Scharfe Kritik an Aktion

Protestplakat gegen Vermieter: Dregger stellt Strafanzeige

In einem Workshop sollen Kreuzberger Protestplakate im sozialistischen Stil gegen Vermieter malen. Das bewirbt das Bezirksamt.

"Kämpft gegen die Gier!"  Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt einen Protestplakate-Workshop.

"Kämpft gegen die Gier!" Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bewirbt einen Protestplakate-Workshop.

Foto: Twitter/@BA_Xhain

Bei einem Workshop sollten Berliner am vergangenen Wochenende Protestplakate gegen Mieterhöhungen herstellen. Kurios: Diese erinnern optisch an sozialistische Propaganda. Beworben wurde die Veranstaltung vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bei Twitter: „MACH DIR (D)EIN PROTESTPLAKAT! Dieses Wochenende: 2-tägiger Workshop in der Museumsdruckerei für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren im FHXB Museum“, heißt es dort.

Teil des Tweets ist eines der im Museum erstellten Plakate. Es zeigt einen dickbauchigen Vermieter mit Zigarre und einem Mieterhöhungsschreiben in der Hand, daneben klein eine rote Person mit Schild und Schwert. Dazu der Aufruf: „Kämpft gegen die Gier!“

Nach Angaben des Friedrichshain-Kreuzberg Museums ist das Plakat „Mieterhöhung“ entstanden im Rahmen eines Workshops mit der Ellen-Key-Schule.

Plakate sollen rund um das Museum aufgehängt werden

“Mit Hilfe traditioneller Drucktechniken sollen in der historischen Druckerei des Museums Protestplakate entworfen und druckgrafisch umgesetzt werden“, heißt es auf der Museums-Website. „Die entstandenen Protestplakate werden im öffentlichen Raum rund um das Museum plakatiert und können auch beim nächsten Mieter*innenprotest zum Einsatz kommen.“

Hinter dem Museum steht das von den Grünen geführte Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg.

Infolge der Berichterstattung der Berliner Morgenpost erstattete der CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, am Montag Montag Strafanzeige gegen das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg wegen Volksverhetzung. Er kritisierte das „widerliche Protestplakat“ und den Workshop gegen Mieterhöhungen, wie ein Sprecher sagte.

"Ähnlichkeiten mit Hetzpropaganda aus finstersten Zeiten"

Die bezirksamtliche Werbung für den Workshop war zuvor vom Berliner Journalisten Jan-Philipp Hein kritisiert worden. "Ähnlichkeiten mit Hetzpropaganda aus finstersten Zeiten sind für das @BA_Xhain und @f_schmidt_BB kein Problem, man verfolgt ja ein ehrenhaftes Ziel – mal davon ab, dass es schon einen Hautgout hat, wenn die Verwaltung Protestaufrufe macht", schrieb er bei Twitter. "Wer Wut, Angst und Spaltung unbedingt in der Ästhetik des Plakats einer 1.-Mai-Demo von 1928 verpacken will, sollte nicht über Protestkultur dozieren", schrieb er an Baustadtrat Schmidt.

Baustadtrat Schmidt schimpft Journalisten als "durchsichtigen Scharfmacher"

"Ich weiß, dass für Sie die Mietenbewegung schnurstracks in die Diktatur führt", gab Schmidt zurück. Hein darauf: "Es geht darum, dass Sie und Ihre Mitstreiter Ressentiments bespielen – und das im Furor offenbar gar nicht mehr auffällt. Spätestens bei Diesem Plakat hätten Sie mal ins Stocken geraten müssen. Stattdessen: Immer weiter…" Schmidt schimpfte den Journalisten wegen seiner Kritik einen "durchsichtigen Scharfmacher".

"Schade, dass ein Bezirksamt solche simplen Vereinfachungen fördert"

Auch Nutzer @fabisation greift das Bezirksamt an: "Wow. Ich hielte das zunächst für ein Propagandabild aus den 20er-Jahren. Alle Klischees inklusive Überzeichnung in einem Bild drin. Schade, dass ein Bezirksamt solche simplen Vereinfachungen fördert", schrieb er.

Nutzer @brumell fühlt sich gar an antisemitische Hetze aus der Nazi-Zeit erinnert. "An der Nase des Schuldigen müsst ihr noch arbeiten. Ekelhaft!", kommentierte er bei Twitter. @einerhgw meint: "Erinnert mich an ein NSDAP-Plakat". @LACowboyX postet: "Liebes Bezirksamt Friedrichshain, dem Kapitalisten in dieser Retro-Grafik fehlt die eindeutige Kennzeichnung eines Juden. Wenn ihr schon NSDAP-Plakate nachahmen wollt, dann ist das allerdings ein Muss."

Nutzer @danielajaniak schrieb: "Ihr wisst schon, welche Erinnerungen so ein Plakat weckt, welche Vorurteile es hervorruft? Etwas mehr Sensibilität wäre bestimmt möglich gewesen, wenn man etwas mehr nachgedacht hätte."

Tweets, die die Aktion verteidigen, waren bis zum Sonntagnachmittag (16.30 Uhr) nicht unter den Kommentaren.

Museum stellte Drogendealer als "tapfer und unerschrocken" dar

Das Museum hatte vor rund zwei Jahren mit einer Ausstellung über Drogendealer im Görlitzer Park überregional für Aufsehen gesorgt. Damals stellte der Künstler Scott Holmquist Drogendealer als "unerschrocken und tapfer" dar. Es hieß: "Vor dem Hintergrund vielfältiger Widerstände arbeiten Drogenverkäufer unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum." Auch das zog scharfe Kritik nach sich.