Weltgrößte Messe

Bar Convent Berlin: Hochprozentiges am Gleisdreieck

Auf der weltgrößten Messe für Spirituosen am Gleisdreieck buhlen noch bis Mittwoch auch Berliner Hersteller um neue Kunden.

Auf dem Bar Convent Berlin geht es um neue Cocktail-Kreationen. Noch bis Mittwoch findet die weltgrößte Messe für Spirituosen in der Station am Gleisdreieck statt.

Auf dem Bar Convent Berlin geht es um neue Cocktail-Kreationen. Noch bis Mittwoch findet die weltgrößte Messe für Spirituosen in der Station am Gleisdreieck statt.

Foto: Reto Klar

Berlin. Der Vergleich, den Andreas Andricopoulos wählt, um den Geschmack seines Cocktails zu erklären, war so nicht zu erwarten: „Schmeckt ein bisschen wie die Erdbeer-Stulle, mit der man morgens seinen Kaffee trinkt“, sagt Andricopoulos über den rotschimmernden Drink, der vor ihm steht. Andricopoulos ist normalerweise Bar-Manager im Berliner Sterne-Restaurant Golvet. Am Montagvormittag allerdings mixt der Deutsch-Grieche für den Limonadenhersteller Thomas Henry gut aussehende – und auch wohlschmeckende Getränke.

Das Berliner Unternehmen ist einer von mehr als 440 Ausstellern auf dem Bar Convent Berlin (BCB). Die weltgrößte Messe für Spirituosen und Bar-Bedarf findet noch bis Mittwoch in der Station am Gleisdreieck statt. Bis zu 14.000 Fachbesucher werden zu dem Branchentreffen erwartet, das seit 2007 in der deutschen Hauptstadt stattfindet.

Auf den Tresen, die von den zahlreichen Herstellern der Gin-, Wodka-, Tequila- oder Whiskey-Spezialitäten in den Hallen aufgebaut wurden, geht es vor allem ums Geschäft. Zahlreiche Gastronomen, aber auch Hoteliers und Getränkefachhändler sind auf der Messe unterwegs.

Branche nimmt ihre soziale Verantwortung in den Blick

Angus Winchester hat schon viele Bars von innen gesehen. Es soll sogar Getränke-Kreationen geben, die nach dem Briten benannt wurden. Der Mann ist so etwas wie eine Koryphäe und bei dem BCB für das Fachprogramm zuständig. Bei den Vorträgen gehe es verstärkt auch um die soziale Verantwortung, die die Branche gegenüber ihren Kunden hätte, sagt Winchester. Einsatz gegen Rassismus und Sexismus stehe dabei im Vordergrund. „Wir haben eine starke Stimme, die wir nutzen sollten“, appelliert Winchester.

Mit Blick auf mitunter übermäßigen Alkoholkonsum, weist der Brite auf einen weiteren Trend hin, den die Branche erreicht hat: „Immer mehr Hersteller nehmen Produkte mit wenig oder gar keinem Alkohol in ihr Portfolio auf.“ In der Station sind vergleichbare Anbieter aber noch schwer zu finden.

Von seinem Stand aus winkt der Belgier Jo Cuvelier vorbeilaufende Besucher heran. Cuvelier vertritt auf dem BCB den Hersteller Gimber, der sein Werk südlich von Brüssel aufgebaut hat. Die Belgier haben gewissermaßen einen alkoholfreien Ingwer-Likör entwickelt. Getrunken wird die neue Kreation mit Mineralwasser verdünnt oder auch im Tee. Es gibt aber auch Kunden, die den Gimber als Shot zu sich nehmen, zum Beispiel, um den morgendlichen Kaffee zu ersetzen, erklärt Cuvelier.

Berliner Hersteller haben sich im Markt positioniert

Bei Thomas Henry steht eine Erfindung auf Kaffee-Basis im Vordergrund. Der Coffee Tonic ist der jüngste Neuzugang in der Produktpalette des Unternehmens, das seinen Hauptsitz am Berliner Südkreuz hat. Generell wächst das Geschäft mit den alkoholfreien Brausen, die gern in Bars genutzt, werden, um Cocktail-Kreationen aufzufüllen: 2018 setzte Thomas Henry rund 30 Millionen Euro um. Im Wettbewerb mit Marktführer Schweppes scheinen die Berliner ihren Platz gefunden zu haben.

Kaffee – das ist eigentlich auch das Geschäft der Röststätte Berlin. Das Café an der Ackerstraße in Mitte ist ein beliebter Kiez-Treffpunkt für Kaffee-Liebhaber. Auf den BCB hat die kleine Firma aber Hochprozentiges mitgebracht: Der „Cold Brew X“ ist ein Kaffee-Likör auf Rum-Basis. Handgemacht und nur in kleiner Auflage verfügbar, sagt Joscha Hesse, der Markenbotschafter für die Kreation ist.

Auch für den Kaffee-Likör gebe es eine steigende Nachfrage, so Heese. Mittlerweile gebe es sogar Sterne-Restaurants, die derartige Produkte als Digestiv verwenden würden. Man könne den cremig und mild schmeckenden „Cold Brew X“ aber auch als Zutat für einen Espresso Martini oder einen Black Russian nutzen, so Heese.

2020 zieht der Bar Convent Berlin auf das Berliner Messegelände

Berliner Spirituosen-Anbieter setzen jedoch nach wie vor auch auf die Klassiker. Das Unternehmen Berliner Brandstifter hatte 2013 seinen ersten Gin auf den Markt gebracht. „Wir wollten den Sommer in Berlin festhalten“, sagt der Gründer und Geschäftsführer Vincent Honrodt. Deswegen destillierte Honrodt neben der klassischen Gin-Zutat Holunderblüte auch Malven, Waldmeister und Gurken in seine Produkte. Während einige Experten auf der BCB schon das Ende des Gin-Trends prognostizieren, glauben die Berliner hingegen weiter an das Getränk: Berliner Brandstifter präsentiert auf der Messe einen Rosé-Gin, der in Weinfässern gelagert wurde. „Der Konsument will immer wieder überrascht werden“, sagt Honrodt. Die „neue Spielart“ Rosé-Gin gibt es zunächst allerdings nur in einer limitierten Auflage von 2000 Stück.

Ganz sicher auf etwas Neues einstellen müssen sich die Aussteller auf dem BCB im kommenden Jahr, denn die weltgrößte Spirituosen-Schau zieht um. Von der Station geht es auf das Berliner Messegelände unterm Funkturm. Es werde ein Umzug mit Augenmaß, der mehr Platz schaffe, ohne den besonderen Flair des Bar Convent Berlin zu verlieren, sagt BCB-Chefin Petra Lassahn. Die Messe werde sich dann auch leicht vergrößern. Am neuen Standort plant der BCB 2020 dann mit rund 18.000 Fachbesuchern.