Ausflugs-Tipp

Die Halbinsel Stralau: Eiland im Strom der Zeit

Spaziergang vom Schlesischen Tor über die Puschkinallee und die Elsenbrücke bis zur Halbinsel Stralau.

Das Deck der „Paula“ lädt zum Verweilen ein. Im Hintergrund der historische Palmkernölspeicher.

Das Deck der „Paula“ lädt zum Verweilen ein. Im Hintergrund der historische Palmkernölspeicher.

Foto: Mathias Stengel

Berlin. Die Gegend gilt seit Jahrhunderten strategisch und verkehrstechnisch als Tor nach Osten. Wohl auch deshalb heißt der Platz mit U-Bahnhof auf der Südseite der Oberbaumbrücke Schlesisches Tor. Unweit davon gab es bereits 1842 zunächst den Frankfurter Bahnhof, der 1881 in Schlesischer Bahnhof umbenannt und seit 1950 (von 1987 bis 1998 Hauptbahnhof) bis heute Ostbahnhof heißt. Das Schlesische Tor war historisch der Durchlass in der Berliner Stadtmauer, der am östlichsten lag. Hier beginnt der Ausflug gen Osten von Kreuzberg über Alt-Treptow bis nach Stralau in Friedrichshain.

Ehemaliges Grenzgebiet wurde beliebter Veranstaltungsort

Es geht die Schlesische Straße in östliche Richtung entlang durch eine typische Kreuzberger Kiezgegend mit Mietskasernen, Restaurants und Cafés rund um die Falckensteinstraße. Ab der Cuvrystraße verliert sich diese Urbanität. Dort dominiert zur Zeit eine Großbaustelle das Geschehen. Auf der seit Jahren bestehenden Brache wächst jetzt der „Cuvry Campus“. Wenige Gehminute später geht es über Landwehrkanal und Flutgraben. Auf der zwischen den Wasserarmen liegenden Halbinsel haben sich diverse Lokale einquartiert, am Ufer Hausboote festgemacht.

Hinter dem Flutgraben beginnt Treptower Hoheitsgebiet, einst Teil von Ost-Berlin, was auch durch den dort in der Grünanlage Schlesischer Busch erhalten gebliebenen Wachturm der DDR-Grenzer verdeutlicht wird. Auf der Nordseite hin zur Spree haben sich in alten Industriegebäuden zahlreiche Veranstaltungshallen wie der Festsaal Kreuzberg, die Arena Berlin oder das Glashaus angesiedelt. Und direkt in der Spree ist seit Jahren das Badeschiff für Schwimmer eine besondere sommerliche Attraktion.

An der Eichenstraße gabelt sich die Puschkinallee. Es geht auf der linken Seite unter Platanen vorbei an schönen Villen bis zur Elsenstraße. Diese links hinunter gelangt man nach wenigen hundert Metern auf die Elsenbrücke. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf Berlin an der Spree: in westliche Richtung bis zur Oberbaumbrücke und dem sanierten und mit moderner Architektur ergänzten ehemaligen Osthafen. Gen Osten der Treptower Park und die neue Silhouette der Halbinsel Stralau.

Einst ein Fischerdorf

Hinter der Elsenbrücke führt der Weg auf das 112 Hektar große Eiland zwischen Rummelsburger Bucht und Spree. Das war einst ein Fischerdorf, in dem Anfang des 19. Jahrhunderts nur einige Dutzend Familien wohnten. Später kamen Werften und Fabriken hinzu. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Stralau mehr als 4000 Einwohner. Mit der Deindustriealisierung nach dem Mauerfall verlor Stralau zunächst an Attraktivität. Doch das hat sich verändert. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts gab es einen Bauboom, allerorts entstanden luxuriöse Wohnquartiere. Die zentrumsnahe Wasserlage hat den Standort für Investoren zur Goldgrube werden lassen. Heute ist fast alles bebaut.

Lediglich der Wenden-Park mit der alten Dorfkirche, das Regatta-Ufer und einige wenige verbliebene Werften und Altbauten lassen noch die früheren Zeiten erahnen. Gehen Sie auf Entdeckungstour rund um die Insel. Informationen zur Geschichte gibt es in der Dorfkirche und auf Tafeln. Da erfahren Sie interessante Details, etwa, warum Karl Marx mit einem Relief geehrt wird oder was es mit dem Werftkran für eine Bewandtnis hat oder welche Funktion der Palmkernölspeicher heute hat und wo einst die Straßenbahn durch den Spreetunnel nach Treptow fuhr.

Einkehr und Entdeckung

Ausstellung Zur Geschichte der Halbinsel Stralau, Dorfkirche, Tunnelstraße 5–11, sonntags 13–16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Anfragen zu Führungen an uwe.nuebel@dorfkirche-stralau.de

Geschichtspfad An den Straßen in Stralau gibt es seit Ende Oktober 2017 insgesamt zwölf Schautafeln zur Geschichte der Halbinsel. Die meisten Tafeln befinden sich an der Hauptachse Alt-Stralau/Tunnelstraße, einige auf der Nordseite an der Rummelsburger Bucht.

Einkehr Am Ufer der Rummelburger Bucht liegt an der Friedrich-Junge-Straße neben dem Palmkernölspeicher die „Paula“ vor Anker. Auf dem Schiff mit Sonnendeck und Strandkorb gibt es zahlreiche Veranstaltungen (Infos: www.paula.berlin). Sonntags öffnet von 13 bis 18 Uhr das Café, und es läuft Kinderkino.

Ausflugsroute Der Weg vom Schlesischen Tor und über die Halbinsel Stralau ist etwa sechs Kilometer lang. Wegen der Sehenswürdigkeiten, Informationen und Möglichkeiten für einen Abstecher sollten mindestens zwei Stunden Zeit eingeplant werden.