Hotellerie

Schulz Hotel setzt auf Rucksacktouristen und Geschäftsleute

Nach dem Verkauf der Meininger Hotel-Gruppe versuchen es die Gründer mit einem branchenuntypischen Konzept an der East Side Gallery.

Hotelgründer Sascha Gechter ist es gewohnt, dass es in der Lobby des Schulz Hotels lebhaft zugeht.

Hotelgründer Sascha Gechter ist es gewohnt, dass es in der Lobby des Schulz Hotels lebhaft zugeht.

Foto: David Heerde

Berlin. In der Lobby des Schulz Hotels, in der zuerst eine große Bücherwand und leuchtende Neon-Buchstaben auffallen, kann es schnell mal laut werden. Besonders dann, wenn Schulklassen durch die großen Glasschiebetüren in das Gebäude an der East Side Gallery strömen. Die Kinder und Jugendlichen finden dort alles andere, als eine Jugendherberge vor. Mit seinen gedeckten Farben, der edlen Holzverkleidung und den orientalisch anmutenden Teppichen erinnert es eher an ein Design-Hotel, wie etwa das 25 hours im Bikini Berlin.

Doch statt sich wie letzteres auf hippe Großstädter zu konzentrieren, setzen die drei Gründer des im Herbst vergangenen Jahres eröffneten Schulz Hotels auf eine Idee, die in der Hotelbranche eher ungewöhnlich ist.

Neun weitere Hotels in Metropolen sollen folgen

„Bei uns kommen vom Schüler über den australischen Backpacker bis zum Geschäftsreisenden alle möglichen Zielgruppen zusammen“, sagt Sascha Gechter, der zusammen mit Oskar Khan und Nizar Rokbani das Hotel gegründet hat. Das Konzept dafür haben sie zusammen mit Schulklassen entwickelt. Die drei Berliner Unternehmer haben mit der Meininger-Gruppe bereits eine Hotelkette in Europa etablieren können – vor sechs Jahren haben sie diese an den britischen Touristikkonzern Holidaybreak verkauft.

Nach Auslaufen der Wettbewerbssperre und Versuchen in anderen Geschäftsfeldern wollen sie sich wieder auf die Hotellerie konzentrieren und sich mit der neuen Marke in Berlin etablieren. Nach der Hauptstadt sollen bis 2020 neun weitere Hotels in europäischen Metropolen wie Hamburg, London und Lissabon entstehen.

Übernachtung ab 22 Euro

Wie bei Meininger sind die 350 Zimmer des Schulz Hotels konvertibel, das heißt sie können jederzeit vom Einzel- bis zum Fünf-Bett-Zimmer umgebaut werden. Wie in einem Hostel können Gäste neben Einzel- und Doppelzimmern auch einzelne Betten in einem Zimmer buchen, das sie mit anderen Hotelgästen teilen. Das kostet zwischen 22 und 25 Euro. Die Gäste sollen sich fühlen, als wenn sie bei einem guten Freund zu Besuch sind, deshalb tragen die 32 Mitarbeiter keine Uniform. Wer sich sein Essen selbst zubereiten will, kann in der Gemeinschaftsküche kochen.

Mit ihrem Konzept orientieren sich die Gründer an dem Home-Sharing-Anbieter Airbnb. „Das Unternehmen ist nicht nur erfolgreich, weil es vermeintlich günstiger ist, sondern weil es die buchenden Gäste direkt in die Szene der Stadt bringt“, sagt Sascha Gechter. Etwas, das für Hotels kaum möglich ist.

Zielpublikum ist sehr heterogen

Den Anfang machen sollen regionale Produkte und die Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen. So durfte kürzlich ein Berliner Kindergarten seine Basteleien und Tuschbilder im Eingangsbereich ausstellen. „Man muss sich einweben in die Stadt, wenn man nicht will, dass der Tourismus gekappt wird“, sagt Gechter. Ansonsten könne es passieren, dass Hotelprojekte wegen Bürgerbegehren wieder eingestellt werden müssen – wie ein erst kürzlich verhinderter Hostelkomplex an der Skalitzer Straße in Kreuzberg zeigt.

Mit seiner Idee, die Zielgruppen zu mischen, stößt das Trio in der Branche auf Gegenwind. Schon bei Meininger, wo sie ein ähnliches Konzept verfolgten, hätten sie Grundsatzdiskussionen mit Banken, Investoren und Vermietern geführt und es schwer gehabt, Mietverträge zu bekommen. Je konkreter man eine Zielgruppe definiert, desto erfolgreicher ist ein Produkt. Diesen Satz hat der Hotelgründer in seinem BWL-Studium schon früh gelernt, und er gelte auch noch für viele Unternehmen in der Hotelbranche.

Gründer beklagen Nachwuchsmangel und steigende Mieten

Anscheinend lässt sich dieses Prinzip umdrehen, wie sich am Beispiel des Schulz Hotels zeigt. Etwa 40 Prozent der Gäste kommen in Gruppen, etwa 15 Prozent sind Geschäftsreisende und der Rest Städtetouristen. Mehr als die Hälfte kommt aus dem Ausland. Eigenen Angaben zufolge ist das Hotel mit Blick auf die Spree seit der Eröffnung durchgehend zu 90 Prozent ausgelastet. Das liege neben Faktoren wie der zentralen Lage auch daran, dass sich die Hauptreisezeiten der verschiedenen Zielgruppen nicht überlappen, sondern ergänzen.

Auch wenn die Zahlen stimmen, muss sich das Schulz Hotel mit den Problemen der Branche auseinandersetzen. Wie dem Nachwuchsmangel: Obwohl keine langjährige Berufserfahrung vorausgesetzt wird, seien deutschsprachige Bewerber nur schwer zu finden. Nur etwa die Hälfte der Angestellten sind Muttersprachler. Die Schulz-Gründer setzen deshalb auf ihre internationale Belegschaft. Wie viele andere Budget-Hotels hat das Schulz auch mit den steigenden Immobilienpreisen in Berlin zu kämpfen. Die Expansion in Innenstadtlagen werde komplizierter, deshalb müsse man flexibel sein.

Verband fordert weniger Bürokratie

Mehr Flexibilität und weniger Bürokratie, das fordert Guido Zöllick, Präsident des Deutschen Hotel-und Gaststättenverbandes (Dehoga), auch von der Politik. „Die Ertragssituation bleibt durch weiter steigende Betriebs-und Personalkosten angespannt“, so Zöllick. Berlin und Brüssel sollten sich für ein flexibleres Arbeitszeitgesetz, gleiche Steuern für Essen, für die duale Ausbildung sowie faire Wettbewerbsbedingungen mit Blick auf Angebote von Home-Sharing-Anbietern wie Airbnb einsetzen.

Trotz allem befinde sich das Gastgewerbe in Deutschland auf Wachstumskurs. Laut Statistischem Bundesamt setzten Hotels und Restaurants 2018 nominal 3,2 Prozent mehr um als im Vorjahr. Real bedeutete dies ein leichtes Plus von 1,0 Prozent. „Die heimischen Hotels und Restaurants punkten mit einem äußerst vielfältigen Angebot und einem im internationalen Vergleich sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Zöllick.