Samariterkiez

Nach Pollern kommen nun Schwellen und Tempolimit

Poller sollten den Durchgangsverkehr ausbremsen. Die Anwohner beschwerten sich. Nun kommen Schwellen und ein Tempolimit.

Die neuen Poller sollen Autofahrer darin hindern, die Frankfurter Allee durch den Samariterkiez in Friedrichshain zu umfahren.

Die neuen Poller sollen Autofahrer darin hindern, die Frankfurter Allee durch den Samariterkiez in Friedrichshain zu umfahren.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Berlin. Der erneute Protest der Anwohner hat sich gelohnt. Im Samariterkiez wurde jetzt nachgebessert. Nach den Pollern kündigt das Bezirksamt an, werden nun Schwellen verlegt und ein Tempolimit eingerichtet.

An drei Kreuzungen im Kiez wurden Mitte August weiß-rot gestreifte Poller aufgestellt: an den Ecken Samariterstraße und Bänschstraße sowie Pettenkoferstraße und Bänschstraße. Außerdem wurde noch eine Sperrung im Kreuzungsbereich Voigtstraße und Schreinerstraße aufgebaut. „Unser Kiez wurde geteilt. Nord und Süd sind nun getrennt“, sagt ein Mann, der an der Bänschstraße wohnt.

Die Samariterstraße war bisher – genauso wie die Voigt- und die Pettenkoferstraße – eine beliebte Abkürzung für Autofahrer, die zwischen der südlich gelegenen Frankfurter Allee und dem nördlichen Gewerbegebiet an der Eldenaer Straße kreuzten. Doch damit soll nun Schluss sein. Der Weg ist versperrt.

Die Poller versperren immer nur ein sehr kurzes Stück Straße – aber das reichte, um Anwohner und Autofahrer wütend zu machen. „Der Verkehr wird doch jetzt nur umgeleitet. Weniger wird es nicht durch die Poller“, sagt der Besitzer des Spätis.

Höheres Verkehrsaufkommen in der Bänschstraße

Vertreter der Bürgerinitiative trugen in einem Bezirksausschuss vor, in der Bänschstraße herrsche jetzt ein Verkehrsaufkommen – zum Teil geradezu chaotisch –, das es zuvor nicht gegeben habe. Die Bürger widersprachen den Plänen des Bezirksamts, ein Jahr zu warten, bis man auf neue Entwicklungen reagiert, um gegebenenfalls nachzubessern.

Das geschieht nun doch vorzeitig. In der Bänschstraße gilt zukünftig zwischen Voigt- und Pettenkoferstraße Tempo 10. Am Mittwoch sollten die ersten Schilder aufgestellt werden. In den kommenden Wochen kommen darüber hinaus Schwellen zur Geschwindigkeitsreduzierung auf die Fahrbahn.

Stadtrat: Poller sind Teil der Verkehrswende

Tatsächlich zählte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg nach eigenen Angaben in der Samariter- und Pettenkoferstraße bis zu 450 Autos in der Stunde. Dabei liegen im Samariterkiez zwei Grundschulen, ein Gymnasium und zwei große Kitas.

Die Kiez-Bewohner sind sich deshalb auch alle einig, dass weniger Verkehr hier auf den Straßen gut wäre. Von den Pollern halten sie dennoch nichts. Ein Späit-Besitzer berichtet davon, wie nun die Müllabfuhr durch die enge Bänschstraße tuckert – einen langen Stau hinter sich herziehend. „Früher konnten die Autofahrer einfach geradeaus fahren – aber jetzt ist der Kirchplatz versperrt.“ Gleiches gelte für den Lieferverkehr. Der Getränkelieferant stellte seinen Lkw bisher immer vor der Kirche ab, Autos konnten dann über die Bänschstraße ausweichen. Jetzt müssen sie warten, bis ausgeladen ist. Ein Besitzer eine Kneipe an der Straße wolle deshalb nun Listen auslegen in den Kiezgeschäften und Unterschriften gegen die Poller sammeln, erzählt der Spätibesitzer.

Weniger Verkehr? Das ist noch nicht spürbar

Kurios, denn die Durchfahrtssperren gehen ursprünglich auch eine Anwohnerinitiative zurück, die genau diese forderten. Zwei Jahre lang kämpfte die „Initiative Verkehrsberuhigter Samariterkiez“ für die Maßnahme. Hier kamen Anwohner zusammen, die genervt waren von den Autofahrern, die ihren Kiez als Abkürzung benutzen. Und die in Sorge waren um ihre Kinder, die auf dem Weg zur Schule über die vielbefahrenen Straßen mussten. Denn, so erklärte Schmidt bei einem Ortstermin, könne es schließlich auch nicht angehen, „dass einige Autofahrer ein paar Minuten Zeitersparnis haben und dafür die Lebensqualität der Bewohner im Kiez sinkt“.