Berlin-Kreuzberg

Grüne Punkte auf der Bergmannstraße werden entfernt

Bauarbeiter fräsen die Punkte von der Fahrbahn - das ist Teil der Beendigung der Testphase der „Begegnungszone Bergmannstraße“.

Die auf die Fahrbahn der Bergmannstraße aufgebrachten grünen Punkte werden seit Montagfrüh entfernt. 

Die auf die Fahrbahn der Bergmannstraße aufgebrachten grünen Punkte werden seit Montagfrüh entfernt. 

Foto: Patrick Goldstein

Sie waren für viele ein Riesenaufreger, für andere eine Lachnummer. Nun verschwinden sie. Seit Montagfrüh entfernen Arbeiter die grünen Punkte auf der Bergmannstraße. Die Maßnahmen sollen bis Ende der Woche dauern. Eine Nachfärbung der Straße gibt es nicht: Die jetzt noch hellen Stellen „fahren sich weg“, sagte ein Arbeiter.

Die grünen Punkte waren im April zur Warnung an Autofahrer aufgetragen worden. Sie gehören zur rund 1,7 Millionen Euro teuren Testphase der Begegnungszone Bergmannstraße. Die Reaktionen von Passanten auf die Entfernung waren unterschiedlich. „Die schönen Steuergelder“, sagte ein Mann im Vorübergehen. Ein Lkw-Fahrer rief den beiden Arbeitern aus dem Führerhaus zu: „Jetzt bin ich wenigstens einmal darübergefahren, bevor sie weg sind.“

Via Facebook erklärte Dirk Schneising vom ebenfalls Kreuzberger WrangelkiezRat e.V.: „Was für eine Farce. Nicht zu fassen, wofür unsere Steuergelder rausgeworfen werden – und um die Ecke vergammeln Schulen und werden nicht vernünftig ausgestattet.“

2020 wird über neues Konzept für die Bergmannstraße entschieden

Die Entfernung der Straßenmarkierung ist keine kurzfristige Entscheidung aus dem Bezirksamt. Sie ist Teil der Beendigung der Testphase der Begegnungszone Bergmannstraße, zu der es einen entsprechenden Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gibt. Wie es weitergeht im Kiez, wird im kommenden Jahr entschieden. Mehrere Konzepte stehen zur Auswahl. Unter anderem das eines gänzlich autofreien Kiezes.

Zu den Kosten hat Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) in der Antwort auf eine schriftliche Anfrage der CDU-Fraktion in der BVV erklärt, dass diese für die Begegnungszone etwa 1.676.500 Euro betragen. Eingerechnet sind dabei Mittel für die Bürgerbeteiligung durch die Senatsverkehrsverwaltung.

Bergmannstraße: Antrag fordert, Parklets auf andere Straßen zu verteilen

Michael Heihsel von der Gruppe der FDP in der BVV sagte am Montag, es sei höchste Zeit, dass die grünen Punkte entfernt werden. „Dass für die Begegnungszone so viel Geld ausgegeben wurde, ist bitter.“ Hätte der Bezirk statt des Landes Berlin dafür die Kosten tragen müssen, so Heihsel, wäre man dort sicherlich sparsamer mit den Mitteln umgegangen. „Ein paar in Berlin schlicht angefertigte Parklets statt der Sitzgelegenheiten von einem norwegischen Hersteller hätten zur Demonstration völlig gereicht.“

Aber Grüne und Stadtrat Schmidt hätten nicht geahnt, dass die Begegnungszone auf so viel Widerstand stoßen würde und dass das gesamte Material abmontiert und nutzlos werden würde. Sie stehen derzeit auf Bezirksgrundstücken. Ein FDP-Antrag in der nächsten BVV-Sitzung fordert, die Parklets zumindest an passenden Stellen im Bezirk zu verteilen. Aber immer nur eines pro Straße.

Aus der Öffentlichkeitsbeteiligung sind im August für die Bestimmung der endgültigen Anmutung der Bergmannstraße des kommenden Jahres vier Modelle von Bürgern vorgelegt worden. Sie verändern die Verkehrsführung im Kiez auf unterschiedliche Weise. Der FDP-Politiker Heihsel bemerkte, dass sich allerdings Elemente der Testphase darin so gut wie nicht wiederfänden. „Es gibt nur die Erkenntnis, dass man den Durchgangsverkehr fort haben möchte.“

Größere Menge Unrat unter den Parklets angesammelt

Über den Nachlass der Begegnungszone hat Michael Becker, Sprecher der Gewerbetreibenden der Bergmannstraße, einen empörten Brief an Baustadtrat Schmidt und die BVV geschrieben. Denn als ab September die Parklets abgebaut wurden, kam darunter Müll und Laub der vergangenen Monate zum Vorschein. Seit Abbau seien immerhin zwei Monate vergangen, „in denen durch Sie weitere Warnbaken aufgestellt und ,Kreuzberg-Rocks‘ (Findlinge, Anm. d. Red.) ausgelegt wurden“, schreibt Becker.

„Dabei ist Ihren Verantwortlichen nicht aufgefallen, dass sich unter den Parklets eine größere Menge Unrat gesammelt hatte, dieser ist leider nicht beseitigt worden!“ Entlang der Straße befänden sich nun für Fußgänger „gefährliche Stolperfallen“. Appell des Gewerbesprechers: „Bitte sorgen Sie umgehend dafür, dass diese Verwahrlosung der Bergmannstraße sofort beseitigt wird!“

Am Montag war das alte Laub verschwunden. Allerdings standen die achtlos beiseite geräumten Baustellengeräte auf dem Asphalt oder waren kurzerhand achtlos an Bäume und Telefonkästen gelehnt worden. Matsch und Verpackungsmüll bedeckte ehemalige Parkletflächen. Und zwischen Litfaßsäule und den neuen Fahrradbügeln nahe der Zossener Straße hatte jemand seine rote Couch entsorgt.

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