Gesichert

Mehr als 500 Kreuzberger Wohnungen gehen an Gewobag

Mieter hatten deutliche Preiserhöhungen befürchtet, sobald 2027 die Sozialbindungen auslaufen.

Am Freitag hatten Mieter gegen den Verkauf an Private demonstriert. Grünen-Baustadtrat Florian Schmidt (Mitte) hatte den Protest angestoßen.

Am Freitag hatten Mieter gegen den Verkauf an Private demonstriert. Grünen-Baustadtrat Florian Schmidt (Mitte) hatte den Protest angestoßen.

Foto: IG HAB / BM

In der vergangenen Woche demonstrierten 100 Mieter gegen den Verkauf von 517 Sozialwohnungen an der Kreuzberger Friedrichsstraße an einen privaten Investor. Die Gefahr ist nun abgewendet. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag steht vor dem Erwerb der zwei Wohnblöcke. Im Bieterverfahren habe man sich durchgesetzt, so das Unternehmen. Die entsprechende Beurkundung werde „zeitnah“ erfolgen.

Den Protestzug am Freitag hatte der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) ausgelöst. Er warnte am Tag zuvor via Twitter: „500 Sozialwohnungen an der Friedrichstraße sollen statt an landeseigene Wohnungsbaugesellschaft an Investoren verkauft werden.“ Dies sei seine Reaktion darauf, dass die Verkaufsverhandlungen des Eigentümers der Sozialwohnungen, zwei Kölner Fondsgesellschaften, mit der landeseigenen Gewobag kurz vor dem Scheitern gestanden hätten, sagte er später. Mieter befürchteten deutliche Preiserhöhungen, wenn die Sozialbindungen für ihre Wohnungen 2027 auslaufen.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), begrüßte den Deal: „Mit diesem weiteren Ankauf sichert die Gewobag in mehr als 500 Wohnungen mitten in Berlin dauerhaft bezahlbare Mieten und nimmt vielen Bewohnerinnen und Bewohnern die Sorge vor Verdrängung.“

Nach Erwerb verfügt Gewobag über knapp 6000 Wohnungen im Bezirk

Die Wohnanlage an der Friedrichstraße 225 und 226, zu der auch 19 Gewerbeeinheiten zählen, wurde 2015 unter Denkmalschutz gestellt. Architekt war Werner Düttmann, der zum Architekten-Team etwa von Akademie der Künste und Brücke-Museum gehörte. Ist der Erwerb besiegelt, verfügt die Gewobag in Friedrichshain-Kreuzberg über knapp 6000 Wohnungen.

Der Senator für Finanzen Dr. Matthias Kollatz (SPD), betonte, der Kauf sei im Sinn des Landes Berlin und im Interesse der Mieter. „Das Land Berlin hatte als mögliche Alternative die Ausübung eines vertraglichen Vorkaufsrechts. Der Vertragsabschluss der Gewobag sichert einen schnellen und wirtschaftlichen Übergang.“

Baustadtrat Schmidt will deutlich mehr Wohnungen in kommunalem Bestand

Baustadtrat Schmidt erklärte, für Friedrichshain-Kreuzberg sei dies ein weiterer Schritt zur Erweiterung des Gemeinwohlsektors. „Wir haben über Vorkauf, Abwendung und Ankauf circa 2500 Wohnungen gesichert, das sind rund drei Prozent des Mietwohnungsbestandes im Bezirk.“ Ziel sei es, den Bestand im Bezirk von aktuell rund 27 Prozent in der Hand von landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften, Stiftungen, gemeinnützigen Vereinen und Mietergemeinschaften auf über 50 Prozent zu erweitern. Bis Ende der Legislatur würden 29 Prozent angesteuert, sagte Schmidt.