreiche Trabis – vornehmlich das Modell „Trabant 601“ mit Duroplast-Chassis, das von 1964 bis 1990 in den Sachsenring-Werken in Zwickau vom Band lief. „Bei den Käufen war aber auch so manches einzigartige Schmuckstück dabei“, sagt Schmidt, „viel zu schade für den täglichen Gebrauch“. Also entschied sich Prager, Wagen mit Seltenheitswert auszustellen.

Manche Autos sind bloß teuer, andere wiederum unbezahlbar

Dazu gehört zum Beispiel ein Exemplar des P 70 Coupé, den Friedrich Porsche noch vor dem Krieg entworfen hatte und auf dessen Basis in den 50er-Jahren der „Kugelporsche“ entstand. Oder der Viertakter Trabant 1.1, der mit 40-PS-VW-Motor ausgestattet nur noch ein Jahr lang produziert worden ist, bevor 1991 das Aus für den DDR-Klassiker kam. „Der hier ist der allererste 1.1er“, sagt Thomas Schmidt und deutet auf einen beige-gelb lackierten Wagen, „der trägt die Seriennummer 0000001“.

Auch der vom „Nur die Liebe zählt“-Maler Christopher Bellhen im Herzdesign gestaltete Trabi, den Fernsehmoderator Kai Pflaume 2002 zu Gunsten von „Ein Herz für Kinder“ versteigerte, hat seinen endgültigen Parkplatz im Kreuzberger Museum gefunden. „45.200 Euro kamen zusammen“, sagt Schmidt, „damit ist das der teuerste Trabi der Welt“. Gleich daneben: ein knallrotes Vehikel, das den Namen „Ferrabi“ trägt – von einem Magdeburger Bastler aus dem Hinterteil eines Ferrari und dem Vorderteil eines Trabant 601 zusammengebaut. Und verziert mit einem Original-Autogramm von Rennfahrer­legende Michael Schumacher.

Obwohl man den Trabant nicht unbedingt mit Geschwindigkeit in Verbindung bringt: Ein aufgemotzter schwarzer 601 erinnert daran, dass der Trabi in der 600-Kubikzentimeter-Klasse sogar mal die Rallye Monte Carlo gewonnen hat. „International der größte Erfolg“, kommentiert Schmidt. Zu den Raritäten im Museum zählt auch ein Volkspolizei-Trabi. „Fünf Prototypen gingen an die VP“, erklärt der Guide, „aber es war schnell klar, dass der Wagen untermotorisiert ist“. Darauf kam es beim „Panzertrabi“ weniger an, den die Armee zu Trainingszwecken nutzte: „Soldaten, die damit gut zurechtkamen, durften den Panzerführerschein machen“, berichtet Schmidt, in Sachen Fahrzeugbau „made in Zwickau“ ein wandelndes Lexikon.

Drei Fahrzeuge wurden zu Elektro-Trabis umgerüstet

Mit Begeisterung erzählt Schmidt, wie August Horch 1904 mit dem Autobau in Zwickau begann und sich später, nachdem er mit Autorennen viel Geld in den Sand gesetzt hatte, nach Ingolstadt absetzte. Wie Audi, Horch, Wanderer und DKW ab 1932 unter der Dachmarke Auto Union firmierten. Wie die sächsischen Fahrzeugfabriken im Krieg zerstört und 1952 auf Geheiß der DDR-Regierung die Sachsenring-Werke, benannt nach der traditionsreichen Rennstrecke, gegründet wurden. Und wie der Kleinwagen, der am 7. November 1957 zum 40. Jahrestag der Oktoberrevolution vom Band lief, zu seinem Namen kam: „Kurz zuvor war der Sputnik ins All geschossen worden. Trabant als lateinische Bezeichnung für Satellit – das hatte etwas Futuristisches.“

Apropos: Thomas Schmidt sieht für den Trabant, von dem noch etwa 25.000 Exemplare in Deutschland zugelassen sind, durchaus eine automobile Zukunft. Drei Fahrzeuge hat sein Chef zu Elektro-Trabis umrüsten lassen. Manchmal steht ein Wagen der „e-force one“-Flotte vorm Museum, meist aber fahren sie bei den Safaris an der Spitze. „615 Kilogramm Leergewicht, seit mindestens 30 Jahren auf der Straße, also kein neuer Ressourcenverbrauch – da ist die Klimabilanz richtig gut“, schwärmt Schmidt.

Trabi-Museum am Checkpoint Charlie, Zimmerstraße 14-15, 10969 Berlin, Tel. 030 / 30 20 10 30, geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 5 Euro (Kinder unter 12 Jahren frei), www.trabi-museum.com