Stadtraum

Bergmannstraße: Neue Vorschläge für leere Parklets

Die SPD fordert in der Bergmannstraße günstige Stände für Gewerbetreibende, Lieferzonen sowie Parkplätze für Kranke und Kleinwagen.

Die SPD-Verordnete Hannah Sophie Lupper in der Kreuzberger Bergmannstraße.

Die SPD-Verordnete Hannah Sophie Lupper in der Kreuzberger Bergmannstraße.

Foto: Carl-Friedrich Höck/SPD-BVV-Fraktion

Berlin. Die Parklets auf der Bergmannstraße in Kreuzberg waren für viele ein Ärgernis. Als der Bezirk Ende September damit begann, sie durch Absperrungen und einige der bezirkseigenen Eiszeit-Findlinge zu ersetzen, folgte erneut scharfe Kritik. Viele hätten sich gewünscht, dass die auf Forderung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beseitigten Straßenmöbel nun für die dort ursprünglich aufgemalten Parkplätze weichen.

Die SPD-Bezirksverordnete Hannah Sophie Lupper hat jetzt in einem Antrag das Bezirksamt aufgefordert, eine anwohnerfreundlichere Nutzung zu liefern. Statt die wertvollen Flächen zu verschwenden, sollen sie unter anderem als Standflächen für Handwerker eingesetzt werden, die man im Kiez dringend brauche.

Unideologisches Gespräch mit den Anwohnern der Bergmannstraße

Die Liste von Forderungen stellte Lupper nach Treffen mit Menschen zusammen, die wie sie im Kiez leben. Was sie in der Diskussion bislang falsch fand: Verfechtern der neuen Begegnungszone Bergmannstraße hätten Parklet-Gegner schlicht als Bremser von Verkehrswende und ökologischer Reform abgetan. In ihrer Runde kamen nun etwa Handwerker zu Wort, die auf Auto und Parkplatz angewiesen sind, und Gehbehinderte, die leichten Zugang zum Gesundheitszentrum brauchen und etwa mit Rollatoren an den metallenen Bordsteinrampen scheitern.

„Viele der Befragten sagten: Nach der Veränderung in der Bergmannstraße ist das Verkehrsaufkommen etwa am Chamissoplatz gestiegen. Aber: Wenn die freien Parklet-Flächen sinnvoll genutzt werden würden, würden wir das alles hinnehmen und uns so ein Stück unseres Kiezes wiederholen“, sagt Lupper.

Stände und Wagen für kleine Gewerbetreibende

Der SPD-Antrag fordert, dass die Parklet-Räume mit ihrer „Premiumlage“ durch Stände und Wagen von kleinen Gewerbetreibenden, etwa Handwerkern, besetzt werden, die die Mieten an der beliebten Bergmannstraße nicht zahlen könnten, aber von Anwohnern seit ihrer Verdrängung bitter vermisst werden. So könnten letztlich auch diese von den täglichen Touristenströmen profitieren. Soziale Projekte sollen ebenfalls Raum und Verkaufsmöglichkeiten an den Ständen erhalten, die Lupper für alle Jahreszeiten geeignet hält. Tauschbörsenregale seien denkbar, dagegen Filialisten, Getränke- und Alkoholanbieter nicht.

An vier der 15 Parklet-Plätze sollen zusätzliche Lieferzonen eingezeichnet werden. Zweite-Reihe-Parker sind ein markantes Problem der Straße. Drei Parklet-Flächen nahe dem Gesundheitszentrum sollen für Patienten der Praxen ausgewiesen werden. Die jetzt noch verbliebenen Parkplätze der Bergmannstraße will die SPD auf normale Breite reduzieren: eine Absage an SUV-Fahrzeuge. Der Antrag wurde von der BVV zur Beratung in den Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Verkehr und Immobilien überwiesen.

Nur wenige Bürger wollen zur alten Nutzungsart zurück

In der BVV-Sitzung im September hatte Bezirksstadtrat Florian Schmidt (Grüne) auf Anfrage von CDU-Fraktionschef Timur Husein mitgeteilt, dass die Beräumung und Einlagerung der Parklets 40.000 Euro kosten werde. Sie kämen bis zur weiteren Verwendung voraussichtlich auf die Logistikplätze des Gartenbauhofes Kreuzberg im Viktoriapark und auf dem Rathausareal Yorckstraße.

In derselben Sitzung hatte Annika Gerold aus Schmidts Fraktion wissen wollen, was an die Stelle der Parklets kommt. Schmidt betonte, dass die Auswertungsphase der Erprobung der Begegnungszone Bergmannstraße noch laufe. Die erste Resonanz der Bürgerbeteiligungen zeige, dass nur ein Fünftel zu den alten Gegebenheiten der Straße zurückkehren wolle.

Bis die Bewertung abgeschlossen ist – dies soll im laufenden Quartal geschehen – erhielten die Parklet-Flächen nicht die frühere Nutzung. Vielmehr sollen sie „durch baustellentechnische Maßnahmen, sogenannte Schrammborde, frei gehalten“ werden. Die Steine des Anstoßes, die schon an der Friesenstraße eingesetzten Findlinge, befinden sich jetzt hinter diesen weißen, etwa einen Meter hohen Absperrungen.

Lesen Sie auch:

Rot-Rot-Grün macht Experimente mit Berlins Bevölkerung

Vor aller Augen kippt die Stimmung in Kreuzberg

„Findlings-Gate“: Strafanzeige gegen Baustadtrat Schmidt