Kommentar

Möckernkiez: Hier probiert man Idealismus aus

Patrick Goldstein, Reporter für Friedrichshain-Kreuzberg, über das Experiment Möckernkiez.

Patrick Goldstein, Reporter für Friedrichshain-Kreuzberg, über das Experiment Möckernkiez.

Patrick Goldstein, Reporter für Friedrichshain-Kreuzberg, über das Experiment Möckernkiez.

Foto: Sergej Glanze

Drei von vier Menschen in Deutschland haben Angst, wegen steigender Mieten ihre Wohnungen zu verlieren. Besonders in der Hauptstadt spüren Mieter die Goldgräberstimmung unter Eigentümern. Versuche der Gegenwehr sind ein umstrittener Mietendeckel und 77.000 Unterschriften für eine Enteignungsinitiative. Am Kreuzberger Vorzeigeprojekt genossenschaftlichen Wohnens indes zieht der eisige Wind vorbei. Um am Experiment Möckernkiez teilzuhaben, gehen Anwärter lange Wartezeiten ein und kaufen sich in Form von 1000 Euro teuren Anteilen lange im Voraus ein Ticket, das sie möglicherweise nie einlösen werden.

Was sie antreibt, ist eine Sehnsucht. Nach Sicherheit. Nach einem anderen Miteinander. Danach, dass in rasenden Zeiten bitteschön einiges wieder so wird, wie es einmal war.

Besonderes Miteinander

In modernen Wohngenossenschaften geht es um die Deckung von Kosten. Ist die Rede von Gewinn, ist damit das besondere Miteinander gemeint. Gemeinsam hat man etwas aufgebaut, Neuzugänger lassen es fortleben. Wer mitbesitzt, geht mit seinem Haus, seinen Grünanlagen besser um. Gebäude von Genossenschaften sind in der Regel besser gepflegt als übliche Miethäuser.

Auch im Möckernkiez wimmelt es vor Idealisten, Menschen, die zusammen- statt anonym nebeneinander leben wollen, die ein Stück Innenstadtbezirk vor einem Wandel bewahren, der dazu geführt hat, dass 75 Prozent der deutschen Mieter in Furcht leben.

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