Nach Umzug

Neues Bergmannstraßenfest besser als in der Bergmannstraße

Das Bergmannstraßenfest ist in diesem Jahr in die Kreuzbergstraße umgezogen. Die erste Bilanz fällt positiv aus.

Am Sonntag war mehr Platz beim Straßenfest. Die Hitze hielt so manchen Besucher fern.

Am Sonntag war mehr Platz beim Straßenfest. Die Hitze hielt so manchen Besucher fern.

Foto: Patrick Goldstein

Berlin. Fast wäre es ausgefallen: Das Bergmannstraßenfest hatte für dieses Jahr seinen angestammten Ort verloren, weil dort mit Parklets und neuen Fahrradständern eine Begegnungszone getestet wird. Man musste auf die Kreuzbergstraße ausweichen. Nach drei Tagen Open-Air zeigte sich Jazzfest-Vorstand Toge Schenck allerdings am Montag zufrieden. „Eigentlich ist es ein Glück, dass die Bergmannstraße nicht zur Verfügung stand. Wenn es nach mir ginge, würden wir auch 2020 am Kreuzberg feiern.“

Wie zuerst 1994, spielten auch bei der 25. Auflage zwischen Freitag, 15 Uhr und Sonntag 20 Uhr rund 50 internationale Bands. Mehrere 1000 Zuschauer waren da, am Sonntag spürbar weniger. „Wegen der Hitze“, so der künstlerische Leiter Manne Pokrandt.

Eine gesamte Bühne musste weiterziehen

Am neuen Ort lief noch nicht alles rund. Am Freitag um sechs Uhr stellte Schenck fest: Die WCs nahe dem Mehringdamm hatten keinen Abwasseranschluss in der Nähe. Sie mussten den Standort wechseln, eine gesamte Bühne darum ebenfalls.

Es gab eine Anwohnerin, die sich wegen Lärms eines Spätis beschwerte. Dies aber war nicht Sache der Veranstalter. Damit die Frau dennoch ihr Recht bekam, brachte Co-Vorstand Ingrid Schenck sie zur Polizei, wo sie ihre Anzeige loswurde. „Wenn es weitere Beschwerden gab, bekommen wir sie erst vom Ordnungsamt nachgereicht“, sagt sie.

Sechs Wochen Krankenhausaufenthalt

Der Musik-Verantwortliche Pokrandt erlebte am Sonnabend „zwei schreckliche Stunden“. Ein Bekannter hatte ihm online mitgeteilt, dass der australische Chef einer der Hauptbands des Fests einen schweren Unfall hatte, mit überschlagenem Motorrad und sechs Wochen Krankenhausaufenthalt. Nach 120 Minuten fand Pokrandt heraus: Namensverwechslung.

„Vier von fünf Besuchern sagten, es sei an der Kreuzbergstraße entspannter“, sagt er. Da statt 450 bis zu 520 Meter zur Verfügung stehen und die Straße breiter ist, ging es auch laut Toge Schenk angenehmer zu. Besucher konnten zudem auf der Wiese des Kreuzbergs chillen und dabei Musik hören.

Zusätzliche Meter vermieten

Im Gegensatz zur Bergmannstraße buchten deutlich weniger Restaurants und Cafés Fläche beim Fest. Dafür gab es mehr Platz für Stände. „Wir wissen jetzt, dass wir zusätzliche Meter vermieten können“, sagt Schenck.

Während es als Neuzugänge zwei Weinanbieter gab, sagten jene Spitzenköche trotz langer Ankündigung aus Termingründen ab, die unter dem Titel „Kreuzberg kocht“ in den Vorjahren edle Gerichte zu fairen Preisen angeboten hatten. „2020 sind sie hoffentlich wieder dabei“, so Schenck.