Drogenhandel

Kritik an Plänen für Nachtschließung des Görlitzer Parks

Im Kampf gegen den Drogenhandel könnte die Grünanlage geschlossen werden. Der Anwohnerrat fühlt sich bei dem Vorschlag übergangen.

Es wird überlegt, den Görlitzer Park in der Nacht zu schließen.

Es wird überlegt, den Görlitzer Park in der Nacht zu schließen.

Foto: Maurizio Gambarini/Funke Fotoservices / Maurizio Gambarini/Funke Fotoservicesi

Berlin. Die Überlegungen der Innenverwaltung, den Görlitzer Park in Kreuzberg angesichts der Drogen- und Gewaltkriminalität zu umzäunen und nachts zu schließen, sind von dem Parkrat für die Grünanlage heftig kritisiert worden. Mit den Anwohnern und Nutzern habe niemand über den Vorschlag gesprochen, heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung des Gremiums. Im Parkrat sind Anwohner und Nutzergruppen organisiert.

„Mit Blick auf die gescheiterte und kostspielige Null-Toleranz-Strategie halten wir diese und andere rückwärtsgewandten Vorschläge für wenig durchdachte Schnellschüsse“, schreiben die Autoren der Erklärung. Zu den Unterzeichnern gehören auch das vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eingesetzte Parkmanagement sowie zwei Vereine.

+++ Kommentar: Keine Strategie gegen die Dealer

Eine dauerhafte Einzäunung und Bewachung des Parks würde sicher mehr als eine Million Euro kosten, heißt es. Nötig seien eine durchgehende Präsenz von Mitarbeitern mit Ordnungsbefugnissen in den Kiezen und im Park. Die Parkläufer, die bei Konflikten in der Grünanlage vermitteln sollen, müssten auch in den angrenzenden Kiezen eingesetzt werden.

Görlitzer Park: Sozialarbeiter seien besser als „repressive Maßnahmen“

Wie berichtet, hatte Innen-Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) am Montag im Innenausschuss des Parlaments eine nächtliche Schließung des Görlitzer Parks und eine Umzäunung als „gute Idee“ bezeichnet. Lorenz Rollhäuser, der Sprecher des Parkrates, hält den Vorschlag dagegen für nicht praktikabel. So gebe es derzeit rund 15 Zugänge. „Wie will man angesichts dessen den Park schließen: Man müsste das Areal nachts bewachen lassen.“

Selbst bei einem geschlossenen Park würden die Probleme nicht enden. „Dann hätten wir den Drogenhandel in den angrenzenden Straßen.“ Vielmehr müsse der Görlitzer Park als Teil eines größeren bezirklichen Raums gesehen werden. „Diese scheinbar simplen Lösungen stellen dagegen enorme Vereinfachungen dar“, sagt Rollhäuser. Der Vorschlag sei nichts Neues. Die Idee sei vor einem halben Jahrzehnt aus den Reihen der Berliner SPD und zuletzt aus der CDU gedrungen. Besser als „repressive Maßnahmen“ seien Sozialarbeiter für die Menschen im Park.

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In einem bereits 2016 verabschiedeten Handlungskonzept des Parkrates heißt es: „Den Drogenhandel werden wir nicht beenden können, solange die Nachfrage hoch ist.“ Der Parkrat setzt sich aus elf Mitgliedern zusammen, die die Interessen der Parknutzer gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit vertreten. Die gewählten Mitglieder arbeiten ehrenamtlich.