Görlitzer Park

Parkrat will Fußballturnier mit Dealern ausrichten

Es treten an: Mannschaften „überwiegend aus anderen Ländern, die sich viel im Park aufhalten“, heißt es in der Einladung.

Polizeibeamte kontrollieren im Görlitzer Park einen mutmaßlichen Drogendealer.

Polizeibeamte kontrollieren im Görlitzer Park einen mutmaßlichen Drogendealer.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Kuriose Ankündigung für den Görlitzer Park: Der sogenannte Parkrat will dort am 14. September ein Fußballturnier ausrichten - mit den Drogendealern, die jeden Tag dort ihrem illegalen "Gewerbe" nachgehen. Das Motto: „Kreuzberg Solidarität“. „Es treten 10 Mannschaften gegeneinander an, überwiegend Menschen aus anderen Ländern, die sich viel im Park aufhalten“, heißt es in einer bei Facebook verbreiteten Einladung.

Der Spielplan steht bereits fest. So tritt etwa die Mannschaft „Senegambia“ gegen „Algeria Tunisia“ an, anschließend kickt „Joliba remixed“ gegen „Gambia“. Auch die Partie Senegal gegen Mali wurde angesetzt, „224 Guinea“ und „Pasumi“ sind ebenfalls dabei - und einige weitere mehr.

Fußballturnier mit Dealern im Görlitzer Park: Siegerehrung mit "Wasser und Saft"

Gespielt werden soll auf dem Bolzplatz im Görlitzer Park. Die Veranstaltung soll um 10.30 Uhr beginnen und bis 16.30 Uhr dauern. Danach gibt es ab 18 Uhr eine Siegerehrung, und zwar mit „Wasser und Saft“ im Familien- und Nachbarschaftszentrum „Kiezanker 36“ an der Cuvrystraße 13/14. Während des Turniers und auch im Kiezanker gibt es laut Ankündigung „dufte Musik“. Aber Achtung: Schiedsrichter werden noch gesucht.

Die Veranstaltung hätte bereits früher stattfinden sollen, wurde aber vertagt, nachdem ein Parkmanager mit seinem Vorstoß, Zonen für Drogendealer im Park zu markieren, weit über Berlin hinaus für Schlagzeilen gesorgt hatte. So geht es aus dem Sitzungsprotokoll des Parkrats vom 3. Juli hervor. „Aufgrund der Strichaktion (Markierung der Standplätze, Anm. d. Red.) kein Turnier mit Drogendealern, wird verschoben bis Ruhe eingekehrt ist“, ist dort einem Bericht der „B.Z.“ zufolge vermerkt.

Kommentar: "Ich fordere: Berliner Ehrenbürgerwürde für Drogendealer!"

Lesen Sie auch: Wohin steuert Friedrichshain-Kreuzberg? Diskutieren Sie mit!

Turnier mit Dealern? Scharfe Kritik an "Lachnummer" Görlitzer Park

Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner hat das Turnier scharf kritisiert. Er sagte, Anwohner verstünden „nicht mehr, was dort eigentlich passiert“. Die Situation werde in Berlin zur Lachnummer. Nach Ansicht vieler Anwohner sei dies eine „Veranstaltung für Dealer“.

Das Turnier organisiert der Parkrat des Görlitzer Parks mit Nutzern des Areals. Der Rat ist ein gewähltes Gremium, das die Interessen von Anwohnern und Nutzern bei Politik und Verwaltung vertreten soll. Die zehn Teams setzen sich aus Afrikanern zusammen, die ihre Mannschaften nach Herkunftsländern wie Gambia und Senegal benannt haben.

Parkratsprecher Lorenz Rollhäuser sagte, nicht alle dunkelhäutigen Männer im Park seien Dealer. Tatsächlich nehmen auch Teams wie der Joliba e.V. , ein interkulturelles Netzwerk mit Sitz an der Görlitzer Straße am Turnier teil. Andererseits werden Besucher des Parks auf Schritt und Tritt von Afrikanern gefragt, ob sie Drogen kaufen wollen.

"Es kann sein, dass da auch Dealer dabei sind"

Das Turnier wende sich insgesamt an „Leute, die sich im Park aufhalten“, sagte Rollhäuser. „Es kann sein, dass da auch Dealer dabei sind.“ Das Turnier sei „ein Versuch, im Park etwas zu veranstalten, das konstruktiv ist, statt das immer gleiche Bild eines Görlitzer Parks zu zeichnen, in dem gedealt wird.“

Kurt Wansner sieht den Versuch als misslungen. Mit dem Turnier werde das Ansehen des Parks „noch tiefer sinken“. Er forderte den Rücktritt des Parkrats. Eine Bezirksamtssprecherin sagte, offenbar erhoffte sich der Parkrat vom Turnier eine verbesserte Gesprächsebene mit und zwischen allen Nutzergruppen. Bessere und respektvollere Kommunikation sei „grundsätzlich zu begrüßen“.

"Sehr viele afrikastämmige Menschen, die absolut nichts mit Drogenhandel zu tun haben"

Die Haltung, dass „alle Menschen aus anderen Ländern, die sich im Park aufhalten, vermutlich Dealer sind“, weise das Bezirksamt vehement zurück. „Der Park ist Treffpunkt für alle möglichen Bevölkerungsgruppen. Er ist auch ein bedeutender Treffpunkt sehr vieler, unter anderem afrikastämmiger Menschen, die absolut nichts mit Drogenhandel zu tun haben“, so die Sprecherin.

Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) sagte indes der Zeitung „Die Welt“, sie meide generell nachts Parks. „Ich gehe in Berlin durch gar keine Parks (...), das ist mir als Frau zu gefährlich“. Gegenüber der Berliner Morgenpost hatte sie bereits Ende August eine harte Vorgehensweise der Polizei gegen Dealer gefordert. „Wichtig ist, dass die Polizei mit ihren Einsatzkräften den Drogenhandel im Park regelmäßig und kontinuierlich stört“, so Herrmann.

Wowereit: Dealer und kriminelle Vereine dürfen keine Chance haben

Der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (65), empfindet die Akzeptanz von Drogen als gesellschaftliches Problem. „Drogen gibt es leider in unserer heutigen Gesellschaft viel zu viele in unterschiedlicher Form“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend auf der „Bertelsmann Party 2019“ in Berlin. „Leider haben sie auch eine gesellschaftliche Akzeptanz, die nicht gut ist. Daran muss man arbeiten, aber das kann nicht nur Politik alleine.“

Beim Görlitzer Park sei es auch eine Frage der Akzeptanz. „Wenn Leute das gut finden und kaufen gehen, dann sind das nicht nur Drogendealer, sondern auch normale Leute“, sagte Wowereit. „Da muss man ansetzen. Da muss man Aufklärung betreiben, auch für Jugendliche. Dass die gar nicht erst zu Drogen greifen.“ Der Staat habe aber auch die Aufgabe, mit allen gesetzlichen Möglichkeiten dagegen vorzugehen. „Dealer und kriminelle Vereine, die damit ihr Geld verdienen, dürfen keine Chance haben.“