Samariterkiez

CDU-Abgeordneter: „Poller sind eine Gefahr für die Anwohner“

Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner und eine Bürgergruppe prangern die Verkehrsführung im Samariterkiez an.

Die neuen Poller an der Samariterstraße in Friedrichshain sorgen für Unmut im Kiez.

Die neuen Poller an der Samariterstraße in Friedrichshain sorgen für Unmut im Kiez.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Es heißt, man sehe sich immer zweimal im Leben. Wer an der Samariterstraße in Friedrichshain nur einige Minuten nahe der Bänschstraße stehen bleibt, sieht manchen Autofahrer sogar drei, vier Mal. Denn durch die im August aufgestellten Poller irren dort Wagen durch die zum Labyrinth gewordenen Straßen mehrfach an der selben Ecke vorbei. Fahrer sind zunehmend gereizt und mit zunehmendem Tempo unterwegs.

Jetzt hat sich die Anwohnergruppe „Verkehr und Vernunft“ formiert, die die Poller abschaffen will. Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner sagt sogar, die Sperren würden zur Gefahr für Anwohner.

Forderung nach einem neuen, tragfähigen Konzept

Der Wahlkreisabgeordnete aus Friedrichshain-Kreuzberg attackiert Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Dessen „Pollerwahn“ werde zur „Gefahr für Anwohner und Klimaschutz“. Die Sperren im Samariterkiez führten zu „erheblichen Umwegen, auch für Rettungswagen“. Schmidt habe selbstherrlich entschieden und Anlieger vor vollendete Tatsachen gestellt. „Der Grünen-Bezirk muss die Durchfahrsperren sofort aufheben und gemeinsam mit Anwohnern ein neues, tragfähiges Konzept erarbeiten“, so Wansner.

Tatsächlich sind die Poller für Feuerwehr, Einsatzkräfte und Rettungswagen kein unüberwindbares Hindernis. Bei der Vorstellung der Sperren im August hieß es, dass ein Teil davon durch alarmierte Wagenbesatzungen zu entfernen ist. Die BSR nutzte dies laut Anwohner seitdem bereits. Dass es allerdings dennoch Zeit raubt, ist unbestritten.

Die Hindernisse wurden ab dem 13. August aufgestellt. Sperren gibt es an der Pettenkoferstraße/Bänschstraße, Voigtstraße/Schreinerstraße und Samariterstraße/Bänschstraße. Die Forderung, den Nord-Süd-Durchgangsverkehr aus dem Kiez zu nehmen, kam von der Initiative „Verkehrsberuhigter Samariterkiez”. Ist Stau auf der Frankfurter Allee, nutzen Autofahrer gern die Abkürzung Richtung Prenzlauer Berg durch das Wohngebiet. Auch Navigationsgeräte weisen diese Zeit sparende Alternative aus.

Das bestätigt am Donnerstagvormittag vor Ort auch der dienstlich fahrende Mann am Steuer eines schwarzen Kleinwagens aus Brandenburg. Er kommt von Norden und will gen Frankfurter Allee. Sichtlich entnervt muss er an den Pollern der Pettenkoferstraße einen Umweg durch die Bänschstraße nehmen und ist zwei Minuten später zwei Meter weiter, aber auf der anderen Seite angelangt.

Die SPD brachte den Antrag ein, die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) stimmte zu, Baustadtrat Schmidt setzte die Forderung in Form der Pollerlösung um. In einer Bürgerversammlung am 15. Januar vergangenen Jahres im Gemeindesaal der Samariterkirche informierte das Bezirksamt über die Pläne. Gegner der Verkehrsführung sagten nach der Installation der Poller, über die Veranstaltung und die Sperrungspläne habe das Bezirksamt ungenügend informiert.

Pollerlösung geht an den Interessen der Anwohner vorbei

Einer von ihnen ist Anwohner Oliver Mummer. Der 56 Jahre alte Apotheker hat sich mit jenen, die am 13. August genauso empört vor den Pollern standen wie er, zur Gruppe „Verkehr und Vernunft“ zusammengeschlossen. Durch den Suchverkehr und „herumirrende Autos“ gebe es jetzt mehr Betrieb im Kiez. „Das war keine Verkehrsberuhigungs-, sondern eine Verkehrsbeunruhigungsmaßnahme“, sagt er.

Die Bänschstraße sei weit stärker frequentiert als zuvor, er brauche zur Parkplatzsuche abends plötzlich bis zu 25 Minuten. Mummer und die 20 Anhänger von „Verkehr und Vernunft“ fordern, „das Chaos zu beseitigen“. Er sei für weniger Verkehr. „Gern etwa durch Einrichtung einer Spielstraßre, durch einen grünen Fahrradstreifen, mehr Schwellen.“ Die Pollerlösung dagegen gehe „voll an den Interessen der Bürger vorbei“.

Indre Zetzsche von der Initiative „Verkehrsberuhigter Samariterkiez” widerspricht. „Der Durchgangsverkehr hat sich gefühlt halbiert, Schwertransporter sind gänzlich verschwunden.“ Auf Wunsch der Initiative habe das Bezirksamt zudem schnell streckenweise Tempo 10 und Bodenschwellen eingerichtet. Nun komme es allerdings vor, dass Autofahrer über den Fußweg Poller umfahren oder als Geisterfahrer in die Bänschstraße führen. Trotz derlei Extremen lautet Zetzsches Fazit: „Das Ergebnis zeigt: Poller wirken.“

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