Sozialistische Plakate

Bezirk verweist nach Kritik auf Schulkind als Urheber

Die in einem Workshop des Bezirksmuseums hergestellten Protestplakate stoßen auf Kritik. Das Bezirksamt kann die nicht nachvollziehen.

"Kämpft gegen die Gier!"  Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt einen Protestplakate-Workshop.

"Kämpft gegen die Gier!" Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt einen Protestplakate-Workshop.

Foto: Twitter/@BA_Xhain

Im Fall eines umstrittenen Bildes zu einem Veranstaltungsaufruf auf der Webseite des bezirklichen FHXB Museums hat jetzt das Bezirksamt mit einer Stellungnahme reagiert. Die Arbeit zeigt Darstellungen, die an antisemitische und sozialistische Propaganda erinnern. Sprecherin Sara Lühmann unterstrich, dass das verwendete Bild in einem anderen Kontext entstand, als der Veranstaltung, die es bewarb.

Bei dem Workshop sollen Berliner Protestplakate gegen Mieterhöhungen herstellen können. Kurios: Diese erinnern optisch an sozialistische Propaganda. Beworben wird die Veranstaltung vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bei Twitter: "MACH DIR (D)EIN PROTESTPLAKAT! Dieses Wochenende: 2-tägiger Workshop in der Museumsdruckerei für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren im FHXB Museum", heißt es dort.

Das auf der Museumsseite sowie via Twitter verbreitete Plakat sei von einem Schulkind gemacht worden, teilte jetzt das Bezirksamt mit. Dies sei im Rahmenprogramm der Ausstellung „Frieden, Freiheit, Brot! 100 Jahre Revolution – Friedrichshain und Kreuzberg 1918/19“ geschehen. Produziert wurde es demnach im Druckworkshop des Museums, der Teilnehmern einerseits Druck- und Kreativitätstechniken, andererseits Geschichte und damalige Ästhetik vermittelt. Im Zug der Behandlung des Themas wurden Plakatbeispiele der Revolutionszeit und ihre Bildsprache diskutiert. Dies beeinflusste das Schulkind, ob Mädchen oder Junge lässt das Bezirksamt offen, bei seiner Arbeit. So weit, so unschuldig.

Konflikte des Wohnens vom 19. Jahrhundert bis heute

Gewicht bekommt das historisch inspirierte Motiv aber in seiner Verwendung im aktuellen Kontext. Da hatte es das Museum eingesetzt, um auf den offenen Druckworkshop anlässlich der am 9. August gestarteten Ausstellung „Dach über Kopf. Wohnraumfragen in Friedrichshain und Kreuzberg“ hinzuweisen. Darin geht es um Konflikte des Wohnens vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. In der berlinweit allgegenwärtigen Auseinandersetzung um bezahlbare Mieten kann die Darstellungsform aus revolutionärer Zeit, die an nationalsozialistische und sowjetische Publikationen erinnert, befremdlich wirken.

Sprecherin Lühmann erklärte, Bezirksamt und FHXB Museum seien überrascht über die Vorwürfe. „Wir stellen uns entschieden gegen jegliche Diskriminierung und Antisemitismus“, so Lühmann. Das Museum verstehe sich als offener und diskriminierungsfreier Raum. Der Bezirk setze auf eine geschichtskritische, antifaschistische und antirassistische Geschichts- und Erinnerungsarbeit. Etwa mit Stolpersteinverlegungen sowie Museums- und Gedenktafelprogramm.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, hatte am Montag Strafanzeige gegen das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wegen Volksverhetzung gestellt. Er kritisierte das „widerliche Protestplakat“ und den Workshop gegen Mieterhöhungen, wie ein Sprecher sagte.