Verkehr in Friedrichshain

Gegen Falschparker: Radweg an der East-Side-Mall abgesperrt

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Leitboys wie hier, an der Schöneberger Kolonnenstraße, sind jetzt auch für die  Tamara-Danz-Straße geplant.

Leitboys wie hier, an der Schöneberger Kolonnenstraße, sind jetzt auch für die Tamara-Danz-Straße geplant.

Foto: Jörg Krauthöfer/Funke MedienGruppe

Ständig ist an der Tamara-Danz-Straße in Friedrichshain der Fahrradstreifen zugeparkt. Jetzt geht man gegen das Dauerärgernis vor.

Berlin. Diese Straße ist zum Symbol des unfriedlichen Nebeneinanders von Fahrrad- und Autofahrern geworden: Meist sind die Radstreifen der Tamara-Danz-Straße in Friedrichshain von Autos komplett zugeparkt. In den sozialen Netzwerken stößt man problemlos auf Fotos, die die Misere an nahezu jeder Tageszeit abbilden. Nachdem eine Reihe Maßnahmen nicht geholfen hat, will der Bezirk die Streifen nun baulich abtrennen.

Mit den sogenannten Leitboys. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hat im Verkehrsausschuss angekündigt, dass die weiß-roten, 50 Zentimeter hohen Absperrungen binnen der kommenden drei Wochen aufgestellt werden.

Sie sind beispielsweise an der Schöneberger Kolonnenstraße installiert. Seit Oktober vergangenen Jahres werden sie eingesetzt, nachdem dort im Januar eine Radfahrerin von einem rechts abbiegenden Lkw getötet worden war. Von dieser Woche an sind auch die ersten, vergleichsweise massiveren Poller im Rahmen des Radwegeausbaus auf der Hasenheide aufgestellt.

Das Problem an der Tamara-Danz-Straße ist besonders eklatant, seitdem im Oktober 2018 nebenan die East-Side-Mall eröffnete. Die Mercedes-Benz-Arena befindet sich ebenfalls in der Nähe.

Es tauchte das Gerücht auf, dass die BVG wegen der Falschparker auf dem Radstreifen ihre Buslinie 248 streckenweise einstellte. Die Bezirksverordnete Hannah Sophie Lupper (SPD) sagt, inzwischen habe sich aber gezeigt, dass dies nach Auskunft der BVG vor allem wegen der dortigen Baustellenplanung geschah.

Bezirksamt soll Sorge dafür tragen

Im Protest von Radfahrern und Passanten wurde - auch in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) - der Ruf nach mehr Überprüfung durch das Ordnungsamt, nach Abschleppen und Polizeieinsätzen laut. Die Fraktion der Grünen beantragte mit Beteiligung der FDP, dass das Bezirksamt dafür Sorge trägt, dass Abschleppdienste und Ordnungsamt mit einer andauernden Schwerpunktaktion an der Tamara-Danz-Straße Falschparker abschleppt.

Die FDP legte einen Monat später einen Änderungsantrag vor. Darin steht nun, dass schnellstmöglich Leitboys auf den durchgezogenen Grenzmarkierungen der Radstreifen montiert werden sollen. Zudem müsse das Parkhaus besser ausgeschildert werden.

Zwei Ausschüsse gaben bereits ihre Zustimmung. Am Dienstag geht der Antrag in den Haushaltsausschuss und wird voraussichtlich am Mittwoch in der BVV abgestimmt. „Wenn die Leitboys stehen“, so die FDP-Bezirksverordnete Marlene Heihsel, „kann sich kein Autofahrer mehr herausreden, dass er die Radstreifen nicht wahr genommen hat.“

Für den Gesamteindruck der Straße seien die Leitboys „optisch nicht die Wucht“. Aber: „Sicherheit geht vor.“

Ordnungsamt kommt nicht hinterher

Die SPD-Verordnete Lupper hält die neue Lösung für richtig. Das Ordnungsamt komme mit 34 Stellen in unterschiedlichen Schichtdiensten nicht hinterher. Und es werde auf ihren Touren umgehend wieder falsch geparkt, sobald die Mitarbeiter weiterziehen. „Man muss auch sehen, dass Einsätze für sie vor weit gefährlicheren Orten, etwa vor Grundschulen, Priorität haben müssen.“

Das Verhalten der Falschparker ist besonders dreist, weil sie es im Bereich Tamara-Danz-Straße wahrlich bequemere Möglichkeiten gibt. Die East Side Mall wirbt damit, ein „in das Einkaufscenter integriertes Parkhaus mit über 760 Parkplätzen“ zu bieten. Zudem ist die erste Stunde kostenlos.

Bauliche Maßnahmen benötigt

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADCF) Berlin begrüßt den Schritt – wenn dort auch ein bitterer Geschmack zurückbleibt. Sprecher Nicolas Linck sagt: „Wir finden es gut, dass auf diese Weise eine Lösung gefunden wurde, die Falschparker davon abhält, auf dem Radstreifen zu parken. Allerdings stellt dies auch eine Kapitulation von Ordnungsamt und Polizei dar.“ Offenbar brauche es in Berlin bauliche Maßnahmen, um Autofahrer daran zu hindern, Radwege zuzustellen.

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