Stadtentwicklung

Am Ostbahnhof wird eine Schule statt einer Bank gebaut

Ein gut 20.000 Quadratmeter großes Areal in der Nähe des Ostbahnhofs wird zum Schul- und Sportstandort. Das hat der Bezirk beschlossen.

Schulstadtrat Andy Hehmke (SPD).

Schulstadtrat Andy Hehmke (SPD).

Foto: bm

Berlin. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat am Dienstag beschlossen, ein gut 20.000 Quadratmeter großes Areal in der Nähe des Ostbahnhofs als Schul- und Sportstandort zu sichern. Dies werde jetzt im Bebauungsplan festgeschrieben. Das Gelände befindet sich in privater Hand.

Laut Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) beabsichtigte der Eigentümer, dort Gebäude für ein Finanzunternehmen zu errichten. Mit dem Beschluss folgt der Bezirk der Forderung von Schulstadtrat Andy Hehmke (SPD), der dringenden Bedarf im Bezirk angemeldet hatte. Ein Sprecher der Eigentümer kündigte auf Anfrage der Berliner Morgenpost für Mittwoch eine Stellungnahme dazu an.

Das Gebiet befindet zwischen Andreas- und Krautstraße sowie Lange Straße. Der Bezirk begründet den Schritt damit, dass sich in Friedrichshain-Kreuzberg keine Großflächen mehr im öffentlichen Besitz befinden, die für Schul- und Sportplatzneubauten genutzt werden könnten.

Hehmke warnt seit Langem vor drohendem Schulnotstand und einer dramatischen Unterversorgung mit Sportflächen. Laut Bezirksamt sehe der Bezirk „keine andere Möglichkeit, außer private Flächen zur Deckung des Infrastrukturbedarfs der wachsenden Stadt heranzuziehen.“ Hehmke sagte gegenüber der Berliner Morgenpost, auf dem Areal sei nun ein Schulneubau vorgesehen.

Gelände liegt seit Jahren brach

Handeln will der Bezirk auch, weil auf dem Gelände keine Bautätigkeit zu erkennen sei. Schon in einer Unterlage der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom März 2011 sei festgestellt worden, dass das Gelände seit mehr als zehn Jahren brachliegt. Bis 2019 hätten sich keine wesentlichen Veränderungen ergeben.

Baustadtrat Florian Schmidt betonte, die jetzige Entscheidung sei kein „Vergraulen von Investoren“. Vielmehr sei dem Bezirk bei der Bezirksamtentscheidung für die Flächensicherung im März 2019 noch nicht bekannt gewesen, dass dort ein Finanzstandort entstehen soll.

Schmidt sagte, in den vergangenen Wochen hätten die Eigentümer bei ihm Pläne für ein Bankgebäude abgegeben. Dabei habe er deutlich gemacht, dass das Projekt „mit unserer Bedarfsanalyse nicht übereinstimmt“, so Schmidt. Schulstadtrat Hehmke ergänzte: „Der Bedarf im Bezirk ist größer als das, was uns zur Verfügung steht. Ich kann nicht den Eltern sagen, dass wir in einigen Jahren keine Schulplätze mehr haben.“ Julian Schwarze, Co-Fraktionschef der Grünen in der BVV, sagte: „Wir brauchen Infrastruktur. Festzustellen, wo wir Schulen bauen können, finde ich wichtig.“

Die Aufstellung eines Bebauungsplans dauert anderthalb bis zwei Jahre. Florian Schmidt sieht den Beginn eines Schulneubaus frühestens in fünf Jahren. Offen ist jetzt, ob der Eigentümer auf ein mögliches Kaufangebot des Landes eingehen wird, oder ob im folgenden Schritt die Enteignungsbehörde aktiv wird.