Stadtentwicklung

So stark krempelt Friedrichshain-Kreuzberg den Verkehr um

Die Bauverwaltung des Bezirks treibt die Bürgerbeteiligung für die Bergmannstraße voran und stellt ihre neuen Projekte vor.

Neu in der Bergmannstraße sind seit Mai die Zebrastreifen.

Neu in der Bergmannstraße sind seit Mai die Zebrastreifen.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Der Bezirk zeigt sich fest entschlossen, alle Möglichkeiten auszunutzen, die das rot-rot-grüne Mobilitätsgesetz hergibt. Das verdeutlich die Übersicht abgeschlossener und geplanter Projekte mit dem Schwerpunkt Radverkehr, die Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) jetzt vorlegte. Sie reicht von 950 neuen Fahrradbügeln vor 28 Schulen binnen des laufenden Jahres bis zu einem geschützten Radfahrstreifen auf dem Kottbusser Damm, was an der Geschäftsstraße zum Abbau von Parkplätzen führt. Wie es auf der Bergmannstraße weitergehen soll, dazu gibt es jetzt neue Ergebnisse aus der aktuellen Bürgerbeteiligung.

Schmidt rechnet vor, dass zwei Drittel der bezirklichen Fläche dem Autoverkehr zur Verfügung stehen, nur ein Drittel dagegen dem sogenannten Umweltverbund, also ÖPNV, Rad- und Fußverkehr. Mit dem Ziel einer „nachhaltigen, umweltfreundlichen, klimaschonenden, gesunden Mobilität“ sollen diese Flächen umverteilt werden, so Schmidt. Entsprechend strukturiert er seine Verwaltung. Zu bestehenden 2,5 Stellen für Radverkehrsplaner sollen im kommenden Jahr fünf weitere hinzukommen.

Radweg an der Oranienstraße wird verbreitert

Bis Herbst 2019 wird derzeit der Radweg an der Oranienstraße zwischen Moritzplatz und Lindenstraße verbreitert und saniert. Denn wie vielerorts in Berlin haben dort Wurzeln den Bodenbelag hochgedrückt. „Desolater Zustand“, sagt Olaf Rabe, Fachbereichsleiter Straßen. „Hypotheken aus der Sparzeit Berlins“, erklärt Felix Weisbrich, Chef im Straßen- und Grünflächenamt.

Ab Herbst werden auf der Karl-Marx-Allee zwischen Kosmos Kino und Straße der Pariser Kommune Radwege auf 2,50 Meter verbreitert. Auf die Südseite der Frankfurter Allee kommt zwischen Niederbarnimstraße und Jessnerstraße ein geschützter Radfahrstreifen. Die derzeitige Breite von Geh- und Radweg passe nach Einschätzung des Bezirks nicht mehr zum gestiegenen Rad- und Fußverkehr.

Am Touristenmagneten East-Side-Gallery sind die Verbreiterung des Gehwegs und ein geschützter Radfahrstreifen auf der Fahrbahn vorgesehen. Dafür fallen die Parkplätze weg. Saniert und erneuert werden noch 2019 die beschädigten Radwege der Petersburger Straße.

Zwischen Stau und Parkern in zweiter Spur

Auf dem Kottbusser Damm ist nach Ansicht des Straßen- und Grünflächenamts die Einrichtung eines geschützten Radstreifens überfällig, weil sich dort ohne bestehenden Radweg Auto- und Velofahrer die Fahrbahnen – zwischen Stau und Parkern in zweiter Spur – teilen müssen. „Die Gefährdungssituation ist groß“, sagt Amtsleiter Weisbrich. Planungen dafür sollen bis zu diesem Herbst abgeschlossen sein.

Offen ist noch, wie es einmal in der Bergmannstraße aussehen wird. Mit Parklets, Zebrastreifen und Temporeduzierung stellen Senatsverkehrsverwaltung und Bezirk seit dem Winter dar, was eine Begegnungszone bieten könnte.

Derzeit wird die jüngste Befragung von Anwohnern ausgewertet. An zwei Abendterminen kamen je 40 Kreuzberger zu sogenannten Bürgerwerkstätten zusammen, vom 15-Jährigen bis zum Pensionär. Sie sammelten in jeweils vier Gruppen Idealvorstellungen für den Kiez. Die zwei besten Modelle aus jedem Treffen wurden am Ende ausgewählt und werden ab September auf Schautafeln an der Bergmannstraße gezeigt.

Hans-Peter Hubert, der als Sprecher der Initiative Leiser Bergmannkiez und Sachverständiger eingeladen war, spricht von einer teils überraschend konstruktiven Arbeitsatmosphäre. Klarer Trend dabei sei der Wunsch gewesen, Autoverkehr aus dem Kiez zu verdrängen. „Das reichte von total autofrei bis Tempobegrenzung“, so Hubert.