Bergmannstraße

Stadtrat Schmidt lässt Parklets durch Findlinge ersetzen

Die Parklets wurden abgebaut. Doch die Parkplätze kehren nicht zurück. Denn Schmidt hat Findlinge darauf platzieren lassen.

Die 15 Sitzgelegenheiten in der Bergmannstraße wurden am Freitag wieder entfernt. Dafür blockieren jetzt große Findlinge die Parkbuchten

Die 15 Sitzgelegenheiten in der Bergmannstraße wurden am Freitag wieder entfernt. Dafür blockieren jetzt große Findlinge die Parkbuchten

Foto: Jörg Krauthöfer

Berlin. Die Abdrücke auf dem Asphalt waren noch frisch. Nur wenige Tage sind seit dem Abbau der umstrittenen Parklets in der Bergmannstraße vergangen. Eigentlich schien das Experiment mit der Entfernung der 15 Sitzmöbel auf der Fläche von Parkplätzen vorerst beendet.

Doch jetzt geht die Versuchsreihe des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg im Dienste der Verkehrsberuhigung überraschend in eine neue Runde. Dort, wo die Parklets standen, haben Bauarbeiter am Freitag Findlinge abgelegt. Das Ergebnis dokumentierte der zuständige Stadtrat Florian Schmidt (Grüne) persönlich – und lud Bilder der Felsbrocken bei Twitter hoch. „Die Kreuzbergrocks sind zurück in der Bergmannstraße. Parklet-Flächen werden zu Stonelets und sichern Freiräume gegen Falschparken, bis Nutzungen definiert sind“, hieß es dazu als Erklärung.

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Unter den Fotos entwickelte sich eine Diskussion mit Twitter-Nutzern, die vor gefährlichen Verkehrshindernissen warnen. „Wenn demnächst ein Radfahrer stürzen und ungünstig auf einen Findling fallen sollte – wisst ihr Bescheid“, sagte ein Nutzer. Prompt konterte Schmidt und schrieb lakonisch: „Sie meinen, die fliegen über die Absperrung?“ Tatsächlich sind die Felsbrocken in den Parkbuchten von rot-weißen Baken umgeben. Eine künstlerische Gestaltung der Steine soll laut Schmidt folgen.

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Noch grundsätzlicher als bei den Twitter-Nutzern im Internet fiel die Kritik der Berliner CDU aus. „Ich betrachte das ,Experiment’ als komplett gescheitert. Und sehe auch keine Mehrheit dafür, das weiterzuführen – schlimmer noch, diese Aktion, die vermutlich über eine halbe Million Euro gekostet hat, hat zur Zerstrittenheit des Kiezes geführt“, sagt der Verkehrsexperte Oliver Friederici zu den Vorgängen der vergangenen Wochen.

Stadtrat Schmidt beruft sich bei der Platzierung der Steine auf die unklare Situation, die durch dem Abbau der Parklets auf Wunsch der Bezirksverordneten entstanden sei. Deren Beschluss beinhalte keine Informationen dazu, wie die Bergmannstraße nach dem Abbau der Parklets gestaltet werden soll, lässt Schmidt über die Sprecherin des Bezirksamts ausrichten. Die politische Diskussion zur Gestaltung der Bergmannstraße sei noch nicht abgeschlossen.

Eine Evaluation der bisherigen Versuche mit Anwohnern finde statt, zudem werde ein Antrag der Grünen- und Linken-Fraktionen „zur Zwischennutzung der freigewordenen Flächen“ geprüft. Am Mittwoch sei dieser in der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf Wunsch der CDU-Fraktion vertagt worden. Während das Votum zu diesem Antrag aussteht, hat das Bezirksamt nun Tatsachen geschaffen.

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Der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Kurt Wansner geht deshalb davon aus, dass Stadtrat Schmidt sich erneut über die bisherigen Beschlüsse der Bezirksverordneten, die eine Beseitigung der Barrieren vorsahen, hinwegsetzt. Er fordert Konsequenzen. „Stadtrat Schmidt hat sich wiederholt in seinem Amt als untauglich erwiesen. Wir fordern den Bezirk auf, ihm die Verantwortung über die Begegnungszone Bergmannstraße zu entziehen“, sagt der frühere Bezirksverordnete. Wansner empfiehlt seinen Parteifreunden im Bezirk, eine Sondersitzung der BVV einzuberufen, „um den selbstherrlichen Grünen-Politiker für seine Alleingänge zur Verantwortung zu ziehen“. Erst im Mai hatten die Fraktionen in der BVV eine Missbilligung gegen Florian Schmidt durchgesetzt – gegen die Stimmen der Grünen, die ihren Stadtrat vor der Rüge bewahren wollten.

Die Felsbrocken in der Bergmannstraße sind, wie Schmidt in seinem Tweet über die „Kreuzbergrocks“ andeutet, alte Bekannte. Im Sommer ließ das Bezirksamt die 21 Eiszeitfindlinge mit einem Gewicht von 25 Tonnen kurzzeitig platzieren, um den Verkehr in der Begegnungszone an einer Stelle zu beruhigen. 2175 Euro ließ man sich die Beschaffung aus einem Kiestagebau in Mecklenburg-Vorpommern kosten. Dass aber die Steine zu „Stonelets“ werden, war damals noch nicht geplant.

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