Integration

Neue Flüchtlingsunterkunft auf Kreuzberger Friedhof geplant

Der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte plant die Errichtung einer Flüchtlingsunterkunft auf einer Friedhofsfläche.

Eine islamische junge Frau mit Kindern unterwegs in Steglitz (Symbolbild).

Eine islamische junge Frau mit Kindern unterwegs in Steglitz (Symbolbild).

Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg

Berlin. Ein Flüchtlingswohnheim für etwa 150 Bewohner plant der Evangelische Friedhofsverband Berlin Stadtmitte auf einer Wirtschaftshoffläche des Friedhofs Friedrichswerder an der Jüterboger Straße in Kreuzberg.

In enger Abstimmung mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann habe der Verband die Planung wieder aufgenommen, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. Ziel sei es, auf der Wirtschaftshoffläche der Friedhöfe Bergmannstraße an der Jüterboger Straße eine kleine Flüchtlingsunterbringung mit langfristiger Perspektive zu schaffen, die gute Integrationsbedingungen aufweise.

Tatsächlich ist der Plan nicht neu. Schon vor Jahren schlug die Evangelische Kirche vor, still gelegte Friedhöfe in Berlin als Standorte für Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen. Um einen Teil der Bergmann-Friedhöfe wird seit zwei Jahren gestritten. Eine Bürgerinitiative protestiert gegen die Pläne, dort ein Flüchtlingsheim zu errichten. Sie hat unter dem Motto „Keine Bebauung auf den Bergmannfriedhöfen“ nach eigenen Angaben Tausende Unterschriften gesammelt.

Lesen Sie dazu: Spazieren zwischen Gräbern: Die Idylle der Bergmannfriedhöfe

Friedhöfe an der Bergmannstraße: Weitergehende Bebauung nicht beabsichtigt

Wie es in der Mitteilung des Evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte weiter heißt, bemühten sich der Friedhofsverband und die Evangelische Kirche Berlin Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) seit längerem um Flüchtlingsunterbringungen neben den temporären Notunterbringungen. Entsprechend sei die Errichtung von Flüchtlingsunterkünften auf Friedhofsstandorten mit ungenutzten Überhangflächen geprüft worden.

„Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, Senatorin Elke Breitenbach und das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten unterstützen unser Konzept zum Bau einer kleinen Flüchtlingsunterkunft“, erklärte Pfarrer Klaus-Ekkehard Gahlbeck, Geschäftsführer im Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte.

Flüchtlingsunterkunft an der Jüterboger Straße: Infoveranstaltung geplant

Das Projekt „Flüchtlingsunterkunft Jüterboger Str.“ soll sich derzeit in der behördlichen Abstimmungsphase befinden. Eine weitergehende Bebauung der denkmalgeschützten Friedhöfe an der Bergmannstraße mit Wohnungen sei vom Friedhofsverband nicht beabsichtigt.

Nach Abschluss der Abstimmungen sollen Anwohner und Friedhofsnutzer in einer öffentlichen Veranstaltung ausführlich über das Projekt informieren werden.

Die Friedhöfe in Berlin sind begehrtes Land. Die 220 Berliner Friedhöfe belegen mit 1100 Hektar zusammengenommen fast dreimal so viel Platz wie das Tempelhofer Feld.

Mehr zum Thema:

Kaum genutzt: Berlin verkauft Flüchtlingscontainer wieder

Pankower wollen kein Flüchtlingsheim - wegen Klimanotstands

Senat drängt Bezirk, Flüchtlingsheim statt Schule zu bauen