Kommentar

Mercedes-Platz wirkt oft wie ausgestorben

Der Mercedes-Platz ist ein neuer Teil des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Doch noch wird nicht von den Berlinern angenommen.

Mitarbeiterporträts Patrick Goldstein

Mitarbeiterporträts Patrick Goldstein

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Die Kritik zur Eröffnung des neuen Areals war nicht zimperlich. „Architektonische Langeweile“ und „das Stadtfeindlichste, was man bauen kann“, konstatierten die Zeitungen. Man geißelte das Ensemble als „Baumaßnahme zum Geldverdienen“, als „isolierte Stadt in der Stadt“. Der Versuch, ein neues Viertel zu schaffen, so die einhellige Meinung: ein kompletter Fehlschlag.

Das war vor 21 Jahren. Seitdem damals der Potsdamer Platz als neues Büro-, Wohn- und vor allem Entertainmentviertel an den Start ging, sind die Bürger dieser Hauptstadt besonders sensibel, wenn es um weiträumige Entwicklungsvorhaben geht, die tief in die DNA eines gewachsenen Bezirks eingreifen. Bei Stadtbauprojekt Mediaspree war das nicht anders.

Vor sieben Monaten wurde der Platz eröffnet

Dessen Zentrum bildet nun der Mercedes-Platz. Sieben Monate nach der Eröffnung wirkt die Fläche oft wie ausgestorben. Unternehmen dagegen, die in den angrenzenden Gebäuden Hotelzimmer und Bowlingbahnen vermieten, Show-Events veranstalten und Blockbuster-Filme zeigen, sind mehrheitlich zufrieden.

Mit dem, was die Lebensqualität von Friedrichshain-Kreuzberg ausmacht, hat der neue Platz natürlich wenig zu tun. Das sei auch nicht beabsichtigt gewesen, heißt es beim Eigentümer. „Städte sind schön, denn sie werden gemächlich geschaffen“, hat Renzo Piano 1998 gesagt, einer der Architekten vom Potsdamer Platz. Bleibt zu hoffen, dass der Mercedes-Platz zügig Patina ansetzt, um ins Umfeld zu wachsen.