Shoppingcenter

„East Side Mall“ jetzt von der Warschauer Brücke zugänglich

Seit gut einem Monat ist die "East Side Mall" nun von Warschauer Brücke aus erreichbar. Das Publikum hat um ein Drittel zugenommen.

Centermanagerin Viola Krecker freut sich über den Zugang zur Mall von der Warschauer Brücke.

Centermanagerin Viola Krecker freut sich über den Zugang zur Mall von der Warschauer Brücke.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Das Einkaufszentrum „East Side Mall“ in Friedrichshain ist ein Jahr alt. Doch für Eigentümer und Ladenbesitzer ist es wie ein Neustart. Denn erst seit dem 31. Oktober ist es für Kunden über den wichtigen Zugang von der Warschauer Brücke aus zugänglich. Center-Managerin Viola Krecker kann nun nach zähem Behörden-Hin und -Her und zunehmend schlechter Stimmung unter ihren Händlern ab jetzt ermitteln, wie erfolgreich die „East Side Mall“ wirklich ist.

Planer befürchteten Unfälle auf der Warschauerbrücke

Das Shoppingcenter zwischen Bahnhof Warschauer Straße und Spree war mit einem Geburtsfehler gestartet. Logisch wäre ein Zugang von den U- und S-Bahnhof-Ausgängen gewesen. Doch der war nicht genehmigt. Denn die Behörden im Bezirk sahen voraus, dass kaufhungrige Kunden die wild befahrene Warschauer Straße zur Mall kreuzen würden und es zu erheblichen Unfällen käme.

„An der Genehmigung waren wegen der Zuständigkeiten Land, Bezirk und die BVG beteiligt“, sagt Krecker. „Von allen Seiten gab es mündliche Zusagen, dass es bald zur Öffnung kommt. Aber nichts ging voran.“

Zudem war aus dem Thema Einkaufszentrum besonders im Bezirk ein Politikum geworden. „Die Politiker, die über die Ansiedlung der Mall entschieden hatten, waren nicht mehr im Amt. Und denen, die jetzt entscheiden konnten, gefiel ein Shoppingcenter dort nicht.“

Nach Veränderungen hinter der Eigentümerstruktur gab es auch eine Umbesetzung im Center Management. Kreckers Unternehmen Jovi Services übernahm im März 2019. Die 52-jährige Hamburgerin mit Karrierestationen in München und Frankfurt am Main ist zudem Vorstandsmitglied der AG City, verantwortlich für Stadtentwicklung und Handel.

Gefühlt wie ein BER-Chef

Angesichts des fehlenden Brückenzugangs wurde die Stimmung unter den Händlern den Mallbetreibern gegenüber zunehmend frostig, gibt Krecker zu. Sie habe sich gefühlt wie ein BER-Chef, der ständig nach einem neuen Eröffnungsdatum gefragt wird. Immerhin ließen sich die Eigentümer auf spätere Mietzahlungen ein. „99 Prozent der ursprünglichen Mieter sind noch da“, sagt die Center Managerin.

Mit dem Zaundurchbruch soll nun der Aufbruch kommen. Die Zeichen stehen nach gut einem Monat auf Aufschwung. Krecker kann seit dem 31. Oktober ein Kunden-Plus von 30 Prozent vorweisen. Die seien allerdings auch gekommen, weil in die Zeit der Reformationstag in Brandenburg und ein verkaufsoffener Sonntag sowie der Beginn des Weihnachtsshoppings lag. „Im kommenden Jahr lässt sich dann zuverlässig ablesen, wie sich der Umsatz zur Zeit davor verändert hat“, sagt Krecker. Doch jetzt schon kann sie resümieren: „Es waren die Touristen, die uns bis dahin fehlten.“

Krecker treibt nun Chancen Nachbarschaft voran. An Spieltagen der Eisbären in der Mercedes-Benz Arena wird in der Mall deren Banner geflaggt, erklingt der Vereinssong, gewähren einzelne Geschäfte Discounts an Dauerkarteninhaber. Überhaupt beleben die mehr werdenden Veranstaltungen am angrenzenden Mercedes-Benz Platz das Center Geschäft. Auch mit der gegenüber an Oberbaumbrücke liegenden Universal Music will Krecker kooperieren und deren Künstler im Center auftreten lassen. Ein ungenutzter Laden ist in der laufenden Woche Sendestudio von Junge-Leute-Station Jam FM. Kontakt gibt es auch zur East Side Gallery. „Am Ende sind es die selben Menschen die hierher kommen wie dort. Je besser man sich verzahnt, desto besser ist es für das Areal.“

Wachtstumstreiber: Online-Handel

Immerhin als 69. Einkaufszentrum der Stadt war die East Side Mall 2018 eröffnet worden, mit drei Ebenen und 110 Geschäften auf 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ein Jahr später hat sich der Kampf zwischen sogenanntem stationärem und Online-Handel noch verschärft. Zwar kann der Einzelhandel in Deutschland laut Handelsverband im Vorfeld des Nikolaustages mit zusätzlichen Umsätzen in Höhe von 860 Millionen Euro rechnen. Auch erwartet man dort bundesweit einen neuen Rekord-Umsatz von 102 Milliarden Euro, ein Vorjahresplus von drei Prozent. Wachstumstreiber mit einem Anstieg von elf Prozent auf 15 Milliarden ist allerdings der Online-Handel.

Trotzdem: Krecker sieht den Marktvorteil ihres Hauses in der persönlichen Beratung von Kunden, darin, „dass Kunden immer noch Stoffe spüren, Düfte riechen wollen“. Dem Kauf vor Ort komme zugute, dass das Online-Geschäft für Verpackungsmüll und energieaufwendiges Liefern in der Kritik stehe. Allerdings fasst sie auch eine Zusammenarbeit mit den Nachbarn Zalando und demnächst Amazon ins Auge.

Kurzfristig allerdings geht es ihr um breite Aufmerksamkeit für den neuen Brückenzugang. Am 7. und 8. Dezember findet in der mall ein Fest mit Fest mit Showprogramm statt. Die Rapper Fünf Sterne Deluxe sind da, Extremsportler Joey Kelly von der Kelly Family stellt sein Buch vor, es gibt Zauberer, Akrobaten, Lasershow und einen Auftritt der Friedrichshainer Gruppe „The Swag“.

Das ganze Programm: eastsidemall.de