Verdrängung

Verhandlungen gescheitert: Aikido-Schule muss ausziehen

Mehr als 50 Kinder lernen am Kottbusser Damm die sanfte Kampfkunst. Ende November ist Schluss.

Im großen Saal, den sie bald räumen müssen: Horst Oldehus von Aikido Berlin, und Latifa Rothacker, Chefin von „Bogenwege“.

Im großen Saal, den sie bald räumen müssen: Horst Oldehus von Aikido Berlin, und Latifa Rothacker, Chefin von „Bogenwege“.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin.. Am Ende steht der Rauswurf: Aikido Berlin am Kottbusser Damm 25 verliert seine Räume. Die Vermieter gewährten jetzt lediglich eine Vertragsverlängerung bis zum 30. November. Laut Horst Oldehus von der Sportschule haben die Eigentümer erklärt, es gebe bereits neue Mieter.

Rund 100 Schüler, mehr als die Hälfte davon Kinder, lernen in den für 100.000 Euro ausgebauten Räumen. Oldehus, unter anderem Leiter des Kindertrainings, sagte, man werde in der jetzigen Situation wohl zu einem weiteren Sportverein, der den Kiez verlassen muss. „Das bedeutet für uns das Ende am Kottbusser Damm“, so der 49-Jährige.

In den Räumen bietet bisher Latifa Rothacker, Chefin von „Bogenwege“, für psychisch und psychosomatisch Kranke therapeutisches Bogenschießen an. Auch der Sportschule Yayla an der Forster Straße nahe des Görlitzer Parks droht die Verdrängung. Dort seien ebenfalls viele Kinder betroffen.

Schwerer Verlust einer bewunderten Freundin

Dazu konnte es nur kommen, weil - wie berichtet - ein Unglücksfall zu einer Fristversäumnis geführt hatte. Oldehus’ Verein war jahrelang Untermieter. Seine Vermieterin, die renommierte Aikido-Lehrerin und Mitgründerin der Aikido Föderation Deutschland, Anita Köhler, hatte vom Hauseigentümer das Vorrecht erhalten, alle fünf Jahre den Mietvertrag zu verlängern. Jedoch erkrankte sie im Jahr 2017 an Krebs. Im folgenden Jahr verstarb sie.

Nach dem schweren Verlust der Freundin bekam es Oldehus nun mit einem vertraglichen Problem zu tun: Anita Köhler war zuletzt zu schwach gewesen, um sich um eine Verlängerung zu kümmern. Für Aikido Berlin tickte seitdem die Uhr.

“Verein leistet einen wichtigen Beitrag für den Sportbezirk“

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg reagierte noch im Juni 2019 mit einer Resolution und appellierte an die Eigentümer. „Die BVV Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt den Sportverein Aikido (...) und fordert den Investor und neuen Eigentümer auf, Gespräche mit dem Verein zu führen, um eine Lösung bezüglich einer weiteren Nutzung zu finden.“ Der neue Eigentümer solle dem Sportverein ein faires und annehmbares Angebot unterbreiten. „Dieser Sportverein leistet einen wichtigen Beitrag für den Sportbezirk Friedrichshain Kreuzberg“, so die Bezirksverordneten.

Von der ganzen Hilflosigkeit der Schulbetreiber zeugt jetzt ein Eintrag auf der Webseite von Aikido Berlin: „Wir suchen nach neuen Räumen (...). Wir sind für jeden Hinweis dankbar.“