Kino am Kottbusser Damm

Kino-Betreiber wollen das Moviemento selbst kaufen

Das Kreuzberger Moviemento kämpft mit Hilfe von Filmstars, Gönnern und Freunden um seine Existenz.

Iris Praefke hat das Kino 2007 übernommen. Sie glaubt nicht daran, dass sie ausziehen muss.

Iris Praefke hat das Kino 2007 übernommen. Sie glaubt nicht daran, dass sie ausziehen muss.

Foto: Andrea Warnecke / dpa-tmn

Berlin. Eigentlich hätte Iris Praefke keinen Grund zu klagen. Filme wie „The Joker“ und „Systemsprenger“ treiben derzeit die Zuschauer in die Kinos. Und rund um den Kottbusser Damm in Kreuzberg weiß man das Erlebnis, einen Film auf großer Leinwand zu sehen, noch zu schätzen. Wenn da nicht im Oktober dieser Besuch zweier Makler im Moviemento gewesen wäre: Ihr Kino stehe ab sofort zum Verkauf, erklärten sie. Jetzt braucht Iris Praefke dringend zwei Millionen Euro.

Das Moviemento ist eines der ältesten Kinos Deutschlands

Das Moviemento ist nicht irgendein Kino. Es gilt als das älteste Deutschlands. Seit 1907 hieß es Kinematographentheater, Hohenstauffenlichtspiele, Tali. Es zeigte in den 70er-Jahren eine der deutschlandweit zwei Filmkopien des Mitmach-Musicals „Rocky Horror Picture Show“, Tom Tykwer („Babylon Berlin“) gründete im Foyer seine Produktionsgesellschaft X-Filme, es ist preisgekrönt von Land und Bund und mit seinen drei Sälen Aufführungsort für internationale Festivals.

Praefke und Co-Geschäftsführer Wulf Sörgel sind seit 2007 Chefs im Haus. Im Wohnblock mit rund 45 Wohnungen, Gewerberäumen im Erdgeschoss und dem Moviemento im ersten Stock, zahlen sie monatlich für 600 Quadratmeter 5000 Euro kalt. „Wer da für das Kino den geforderten Kaufpreis von zwei Millionen Euro ausgeben muss, würde unweigerlich das Vier- bis Fünffache unserer Miete fordern“, sagt Praefke. Dabei: „Alle Immobilienspekulanten, die in den vergangenen Jahren hier Eigentümer waren, haben uns stets versichert, dass wir Gewerbetreibende gute Mieter sind.“

Deutsche-Wohnen-Tochter kauft Block

Dann kaufte eine Tochter der Deutsche Wohnen den Block. Zum Teil seien die Wohnungen schon von Eigentümern bewohnt, der Rest werde jetzt wohl folgen, vermutet die 40-jährige Praefke. Bereits Betreiberin der Kinos Toni in Weißensee und Central nahe den Hackeschen Höfen, reagierte sie auf das Kaufangebot der beiden Makler im Oktober bald kampflustig: „Dann kaufen wir das selbst!“ beschlossen sie und Sörgel, 47.

Kaufpreis für das Moviemento soll per Crowdfunding zusammen kommen

So gilt es jetzt, Gönner, Spender und Unterstützer zu finden. „200.000 Euro kratzten wir selbst zusammen, ein Freund stellte uns ein Darlehen von weiteren 200.000 Euro in Aussicht“, sagt Praefke. Den Rest will sie jetzt per Crowdfunding sammeln. Auf www.startnext.com/moviemento haben bisher schon mehr als 700 Freunde und Fans bis Dienstagabend 34.500 Euro gegeben. Namhafte Schauspieler wie Katharina Wackernagel und der langjährige „Panorama“-Chef der Berlinale, Wieland Speck riefen via Video zu Unterstützung auf.

Wer jetzt großzügig gibt, bekommt mehr als nur eine Bestätigungsmail. Eine Mitarbeiterin Praefkes ist derzeit unterwegs auf Akquise. Der Weinhändler des Kinos hat 90 Einladungen zum Whiskey-Tasting beigesteuert. Wer 45 Euro spendet, trinkt mit. Eine Tapas-Bar am Görlitzer Park gab Essensgutscheine, die inzwischen vergriffen sind. Und für 350 Euro wird an einem Klappstuhl des Kinos eine Namensplakette festgeschraubt.

Denn, daran lässt Praefke keinen Zweifel: Das Movimento überlebt. Anlass zur Hoffnung gab eine Wortmeldung der Deutsche Wohnen auf Twitter: „Das Moviemento bleibt erhalten – dafür sorgen wir.“ In der kommenden Woche setzen sich Vertreter des Unternehmens mit Praefke und Sörgel zu Verhandlungen an einen Tisch. Ihre Forderung wollte Deutsche Wohnen Sprecherin Manuela Damianakis auf Morgenpost-Anfrage nicht nennen. Sie erklärte lediglich: „Wir werden gucken, dass es passt.“